Neue Spielzeit der Hofer Symphoniker Jünger, weiblicher, mutiger

Shiyeon Sung Foto: /Yongbin Park

Der neue Spielplan der Hofer Symphoniker überrascht eigentlich nicht: Die neue Intendantin Cora Bethke hatte eine eigene Handschrift versprochen. Sie hält Wort.

Hof - Ein „Obwohl“ ist oft ein deutliches Signal für Diskriminierung. Florence Price ist ein Beispiel. Sie setzte sich als Komponistin in den USA in Zeiten der Segregation durch – obwohl sie Frau und „schwarzen Blutes“ war, wie sie selbst sagte. Und es ist ein gutes Zeichen, wenn die Hofer Symphoniker in ihrer neuen Spielzeit 2022/23 Prices erste Symphonie spielen. So wie es selbstverständlich sein sollte, der Südkoreanerin Shiyeon Sung den Taktstock in die Hand zu geben oder die Fünfte von Emilie Mayer ins Programm zu heben. Das Hofer Orchester sucht Neuland, im Gestern, im Heute und im gesellschaftlichen Diskurs.

Bewährtes und Neues

Verbunden ist das mit der neuen Intendantin Cora Bethke. Sie dreht die Symphoniker nicht auf links, aber sie hat etwas vor. Bewährtes sichern sichert zunächst das Publikum und liebe Gewohnheiten: der zuletzt fabelhafte Christian Zacharias führt den Beethoven-Zyklus weiter, Mozart, Brahms, Dvorák – alle wieder dabei. Und dann kommt da Ungehörtes, Fremdes, Wiederentdecktes, Neues und Spannendes. „Balance“ nennt das Bethke.

Dass die neue Intendantin Frauen stärker beleuchtet, hat für sie „rein musikalische Gründe“, sagte sie zumindest. Es ist für sie eine rein logische Entscheidung, das liegen gelassene weibliche Kapital einzusetzen, um Qualität zu liefern. Nein, sie wolle gar nicht erst von der Ungerechtigkeit im Business reden, erwähnt dann aber doch Fanny Hensel und Maria Anna Mozart, die hochbegabt Opfer der männlichen Alpha-Musiker und der Gesellschaft wurden.

Junge Musikerinnen

Wenn es am 23. September im Festsaal der Freiheitshalle (so ist der Plan) losgeht, ist auch die relative Jugend am Start. Christian Zacharias , selbst gekrönter Pianist, hat in Yumeka Nakagawa (Jahrgang 2001) und Claire Huangci (1990) sich zwei Musikerinnen für die Beethoven-Konzerte für Hof gewünscht und sie bekommen. Ein Lifting verpassen die Hofer Symphoniker dem Programm auch, wenn die bunt aufspielende Britin Jess Gillam als Solistin das Saxofonkonzert des nicht immer leicht zu hörenden US-Komponisten John Adams bestreiten wird.

Am Pult setzt Bethe ihre Politik fort. Hermann Bäumer bleibt für drei weitere Spielzeiten den Symphonikern als Conductor in Residence erhalten. Auch den leutseligen Johannes Wildner wird man wieder sehen. Das Orchester werden aber auch Gabriel Venzago und Martijn Dendievel leiten, die als Vertreter der jungen Generation hoch gehandelt werden.

Talk mit dem Musiker

Und Cora Bethke geht es um Kommunikation. Neben einem Sonderprogramm mit Kammerkonzerten und einem Filmkonzert (nachzulesen in einer der nächsten Ausgaben) will sie am besten ohne Schwelle Gespräche möglich machen. Beim zweiten und sechsten Konzert wird es wie gewohnt eine Einführung, aber auch das neue Format „Nachgefragt“ geben. Das Publikum kann nach dem Konzert mit den Solisten und dem Dirigenten über das eben Gehörte und Erlebte reden.

Ob die neue Spielzeit ein großer Wurf wird, wird das Publikum entscheiden. Aber Soziologie-Studenten der Hofer Hochschule wollen da mitreden. Sie werden untersuchen, wer warum ins Konzert geht – die akademische Nagelprobe für die neue Intendantin.

Die Spielzeit 2022/23

Elf Konzerte spielen die Hofer Symphoniker in der nächsten Spielzeit, jeweils freitags um 19.30 Uhr:

• 23. September: Franz Liszt/Franz Schubert: Wanderer-Fantasie C-Dur; Anton Bruckner: Symphonie Nummer 4. Solist: Christopher Park (Klavier). Dirigent: Johannes Wildner.

• 21. Oktober: Andrew Norman: Unstuck, Antonin Dvorák: Violinkonzert a-Moll; Florence Price: Symphonie Nummer 1. Solistin: Antje Weithaas (Violine), Dirigent: Hermann Bäumer, Conductor in Residence.

• 11. November: Jacques Ibert: Bostoniana, John Adams: Saxofonkonzert,

César Franck: Symphonie d-Moll. Jess Gillam (Saxofon), Dirigent: Martijn Dendievel.

• 2. Dezember: Beethoven: Symphonie Nummer 8, Konzert für Klavier und Orchester Nummer 4, Symphonie Nummer 7. Yumeka Nakagawa (Klavier), Dirigent: Christian Zacharias.

• 27. Januar: Mozart: Symphonie Nummer 34, Joseph Haydn: Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur, Franz Schubert: Symphonie Nummer 2. Solistin Julia Hagen (Cello), Dirigent: Gabriel Venzago.

• 3. März: Bruckner: Ouvertüre g-Moll ,

Brahms: Vier ernste Gesänge, Hans Rott: Symphonie 1. Solist: Konstantin Krimmel (Bariton), Dirigent: Hermann Bäumer.

• 31. März: Hector Berlioz: Harold in Italien, Jean Sibelius: Symphonie Nummer 2. Hartmut Rohde (Viola), Dirigentin: Shiyeon Sung.

• 21. April: Sergej Prokofieff: Sinfonia concertante op. 125, Dmitrij Schostakowitsch: Symphonie Nummer 11. Christian Poltéra (Violoncello), Dirigent: Hermann Bäumer.

• 12. Mai: Haydn: Symphonie Nummer 64, Mozart: Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, Emilie Mayer: Symphonie Nummer 5. Sebastian Manz (Klarinette), Dirigent: Hermann Bäumer.

• 16. Juni: Beethoven: Symphonie Nummer 6, Klavierkonzert Nummer 5. Claire Huangci (Klavier), Dirigent: Christian Zacharias.

• 7. Juli: Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn op. 56a; J.S. Bach: Konzert für Oboe d’amore, Streicher und B.c. A-Dur, Dvorák: Symphonie Nummer 8. Albrecht Mayer (Oboe und Dirigent).

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