Nach Legenden-Spiel Antonia endlich im neuen Bad

  Foto: nh

Die große Fußball-Show von Weißenstadt findet ein glückliches Ende. Das behinderte Mädchen ist von vielen Kicker-Legenden unterstützt worden.

Viele waren zu Tränen gerührt, so unglaublich und emotional war das Fußballfest am 26. Juni 2021, das Wolfgang Heß und Florian Mäder zusammen mit ihrem Weißenstädter Fußballverein SpVgg und einem enormen Aufgebot an Kicker-Legenden auf die Beine gestellt hatten. Über ein Jahr ist es jetzt her, seit Pierre Littbarski, Klaus Augenthaler, Benny Lauth und etliche andere Promis auf dem grünen Rasen der kleinen Seestadt für die behinderte Antonia noch einmal die Fußballschuhe geschnürt hatten. Und mit ihnen Kicker-Legenden aus der Region. Mehr als 56 000 Euro sind zusammengekommen, damit Alexandra und Alexander Braun für ihr jetzt fast 13-jähriges Mädchen ein behindertengerechtes Bad bauen konnten.

Weltmeister von 1990 in Weißenstadt

Mehrere tausend Menschen hätte die Arena in Weißenstadt locker verkraftet an jenem legendären heißen Sommertag. Doch die monatelangen Vorbereitungen ließen die Organisatoren mitten hineinschlittern in die Hochphase der Pandemie. So konnten nur 470 Zuschauer ein nie zuvor dagewesenes Fußballspektakel verfolgen, das die Legenden, die zum Teil Fußballweltmeister von 1990 waren, für einen guten Zweck ins Fichtelgebirge gelockt hatte.

Viel Zeit ist mittlerweile verronnen. Jetzt ist das Bad für Antonia endlich fertig. Na ja, fast. Einige extrem unglückliche Umstände haben dafür gesorgt, dass das Tüpfelchen auf dem i – die Möbel im behindertengerechten Bad in Meierhof bei Weißenstadt – noch fehlt. „Eigentlich war das Bad binnen sechseinhalb Wochen fertig“, erzählt Papa Alexander Braun und dankt noch einmal allen Handwerkern, deren Gewerke schnell, präzise und wie ein Rädchen ins andere gegriffen hatten. Dass sich alles in die Länge gezogen hat, liegt auch daran, dass Antonia letzten Winter noch einmal eine komplizierte, stundenlange Operation an den Rückenwirbeln über sich hat ergehen lassen müssen. „Da hatten wir keinen Kopf für die Renovierung des Bads“, gesteht Mama Alexandra. Und dann war die Beschaffung diverser Teile durch unterbrochene Lieferketten, ausgelöst durch den Lockdown, ins Stocken geraten.

Feuer zerstört Badmöbel

Jetzt präsentiert sich Antonias Bad ohne jegliche Hürden in modernem Grau und Weiß. „Seit letztem Jahr hat Antonia acht Kilo zugelegt – trotz ihrer Skoliose-Operation“, freut sich der Papa. Und man sieht dem Mädchen, das einen Schuss auf 1,45 Meter gemacht hat, an, dass es sich seit der Operation wohler fühlt. Zuweilen glaubt man sogar, sie würde ihr Gegenüber wirklich wahrnehmen. Die Eltern sehen ihrer Tochter an, „dass es ihr viel besser geht“. Denn durch die OP und die Begradigung der Wirbelsäule sei endlich mehr Platz für die Organe. „Schau, sie lächelt“, sagt Alexandra Braun selig – und drückt ihr Mädchen.

Noch einmal zurück zu den Badmöbeln, die die große begehbare Dusche und die Badewanne, in die Antonia über einen Lift hineingelegt werden kann, komplettieren sollen. Besagte Badmöbel hat Papa Alexander Braun höchst selbst gebaut. Als angestellter Schreiner bei der Schreinerei Scherm in Wunsiedel. „Die Möbel waren schon fertig und waren nur noch untergestellt, bis sie eingepasst werden sollten.“ Dann passiert das Unglück vor wenigen Wochen, am 12. Juni: In der Schreinerei bricht ein Feuer aus. Bis heute ist die Firma nicht mehr nutzbar. Feuer und Qualm vernichten auch die neuen Badmöbel, „die ich jetzt irgendwann neu bauen muss, wenn ich wieder Material bekomme und Maschinen dafür habe“, sagt Alexander Braun traurig.

Spende für Verein CDKL5

Trotzdem überwiegt am Montagabend im Hause Braun die Freude über das neue Bad, als die Organisatoren des Benefizspiels, Wolfgang Heß und Florian Mäder, zusammen mit dem Direktor des Weißenstädter Kurzentrums, Raik Eilert, zu Gast bei Antonia sind, um das Resultat zu bestaunen. Wenn alle Rechnungen beglichen sind, dürfte unterm Strich sogar noch etwas übrig bleiben. „Das soll dann an den Verein CDKL5 fließen, in dem sich die Eltern der von dieser Krankheit betroffenen Kinder zusammengeschlossen haben“, sagen Antonias Eltern, deren Tochter am Sonntag mit anderen Kindern der Lebenshilfe konfirmiert worden ist.

Noch immer sind die Organisatoren, die mit glänzenden Augen an das Sommerfestival zurückdenken, begeistert von der enormen Hilfsbereitschaft in der ganzen Region und weit darüber hinaus. „Unser Ziel war ja auch, die Krankheit bekannt zu machen. Das hilft auch dem Verein weiter, nachdem die Aktion sogar auf der Seite des FC Bayern München publik gemacht worden war“, erzählt Wolfgang Heß stolz. „Wir haben die Latte bei der Veranstaltung letztes Jahr ganz schön hoch gelegt“, meint Florian Mäder. „Das können wir nicht toppen.“

Gerade bekommt Antonia einen epileptischen Anfall. Mutter Alexandra nimmt sie in den Arm, streichelt ihre Wangen. „Das passiert ein- bis achtmal am Tag.“ Dass sie und ihr Mann sich mit der Nachtschicht bei Antonia abwechseln und oft nur zwei Stunden Schlaf bekommen – daran haben sich die Brauns längst gewöhnt. „Hauptsache, unserem Mädchen geht’s gut!“

Und es geht schon wieder los...

Nächste Hilfsaktion:
Am 1. Juli rollt wieder der Ball. „Kicken, um zu helfen“, heißt es 2023, wenn die SpVgg Weißenstadt erneut ein Spiel der Legenden auf die Beine stellt. „Wir lassen doch unsere Kontakte nicht einschlafen!“, meint Organisator Wolfgang Heß schmunzelnd. Und hat längst das Okay einiger prominenter Kicker, die für den guten Zweck wieder nach Weißenstadt kommen wollen. Auch Raik Eilert, Direktor des Kurzentrums, stellt erneut Zimmer für die Kicker zur Verfügung. Für Heß war „Litti die Kirsche auf der Torte“. Pierre Littbarski wird hoffentlich wiederkommen, zeigen sich Heß und Mitstreiter Florian Mäder zuversichtlich. Mit von der Partie ist auf jeden Fall wieder die FCN-Legende Jörg Dittwar. „Beim nächsten Benefizturnier sollen die Stars vor ausverkauftem Stadion spielen. Das haben sie verdient!“ Wen die SpVgg diesmal unterstützt, ist noch offen.

Autor

 

Bilder