Naila Viertklässler üben neuen Corona-Alltag in Schulen

Der erste Schultag nach acht Wochen Corona- Pause: Die Viertklässler in der Region starten mit Freude in den Schulalltag - auch wenn er nun anders ist als je zuvor.

Münchberg/Zell/Selbitz - Der Schulhof der Grundschule in Münchberg ist mit roten Punkten übersät. Sie markieren je den Mindestabstand von eineinhalb Metern. "So werden die Kinder auch in der Pause immer wieder daran erinnert", sagt Udo Schönberger, Rektor der Grundschule. 67 Viertklässler durften hier am Montag wieder den Unterricht besuchen. Auch an anderen Grundschulen in der Region ging der Unterricht nach einer zweimonatigen Corona-Pause los.

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Bisher durften in einem ersten Schritt die bayerischen Schulen am 27. April den Unterrichtsbetrieb für die Schüler der Abschlussklassen wieder aufnehmen. Seit dem 11. Mai dürfen nun auch die Grundschulen die Jahrgangsstufe vier sowie die weiterführenden Schulen die Klassen, die im nächsten Jahr ihren Abschluss anstreben, wieder unterrichten.

Bereits um 7.30 Uhr waren zwei Eingänge der Grundschule Münchberg unter Aufsicht für die Kinder geöffnet, um eventuelle Staus zu vermeiden. "Die Schüler sind richtig froh, dass sie endlich wieder in ihre Klassenzimmer dürfen", sagte Rektor Schönberger. Am ersten Schultag hat die Schule zunächst die Erfahrungen aus der Corona-Zeit aufgearbeitet. Man müsse die Kinder erst wieder ankommen lassen, bevor ein normaler Unterricht stattfinden kann, ist der Rektor überzeugt.

Die Schule hat sich schon in den vergangenen Wochen auf die neuen Regeln eingestellt: In den Gängen des Schulgebäudes wurde bereits in der Zeit der Notbetreuung ein Einbahnstraßensystem eingeführt. Zehn der Viertklässler, die in den vergangenen Wochen die Notbetreuung besuchten, kannten die neuen Laufwege bereits und unterstützten ihre Mitschüler bei der Eingewöhnung.

Um den Mindestabstand auch in den Klassenzimmern zu gewährleisten, haben die Lehrer die drei Klassen auf sechs Unterrichtsgruppen aufgeteilt. Räumlich benachbart sind die zwei Gruppen, die zu einer Klasse gehören. So könne der Klassenlehrer, jeweils unterstützt durch eine weitere Lehrkraft, zwischen den Gruppen wechseln.

Auch in den Pausen auf dem Schulhof habe das Abstandhalten am ersten Tag gut funktioniert, erzählt Udo Schönberger. "Wir stellen den Kindern auch nur Spielgeräte zur Verfügung, die die Kinderhände nicht wechseln." So können die Kinder den Ball mit dem Fuß oder dem Schläger schießen. Bei den Aktivitäten müssen die Kinder aber Masken tragen.

Auch an der Grundschule in Zell im Fichtelgebirge war die Freude der zwölf Viertklässler über die Rückkehr an die Schule "riesengroß", wie Leiterin Carola Grellner erzählt. Detailliert wurden Eltern und Kinder in einem Brief vorab über die neuen Hygiene- und Verhaltensregeln informiert: Mindestabstand, Pausengestaltung und Maskenpflicht im Gebäude. Die Kinder werden zudem durch separate Eingänge ins Gebäude geführt. Kinder, die mit dem Bus aus der Umgebung kommen, nutzten den Eingang über den Parkplatz, die Zeller Kinder den Eingang des Pausenhofes.

"Alle haben sich an die neuen Verhaltensregeln gehalten und sind sich auch nicht vor Wiedersehensfreude in die Arme gefallen - auch wenn es schwerfiel", sagte Grellner. Auch in Zell gab es am ersten Tag keinen regulären Unterricht. Vielmehr habe man mit den Kindern zunächst das Erlebte der vergangenen Wochen aufgearbeitet und gemeinsam die neuen Regeln für Unterricht und Pausen besprochen. "Wir werden die Pausen nach Möglichkeit im Freien verbringen, natürlich auch hier mit dem Mindestabstand." Auf Gruppenspiele und Fußball auf der Wiese müssen die Kinder verzichten.

Da der erste Schultag für die 22 Mädchen und Jungen der Selbitzer Grundschule ein besonderer war, starteten sie ihn mit einer Zuckertüte - wie vor vier Jahren. "Wer seine eigene nicht mehr hatte, der hat sich eine geliehen", erzählt Schulleiterin Franziska Strunz.

Um den Abstand für die Kinder zu verdeutlichen, lagen vor dem Schulhaus 22 Reifen. "Schließlich haben sich die meisten seit acht Wochen nicht mehr gesehen, und die Freude ist groß", weiß die Klassenlehrerin Andrea Stojanov. "Alle weiteren Hygieneregeln werden wir dann in den Klassenzimmern besprechen."

Wie am ersten Schultag vor vier Jahren war auch Bürgermeister Stefan Busch zu Gast - und er kam nicht mit leeren Händen. Er überreichte an die Viertklässler wiederverwendbare Mund-Nasen-Schutzmasken, für die Mädchen in Rot, für die Jungen in Blau. "Auch für die anderen Grundschüler gibt es je eine Maske", sagte der Bürgermeister. Maskenpflicht herrscht in den Schulbussen, auf dem Pausenhof und in den Gängen. In den Klassenzimmern beim Unterricht, wenn der Sicherheitsabstand gegeben ist, müssen die Kinder keine Masken aufsetzen.

Die 22 Viertklässler sind in zwei Gruppen aufgeteilt und werden von Klassenlehrerin Andrea Stojanov und Lehrerin Christine Beck unterrichtet. Die Schüler haben drei Schulstunden am Tag in den Hauptfächern mit Pause, sind also bis 11 Uhr in der Schule. "Am 18. Mai kommen dann auch unsere 31 Erstklässler erstmals wieder in die Schule, aber aktuell gibt es noch keinen konkreten Ablaufplan", sagt Schulleiterin Franziska Strunz. Dann werden die Grundschüler auf drei Pausenhöfe aufgeteilt, um Ansammlungen zu vermeiden. Jetzt werden zwei Pausenhöfe und zwei Eingänge genutzt, es darf auch immer nur ein Kind auf die Toilette. In den Sanitäranlagen stehen Einweghandtücher zur Verfügung. "Wir erklären den Kindern, dass sie die Hände 25 Sekunden lang mit Seife waschen müssen." Zudem hat die Schule vom Sachaufwandsträger, der Stadt Selbitz, Spender und Desinfektionsmittel erhalten, die die Kinder freiwillig benutzen können. Täglich wird die Schule gründlich gereinigt, nachdem Schüler und Lehrer sie verlassen haben.