Nach Umzug Höchstädt reißt altes Rathaus ab

Spätestens Mitte nächster Woche soll das alte Rathaus in Höchstädt abgerissen sein. Foto: Gerd Pöhlmann

Das Gebäude stand schon längere Zeit leer. Die Verwaltung ist in einem modernen Neubau untergekommen. Nächstes Jahr soll der Platz gestaltet werden.

In wenigen Tagen ist es nur noch Erinnerung. Geschichte. Die Gemeinde Höchstädt lässt das alte Rathaus abreißen. Längst steht der Ersatzneubau nebenan. Eingeweiht im Juli vergangenen Jahres erfüllt das neue Rathaus alle Anforderungen, die die Verantwortlichen daran gestellt hatten: Es ist modern ausgestattet, geräumig, bietet nicht nur der Volkshochschule Platz, sondern weist auch vier zeitgemäße Wohnungen auf.

Blick zurück

Ein kurzer Blick zurück: Das alte, 1879 erbaute Rathaus war im Laufe der Zeit marode geworden, die Räume im Obergeschosswaren kaum mehr zu bewohnen. Untersuchungen brachten statische Probleme zum Vorschein, aber auch Feuchtigkeit in den Wänden, Schimmel und unzureichenden Lärm- und Brandschutz sowie eine völlig veraltete Haustechnik. Die Expertise hatte die Gemeinde in Auftrag gegeben, da sich der Gemeinderat schon seit 2016 mit einer Sanierung des Gebäudes beschäftigte. Als aber die Zahlen auf dem Tisch lagen, stand fest, dass der Bau eines neuen Rathauses wirtschaftlicher sein würde als die Sanierung des alten. Doch bis die Bagger rollen konnten, musste die Gemeinde einige Hürden aus dem Weg räumen. Nicht jeder Höchstädter war mit dem im Raum stehenden Abriss des alten Rathauses einverstanden. Und so kam es im Juni 2018 bei einer Bürgerversammlung, bei der Befürworter und Gegner des Rathausneubaus ihre Argumente austauschten, zu einer Abstimmung. Das Ergebnis war eindeutig. Von knapp 140 Anwesenden votierten mehr als 120 für den Neubau.

Keimzelle des Dorfes

Um nun gegenüber dem alten Rathaus bauen zu können, bedurfte es einer Erlaubnis nach dem Denkmalschutzgesetz. Und so wühlten sich im Dezember 2018 Archäologen durch den Baugrund. Dabei stießen sie auf die Keimzelle des Dorfes. Die Historiker fanden Spuren einer Bebauung aus dem 13. Jahrhundert, der Zeit, in der Höchstädt erstmals urkundlich erwähnt worden war. Ein halbes Jahr später feierte die Gemeinde die Grundsteinlegung des Neubaus – und zwar über den Resten des alten Schlosses, das im 19. Jahrhundert abgebrannt war, und einer noch älteren, darunterliegenden Bebauung.

Im Juli vergangenen Jahres wurde das 1,7-Millionen-Euro-Projekt eingeweiht. Der Schriftzug, der die Giebelseite des neuen Rathauses ziert, stammt übrigens vom Vorgängerbau.

Gestaltung des Platzes

Zurück in die Gegenwart: Derzeit sind die Mitarbeiter des Pullenreuther Abbruchunternehmens Plannerer mit dem Abriss des alten Höchstädter Rathauses beschäftigt. Seit Montag frisst sich der Bagger mit einem Abbruchgreifer durch das Gemäuer. „In den vorangegangenen Wochen wurde das Gebäude entkernt“, sagt Höchstädts Bürgermeister Gerald Bauer. Für den gesamten Rückbau des alten Rathauses seien etwa fünf Wochen eingeplant. Bauer schätzt, dass das Abbruchunternehmen spätestens Mitte nächster Woche Vollzug melden kann – wenn nicht sogar schon Ende dieser Woche. „Geplant ist zunächst der Abbruch bis zur Bodenkante“, sagt Bauer. Unterkellert ist das alte Rathaus nicht. Aber um die Bauteile, die im Erdreich verborgen sind, entfernen zu können, muss wieder das Landesamt für Denkmalpflege tätig werden. Immerhin handelt es sich bei dem Areal zwischen Kirche, Schulhaus und Bugatti-Bar um eine Verdachtsfläche. Das heißt, es könnten Bodendenkmäler vorhanden sein. Die gelten als gesichert, sobald sie von Archäologen dokumentiert wurden. Danach können Bodendenkmäler weggerissen oder überbaut, zugeschüttet oder zugänglich gemacht werden – ein Kompromiss in der praktischen Denkmalpflege. Gerald Bauer glaubt aber nicht an bedeutsame Funde.

„Sobald das Landesamt für Denkmalpflege sein Ok gegeben hat, kann auch der Unterbau weg“, sagt er. Und dann geht es an die Planung des Platzes. Eine genaue Vorstellung aber gibt es noch nicht. Sobald ein Landschaftsplan steht, könne die Gemeinde den Platz gemeinsam mit der Gestaltung der Außenanlagen ums Rathaus wahrscheinlich im nächsten Jahr in Angriff nehmen.

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