Nazis töteten Tante Neffe stellt Buch über Gräueltaten vor

In der NS-Zeit wurden Menschen mit Behinderung häufig ermordet. Zum Beispiel Anna Benker.

Udo Benker-Wienands Foto: Aufwind

Im Rahmen der Hochfränkischen Wochen der Seelischen Gesundheit hat Udo Benker-Wienands sein Buch über seine Tante Anna Elisabetha Benker in der Stadtbücherei Hof vorgestellt und daraus gelesen. Eingeladen hatte der Verein „ Aufwind – Hilfen für Psychiatrie-Erfahrene“.

Nach der Werbung weiterlesen

Anna Elisabetha Benker wurde 1904 in Quellenreuth, zwischen Rehau und Schwarzenbach an der Saale gelegen, geboren und 1940 auf Grund einer psychischen Erkrankung im Rahmen der sogenannten T4-Aktion von den Nationalsozialisten in Schloss Hartheim bei Linz ermordet. Die T4-Aktion wurde nach ihrer Zentrale in der Tiergartenstraße 4 in Berlin benannt und hatte zum Ziel, kranke und behinderte Menschen umzubringen. Während des Nationalsozialismus wurde behinderten Menschen weitgehend die Fähigkeit und das Recht auf ein lebenswertes Leben abgesprochen. Vielmehr betrachtete man sie als „Ballastexistenzen“, die nur Kosten verursachten und so der „Volksgemeinschaft“ schadeten.

In Oberfranken wurden während der NS-Zeit weit über 200 Menschen mit Behinderung umgebracht. Fast alle Opfer starben im Schloss Hartheim in Oberösterreich in der Nähe von Linz. Sie wurden meist von den Kliniken in Bayreuth und Kutzenberg über Ansbach in Sammeltransporten nach Österreich gebracht. Dort wurden sie mit Kohlenmonoxidgas ermordet und in einem Krematorium verbrannt.

Benker-Wienands las nicht nur vor, sondern erläuterte das Schicksal seiner Tante, verknüpft mit der Darstellung der unmenschlichen Praktiken des Nationalsozialismus, in freier Rede. Er konnte auch zahlreiche Belege aus der damaligen Zeit vorlegen, damit den historischen Hintergrund aufhellen und so ein sehr eindrückliches Bild der individuellen, sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten vermitteln.

Die Zuhörer waren erschüttert über das grausame Schicksal der jungen Frau aus dem Landkreis Hof. In einer intensiven Diskussion wurde auch die Ideologie der Nationalsozialisten, die auf Gewalt, Rücksichtslosigkeit und Stärke fokussiert war, beleuchtet. Heute erkenne man die Unmenschlichkeit, die zur Ermordung von weit über 100 000 Menschen mit Behinderung geführt hatte, unter einem anderen, mitmenschlichen Blickwinkel.

„In einer solidarischen und menschlichen Demokratie wie in der Bundesrepublik sind solche Gräueltaten Gott sei Dank völlig undenkbar“, sagte Gastgeber Reiner Hager vom Verein Aufwind. Dennoch gelte es, stets aufmerksam auf das Aufkeimen unmenschlichen Gedankenguts zu achten und zu reagieren. „Was damals geschehen konnte, darf sich nie wiederholen.“

Das Buch “Anna Elisabetha Benker“ kann in der Buchhandlung Seitenweise in Rehau oder beim Autor erworben werden.