Mit über 83 Jahren hat sich Hans Dieter Lotz noch mal in Klausur begeben und arbeitete an seinen Lebenserinnerungen „Das Erinnern des Flüchtigen“. In ihrem Mittelpunkt steht seine Kindheit und Jugend in der schlesischen Kleinstadt Lüben. Dort wurde er zwei Tage vor Weihnachten 1928 als Erster unter zehn Geschwistern geboren. Er entfaltet den Kosmos eines heimeligen Provinznestes, in das am 9. November 1938 das Ungeheuerliche einbricht: Der Mob wütet, jüdische Geschäfte werden geplündert, ihre Besitzer misshandelt. 2012 kommentiert er, der Zeitzeuge: „Ältere sind da nicht mehr, die mehr hätten wissen müssen und sich wohl auch hätten verweigern sollen dem, was in ihrem Namen geschah, und dem, was sie mittels ihrer Stimme und Wahl einst heraufbeschworen hatten. Schlesien ist verloren für alle Zeit.“