Neubesetzung Ökostation Helmbrechts in neuen Händen

Wollen der Ökostation eine neue Ausrichtung geben: Birgit Schreier (links) und Leiterin Andrea Tröße. Foto: /Ertel

Neue Formate, ein neues Programm und Umweltbildung vor Ort: Andrea Tröße und Birgit Schreier schmieden Pläne zur Umgestaltung und Neuorientierung der Station.

Auf dem Weg zur LBV-Ökostation Helmbrechts wird der Besucher vom Gesang der Vögel und dem Quaken der Frösche empfangen und taucht ein in die Farben der Natur. Auf rund 14 Hektar Fläche vereint die Ökostation verschiedene Lebensräume: Teiche und Bäche, Wiesen, Bäume und Sträucher. Landschaftspflege und Umweltbildung sind die großen Themen der Ökostation, die seit Kurzem in neuen Händen ist.

Erst seit wenigen Wochen arbeiten Leiterin Andrea Tröße und ihre Mitstreiterin Birgit Schreier in der Ökostation. Dennoch wirken sie, als wären sie schon längst angekommen an ihrem neuen Arbeitsplatz. Denn das Zweierteam sprüht vor Ideen, wie es die Einrichtung im 20. Jahr ihres Bestehens neu aufstellen und voranbringen will.

Mario Wohlfahrt, der die Station rund zehn Jahre geleitet hatte, hat sie im vergangenen Herbst verlassen. Er habe sich beruflich neu orientiert, sagt Tröße. Die Diplom-Geoökologin aus Hof hat dann im März dessen Aufgaben übernommen. Im April kam Birgit Schreier dazu, die in Schwarzenbach an der Saale lebt und nun für die Umweltbildung zuständig ist.

Andrea Tröße ist Mutter von zwei Söhnen und hat vorher am Landesamt für Umwelt in Hof gearbeitet. Den „Schreibtischjob“ verließ sie zugunsten des „Traumjobs“ in Helmbrechts, wo sie Tieren, Pflanzen, Menschen nah sein kann. Sie sagt: „Ich bin mir sicher, dass wir in der Ökostation künftig viel mehr machen können, als in den vergangenen Jahren gelaufen ist. Wir sehen hier viel Potenzial und wollen es heben.“

Birgit Schreier war vor der Anstellung in der Ökostation für die Umweltbildung unter anderem beim Bund Naturschutz zuständig. Sie ist gelernte Gärtnermeisterin, erzählt sie, und als solche lege man den Schwur ab, sein Wissen weiterzugeben. „Das übertrage ich auf mein gesamtes Leben. Wenn ich mein Wissen weitergeben kann, hat sich mein Wunsch erfüllt.“

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Ökostation ausgebremst, seit Ostern gibt es aber wieder viele Kooperations- und Besuchs-Anfragen. Bis zum Sommer sind Events geplant, am 2. Oktober wird das 20-jährige Bestehen groß gefeiert. Tröße und Schreier wollen künftig neue Formate und Module für Schulklassen gestalten; Vorträge, Exkursionen und Workshops für Erwachsene und Familien sollen ins Programm. Der kleine Garten soll vergrößert werden, eine neue Feuerstelle soll entstehen, die Infotafeln am Gelände und die Goldwaschstelle am Bach sollen erneuert und der Lehrpfad neu konzipiert werden.

Das Potenzial liegt aber nicht nur in der Infrastruktur des Geländes, zu dem unter anderem mehrere Teiche, Wiesen, eine Schafherde, ein Spechtturm, eine Unterwasserstation, Beete, Bienenstöcke, eine Werkstatt und ein Hühnerhaus gehören.

Auch inhaltlich gilt es viel Potenzial zu heben: Tröße und Schreier wollen neue Zielgruppen erschließen und die Umweltbildungsarbeit mehr nach Außen tragen: „Es sollen nicht nur Gruppen zu uns kommen. Wir wollen auch an Schulen Projekte durchführen und den Kindern das große Thema Nachhaltigkeit in ihrem direkten Umfeld nahebringen“, sagt Tröße. Oftmals sei es nicht einfach, Grün in der Umgebung der Schulen zu finden: Viele Flächen seien versiegelt, die Bäche vertrocknet. So müsse man Ideen entwickeln, wie man die Gegebenheiten so gestaltet, dass die Kinder die Abfolge der Jahreszeiten erkennen und die in der Umgebung heimischen Tiere, Pflanzen und Insekten entdecken können. „Bei der Umweltbildung geht es auch um Naturschutz und Themen wie Konsum, Urlaub, Ernährung“, erklärt Schreier. Es sei auch wichtig, den Kindern Raum zu geben, über ihre Ängste zu sprechen. Diese seien oft etwa wegen der Klimaveränderung verunsichert, fürchteten sich vor Wetterextremen wie Starkregen oder den Zecken im Gras. „Durch Aufklärung nehmen wir den Kindern die Angst.“

Das Thema Umweltbewusstsein werde in der Bevölkerung immer wichtiger, sagt Schreier: Es sei salonfähig, einen Teil des Gartens Tieren und Insekten zu überlassen; Schottergärten kommen aus der Mode und selbst in Discountern steht ein Sortiment an Pflanzen bereit. „Es ist viel leichter geworden, etwas für die Umwelt zu tun.“

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