Naila Brösel erschweren die Arbeit

Schwieriger als gedacht läuft die Sanierung im Friedrich-Wilhelm-Stollen. Der Förderverein erhält dafür keinen Zuschuss. Geld fließt erst für den nächsten Bauabschnitt.

Lichtenberg - Zwei Bergleute stehen am Ende des begehbaren Abschnitts im Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen. Einer der beiden Kumpel hält einen drei Meter langen Stahlträger, der andere einen großen druckluftgetriebenen Hammer. In kurzen Intervallen ertönen laute Schläge. Dabei treibt der Hammer den Stahl in etwa zwei Meter Höhe zentimeterweise leicht schräg nach oben in den Gesteinsschutt, der den Stollen versperrt. "Wir nadeln das Gebirge", erklärt der tschechische Bergbau-Ingenieur Gustav Poncar. Bei den "Nadeln" handelt es sich um ehemalige Eisenbahnschienen - allerdings nicht von einer normalen Bahn, sondern von einer Grubenbahn mit schmäleren Schienen.

Spendenkonto

Der Förderverein Friedrich-Wilhelm-Stollen hofft auf Spenden, um den weiteren Vortrieb durch den verbrochenen Stollenabschnitt finanzieren zu können. Der Verein ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt, Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Die Bankverbindung: Sparkasse Hochfranken, Konto IBAN DE60 7805 0000 0430 6102 53, Kennwort: Spende Stollensanierung.

Die Vorgehensweise des vierköpfigen tschechischen Bergarbeitertrupps ist mit dem Bergamt Nord-bayern abgesprochen. Wie aus dem Sonderbetriebsplan hervorgeht, dürfen sich die Kumpel im verbrochenen Abschnitt immer nur unter dem mit Stahl gesicherten Bereich aufhalten. Seit rund 20 Jahren plante der Förderverein des Besucherbergwerks, diesen seit vielen Jahrzehnten bestehenden Verbruch zu beseitigen.

Die angewandte Methode ist im Prinzip nichts anderes, als dass Bergleute einen Stollen durch die Lockermassen treiben und den entstehenden Hohlraum mit Stahl ausbauen. Auch die "Türstöcke", die aus zwei senkrechten Stempeln und einer waagrecht aufgeschraubten Kappe zusammengesetzt sind, bestehen nicht aus Holz, sondern aus Stahl.

Für Gustav Poncar und seine tschechischen Kumpel ist das im Prinzip Routinearbeit, die sie in zahlreichen anderen Bergwerken bereits angewandt haben. Mit einem Unterschied: Andernorts hatten sie fast immer hartes Gestein in größeren Bruchstücken. Im Friedrich-Wilhelm-Stollen aber kommen im Bereich des 15 Meter langen Abschnitts zwei lockere Gesteine vor, Alaunschiefer und Ockerkalk, die feinkörnig zerbröseln. Und genau dies erschwert und verzögert die Arbeiten, die Ende April begonnen haben und nach dem ursprünglichen Zeitplan eigentlich bereits abgeschlossen sein sollten. "Es rieseln sehr viele kleine Gesteinsbrocken zwischen den Stahlschienen durch", berichtet Eva Spörl, die Vorsitzende des Fördervereins.

Gustav Poncar treibt mit dem Hammer Stahlbleche entlang der Schienen in die Schuttmassen, um das Nachrieseln zu verhindern. Was bei der weiteren Arbeit "vor Ort" folgt, ist im Prinzip Bergmannsarbeit wie im Mittelalter. Mit einer Kratze schiebt Poncar die Schuttmassen in einen Eimer, um das Gestein seitlich in die Hohlräume hinter dem Stahlausbau zu schütten. Insgesamt gestalten sich die Arbeiten zeitraubender und teuerer als geplant. Das bringt den Verein in die Bredouille, denn der begonnene Bauabschnitt soll möglichst bald abgeschlossen werden. Derzeit ist unklar, wie der Abschluss dieser Arbeiten finanziell gestemmt werden könnte.

Auf der jüngsten Jahreshauptversammlung hatten die Mitglieder den einstimmigen Beschluss gefasst, 20 000 Euro in das Sanierungsprojekt im Bereich des Stollenverbruchs zu investieren. Von Gustav Poncar und seinem Bergbautrupp lag ein Angebot vor, mit diesem Betrag den Verbruch innerhalb von vier Wochen zu "durchörtern" - also einen Stollen durchzutreiben. Nach zwei Wochen harter Arbeit schafften die tschechischen Kumpel wegen der Schwierigkeiten gerade einmal drei Meter Vortrieb - bei Kosten von 12 000 Euro. Mindestens neun bis maximal zwölf weitere Meter müssten noch vorgetrieben werden. Doch dem Verein stehen dafür nur noch 8000 Euro zur Verfügung.

Spörl beziffert den Finanzbedarf für das laufende Projekt auf rund 50 000 Euro. "Wir hoffen auf Spenden aus der Bevölkerung und der heimischen Wirtschaft, damit wir die Arbeiten zeitnah vollenden können", sagt Eva Spörl. "Auch neue Mitglieder sind im Förderverein herzlich willkommen", betont die Vorsitzende.

Als sich abzeichnete, dass die Kosten der laufenden Sanierungsarbeiten das Vereins-Budget sprengen würden, setzte sich die Vorsitzende mit dem Landratsamt Hof in Verbindung, um nach einem Sachstandsbericht die Möglichkeiten für Fördermittel auszuloten. Wie Spörl erfahren hat, stehen für derartige Projekte prinzipiell Mittel aus dem EU-Förderprogramm "Leader" zur Entwicklung des ländlichen Raumes zur Verfügung. Allerdings nur für künftige Projekte über und unter Tage, weil für bereits begonnene Bauarbeiten nachträglich keine Förderung möglich ist. Spörl hofft nun, dass der Verein über einen Zuschuss, den die Sparkasse in Aussicht stellt, einen Teilbetrag finanzieren kann.

 
 

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