Nach wenigen Fällen im Vorjahr Experten warnen vor starker Grippewelle

Im vergangenen Jahr infizierten sich vergleichsweise wenige Menschen mit der Grippe (Symbolbild). Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Im vergangenen Jahr ist die Grippewelle nahezu ausgeblieben. Dies könnte nun nach der Meinung von Wissenschaftlern zu einer starken Grippewelle im kommenden Herbst führen, da nur wenige Menschen immunisiert sind.

Stuttgart - Im vergangenen Jahr ist die Grippewelle in Deutschland nahezu ausgefallen. Während das Robert-Koch-Institut (RKI) in den Jahren zuvor meist einige hundert Todesfälle im Zusammenhang mit der Grippe meldet, waren es im vergangenen Jahr nur 13 bestätigte Todesfälle.

Als Begründung für das Ausbleiben der Welle führen Wissenschaftler die Coronamaßnahmen an. Verordnungen wie das Tragen einer Maske, verschärfte Hygienemaßnahmen oder Schulschließungen verhinderten auch die Übertragung der Grippeviren. Außerdem ließen sich im letzten Jahr vergleichsweise viele Menschen gegen die Grippe impfen – so wurden 3,5 Millionen mehr Impfungen vorgenommen als im Jahr zuvor.

Schwache Grippewelle führt zu mehr Fällen im nächsten Jahr

Die ausbleibende Grippewelle im vergangenen Jahr könnte allerdings zu einer schweren Grippewelle im Folgejahr führen. Da sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung mit der Grippe infizierte, konnten auch nur wenige Menschen eine Immunität gegen die Viren aufbauen. „Das könnte bedeuten, dass die Anfälligkeit der Bevölkerung für die Grippe zunehmen wird“, sagt Andy Pekosz, Professor für Mikrobiologie an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, bei NBC. Die geringere Immunität in der Bevölkerung könnte laut dem Wissenschaftler zu mehr Grippefällen führen.

Bestätigt wird diese Annahme auch von Scott Hensley, Mikrobiologe an der Perelman School of Medicine der Universität Pennsylvania. Er appelliert aus diesem Grund an die Bevölkerung, sich in diesem Jahr gegen die Grippe impfen zu lassen. „Wenn es jemals ein Jahr gibt, in welchem geimpft werden muss, dann ist dies das Jahr.“, so der Mikrobiologe. Hensley geht allerdings davon aus, dass die Menschen viel von der Corona-Pandemie gelernt haben und Schutzmaßnahmen wie Abstand und Hygiene weiterführen werden. Dadurch könnte die Grippewelle wieder abgeschwächt werden.

 

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