Naila - Nicht anders ist es bei der Konzertreihe Orgelsommer im Frankenwald , die auch bei der dritten Veranstaltung, diesmal wieder in der Nailaer Stadtkirche, für die Freunde spiritueller Musik viel Neues brachte. Ein stimmiges Repertoire hatte Josef Freund für den Konzertabend vorbereitet und am Spieltisch der Schuke-Orgel Platz genommen. Der Interpret ließ gleich bei der einleitenden "Entrada" des zeitgenössischen britischen Tonschöpfers Noel Rawsthorne und der folgenden Fanfare des Franzosen Theodore Dubois (1837 bis 1924) aufhorchen. Am Wendepunkt der Spätromantik zur Moderne des 20. Jahrhunderts nimmt der Komponist aus dem Nachbarland eine oft verkannte Schlüsselposition ein. Danach die Überraschung: Eine Gesangssolistin kam ins Spiel, und Josef Freund an der mächtigen Schuke-Orgel mit 36 Registern hatte bei den meditativen Taizé-Gesängen aus Psalm 25 und 23 "nur" noch den leisen, klanglich fein differenzierten Begleitpart. Die Nailaer Sopranistin Angelika Waldeck verkündigte mit klarer modulationsfähiger Stimme "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" (Psalm 23) und "Nach dir, Herr verlanget mich. Mein Gott auf dich hoffe ich, lass mich nicht zuschanden werden" (Psalm 25). Der Gesamttitel dieser Gesänge, die in der Communität Taizé im französischen Burgund entstanden sind, lautet "O Christe Domine Jesu". Den alttestamentlichen Texten der göttlichen Loblieder von König David folgten Liedvorträge der christlichen Popularmusik, in Noten gesetzt und getextet von Liedermachern unserer Zeit wie Ruthild Wilson und Helmut Naujoks, die Angelika Waldeck überzeugend sang: "In your Name" und "Peace shall be with you". Den gesanglichen Teil hatte Organist Josef Freund mit dem Choral "Jesus bleibt meine Freude" aus der gleichnamigen Bachkantate mit hoher spiritueller Intensität eingeleitet und mit der irischen Volksweise "Greensleeves" und dem jubelnden "Sommerpsalm" von Waldemar Ahlén (1894 bis 1982) abgeschlossen. Die Zuhörer applaudierten anhaltend. Reinhold Singer