Neue Kreisheimatpfleger in Wunsiedel Neue Spuren über alte Wurzeln

Landrat Peter Berek ernannte Dr. Sabine Zehentmeier-Lang (Zweite von links) und Walter Rößler (Zweiter von rechts) zu Kreisheimatpflegern und verabschiedete deren Vorgänger Dieter Hempel, gemeinsam mit Bezirksheimatpfleger Günter Dippold (rechts) und dem früheren Landrat Dr. Peter Seißer (links). Foto: /Wolfgang Neidhardt

Dieter Hempel hat über 30 Jahre als Kreisheimatpfleger das Kulturerbe des Fichtelgebirges bewahrt. Seine Nachfolger Dr. Sabine Zehentmeier-Lang und Walter Rößler werden diese Aufgabe fortsetzen.

Wunsiedel - „Schäi, dass dirz heid daousett’s“. Dieter Hempel ist ein Freund kurzer Worte und pflegt nicht nur die Mundart, sondern die Musik seit Jahrzehnten. Und so war es dem scheidenden Kreisheimatpfleger aus Röslau ein besonderes Anliegen, bei seiner Verabschiedung gleich zu Beginn die „Ponader-Boum“ aus Nagel zu begrüßen, die die Feierstunde mitgestalteten und ihr mit dem Fichtelgebirgslied einen würdigen Schluss verliehen. Nachfolger des Röslauers ist ein Duo: Dr. Sabine Zehentmeier-Lang und Walter Rößler nahmen aus den Händen von Landrat Peter Berek die Urkunden entgegen.

Launig gestaltete Hempel die Übergabe: „Ich habe ein Schreiben vom Bauamt Wunsiedel an mich mitgebracht. Jetzt dürft ihr euch streiten, wer dafür zuständig ist.“ Ein letztes Mal trat der scheidende Heimatpfleger so auf, wie ihn der Landrat charakterisierte: „unkompliziert, sympathisch und natürlich mit viel Sachverstand ausgestattet“. Hempel habe sich verdient gemacht um Kultur, Brauchtum, Mundart und die Musik, in denen dies alles mündet,– auch als Mitglied der „Wilden Sänger“ in Röslau.

34 Jahre im Amt

„Im Laufe Ihrer Tätigkeit, die Sie am 18. Mai 1987 aufnahmen, haben Sie gezeigt, dass aus unserer Heimat Persönlichkeiten herauswachsen, die mit ehrenamtlichem Engagement auf ihre Weise Zeichen setzen.“ Schon vorher hatte Hempel Namensforschung für den Nordbayerischen Sprachatlas betrieben. „Ihr Name wird immer in Verbindung mit dem Landkreis stehen“, versicherte der Landrat und betonte die Bedeutung der Heimatpflege: „Man soll den Kindern Wurzeln geben und auch Flügel.“ Weil Dieter Hempel ein besonderes Verhältnis zu Bierkrügen habe, erhielt er noch einige weitere inklusive Füllmaterial als Präsent zu seinem Abschied.

Ein Mann wie er sei nicht zu ersetzen. Seine Nachfolger würden eher neue Spuren in neue Situationen setzen. Dr. Sabine Zehentmeier-Lang und Walter Rößler seien würdige Nachfolger, betonte auch Bezirksheimatpfleger Dr. Günter Dippold. Das durchaus kritische Gremium, das die Heimatpfleger auswählt, sei regelrecht begeistert gewesen, als es diese beiden bekannten Namen vernahm. Beiden attestierte er: „Sie stellen sich hin, reden, wie Sie denken, und handeln, wie Sie reden: Anpacker statt Ankündiger.“

Erste wichtige Voraussetzung für die Tätigkeit ist eben die Wurzel in der Heimat. Dr. Sabine Zehentmeier-Lang stammt aus Arzberg und ist aufgewachsen in einer heimat- und kulturbewussten Familie sowie im Umfeld der Familie Schemm und von Dr. Friedrich Wilhelm Singer, prägenden Figuren gerade für sie. Folgerichtig studierte sie in Bamberg Euro-Ethnologie, das Fach, das früher Volkskunde hieß. In der Magister- und der Doktorarbeit dokumentierte sie die Porzellanindustrie in unserer Region.

Anfangs im Porzellanmuseum

Fast schon zwingend folgten zwölf Jahre Tätigkeit im damaligen Deutschen Porzellanmuseum, heute Porzellanikon. Danach und in weiteren zwölf Jahren bis heute leitete Zehentmeier-Lang das Fichtelgebirgs-Museum in Wunsiedel und das Gerätemuseum Bergnersreuth. Mit „Power“ wolle sie an die neue Aufgabe herangehen und vor allem die Jugend wieder für die Heimat interessieren, grundsätzlich aber jeden in der Region mitnehmen. Praktisch leisten könnten das beispielsweise Kurse, in denen das Lesen alter Urkunden gelehrt wird. Einer ihrer Grundsätze, etwa auch auf Denkmalpflege bezogen: „Rausgehen und den Leuten zeigen, wie die Menschen früher hier gelebt und gearbeitet haben.“

Einen Grundsatz, den ihr Partner in anderer Weise schon in die Praxis umgesetzt hat: Walter Rößler, Studiendirektor an einem Weidener Gymnasium, wohnhaft in Wunsiedel, betreut seit 2003 die Regionalgruppe Wunsiedel des historischen Vereins Oberfranken und gestaltet seit fast 20 Jahren in seinem Heimatort Röslau die Kulturwoche mit. Sein nächster Vortrag über Flurbegehungen soll am 21. Oktober stattfinden. Schon als jungen Menschen haben die bunten Steine aus dem Fichtelgebirge Walter Rößler begeistert wie generell die Natur in der Region. „Wir werden uns gut ergänzen und der Kreisheimatpflege Flügel verleihen“ versprach er, an seine künftige Kollegin gewandt – und vergaß nicht ein letztes Dankeschön an den Vorgänger: „Ich bin in die Tätigkeit reingewachsen durch Dieter Hempel.“ Und die neue „Austragstätigkeit für den baldigen Ruhestand“ sei höchst willkommen.

Viele Vorschusslorbeeren

Den neuen Heimatpflegern gab Dr. Dippold noch eine Portion Vorschusslorbeeren mit auf den Weg: „Andere sind sich selbst genug. Sie gehen zu Fortbildungen, sind in Netzwerken aktiv, stehen nicht nur auf der Bühne, sondern gehen auch zu den Zuschauern.“ Auf diese Weise könnten Dr. Sabine Zehentmeier-Lang und Walter Rößler dem Begriff Heimat, der heute wieder in aller Munde ist, mit Leben erfüllen.

 

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