Ist der Film Kritik - oder eine Hommage an den Kremlchef?
Regisseur Assayas nimmt Russland und Putin ernst, begegnet dem Machtgefüge in dem Riesenreich mit Respekt. So hat es auch der Kreml gern. Insgesamt kommt der Präsident, der das Land seit mehr als 25 Jahren führt und 2022 seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, vergleichsweise gut weg. Das ist kein Vergleich zu dem Film "Putin. Krieg wird kommen" des polnischen Regisseurs Patryk Vega, der den Kremlchef zuletzt als blutrünstiges Monster mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf die Leinwand brachte.
Als Kinoheld ist Putin aber kein Novum. 2008 erschien der russische Film "Ein Kuss – nicht für die Presse" über Putins Jahre beim Geheimdienst, seine Zeit als KGB-Offizier in Dresden und seine damalige Ehefrau Ljudmila und die beiden Töchter. Das war eine klare Hommage.
Was würde Putin zu dem Film sagen?
Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte vor der Weltpremiere voriges Jahr, es sei "gesetzmäßig", dass Putin als bedeutender Politiker auch im Film vorkomme. "Putin ist einer der erfahrensten und erfolgreichsten Staatschefs der Welt, ein Weltführer, dessen Einfluss auf das Weltgeschehen kaum zu überschätzen ist", sagte er. Neue Erkenntnisse gibt es in dem Leinwand-Epos aber nicht.
Putin selbst äußert sich immer wieder abschätzig über westliche Kinofilme; er will "traditionelle Werte" dargestellt sehen. Gerade erst ordnete er wieder an, ausländische Filme per Quotierung zu beschränken, russische Filme länger auch in den Kinos spielen zu lassen. Dabei gab es unlängst Berichte, nach denen die meisten russischen Filme Flops seien an den Kinokassen.
Welche russischen Reaktionen gibt es, wird der Film in Moskau gezeigt?
In die russischen Kinos dürfte der Film schon wegen der aus der Luft gegriffenen Schlussszene wohl nicht kommen. Zudem gibt es wegen der Sanktionen im Zuge von Putins Krieg gegen die Ukraine überhaupt nur noch wenige westliche Filme in den Kinos. Aber die Russen schauen auch verbotene Filme – perfekt synchronisiert – auf Piratenseiten im Internet.
Und die Filmkritik? Der prominente russische Filmexperte Andrej Plachow lässt kaum ein gutes Haar an dem Film. Allenfalls habe sich Jude Law Beifall verdient, teilweise spiele er Putin sehr authentisch. In der Zeitung "Kommersant" schreibt er nach der Premiere in Venedig: "Diejenigen, die einen Skandal erwartet hatten, sehen sich enttäuscht. Hier herrscht geradezu vorsichtige politische Korrektheit." Der Film sei "irgendwie blass, ganz und gar nicht ausdrucksstark, ohne echte Überzeugung und ohne starke Gefühle".