Neue Wohnanlage Kein Durchkommen

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Nur beim Thema Kanalisation hält die Verwaltung die Bedenken der Anwohner für nachvollziehbar. Der Bauausschuss ist derselben Meinung

Oberkotzau - Am Ende ging es ganz flott: Nach kurzen Stellungnahmen der Fraktionen ließ der Bauausschuss am Dienstagabend einstimmig und ohne Diskussion die Änderung des Bebauungsplans „Loh“ passieren. Damit hat, wie bereits kurz berichtet, die Planung für die umstrittene Wohnanlage auf dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Hertzog eine wichtige Hürde genommen. Weniger flott hatte sich allerdings das vorherige Prozedere vollzogen. 70 Minuten lang hatten Julia Reichel und Lena Walter von der Bauverwaltung die Ergebnisse der Beteiligung der Bürger und der Behörden vorgetragen: eine lange Liste von Anregungen und Einwänden und die dazugehörigen Antworten der Verwaltung. Wie berichtet, hatten Anwohner ihren Protest in einem „Sammelwiderspruch“ kundgetan.

Einen nennenswerten Erfolg können die Kritiker nicht verbuchen. Das Vorhaben bleibt weitgehend unverändert. Der Bauausschuss war sich mit der Verwaltung einig, dass das Projekt dringend benötigten Wohnraum schaffe und den Innerort beleben werde; das Allgemeinwohl überwiege die Interessen einzelner.

Aus der Fülle der eingegangenen Anregungen und Proteste kann hier nur eine Auswahl vorgestellt werden.

• Die Regierung von Oberfranken begrüßt das Bauvorhaben ausdrücklich. Hier werde eine Brachfläche durch „zeitgemäße und sozialgerechte Wohnungen“ reaktiviert.

• Die Regierung empfahl mehr Abstand zu den bestehenden Anwesen im Süden. Die Marktgemeinde kommt dem entgegen mit einer Verschiebung in Richtung Norden – um maximal 1,5 Meter. Mehr sei nicht machbar, unter anderem wegen der angestrebten Barrierefreiheit. Bemerkenswert: Wegen dieser Änderung müssen die Pläne erneut öffentlich ausgelegt werden.

• Die Regierung legt Wert darauf, dass bei Bebauung und Dachform Rücksicht zu nehmen sei auf das Stadtbild. Dies war ein Hauptkritikpunkt der Anwohner: Der Baukomplex sei zu protzig und passe nicht ins Viertel. Die Verwaltung sieht das anders: Abstände und Höhe berücksichtigten die Belange der Nachbarschaft. Alle rechtlichen Vorgaben würden eingehalten. Das oberste vierte Stockwerk werde zurückversetzt und maximal 50 Prozent der Grundfläche einnehmen, außerdem in Material und Farbe an die umliegenden Firstdächer angepasst. „Das Gebäude ist nicht überdimensioniert“, meint die Verwaltung.

• Das Landratsamt mahnt, den vorhandenen Baumbestand zu schützen. Die Antwort der Marktgemeinde dazu: Der Erhalt von wertvollen Bäumen und Gehölzen sei wichtiger Bestandteil des Konzepts.

• Weiter schlägt das Landratsamt vor, den westlichen Gebäudeflügel um ein Geschoss zu reduzieren. Das lehnt die Marktgemeinde ab: Die Gebäudehöhe werde mit der Firsthöhe der Nachbarhäuser übereinstimmen.

• Eine Änderung in der Planung gibt es bei der Entwässerung. Anwohner hatten die Sorge geäußert, dass die Kanalisation durch die zusätzlichen Abwässer überlastet würde; schon jetzt gebe es immer wieder Probleme mit Rückstaus. Der Abwasserverband Saale empfahl in seiner Stellungnahme eine Entwässerung über ein Trennsystem. Die Marktgemeinde erklärt dazu, die Bedenken der Anwohner , das System könne bei Starkregen überlastet sein, seien nachvollziehbar. Bisher sei geplant gewesen, das Wasser über bereits vorhandene Trenn- und Mischwasserkanäle abzuleiten. Allerdings habe sich gezeigt, dass ein dafür vorgesehener Kanal, der unter dem Grundstück verläuft, in desolatem Zustand sei. Daher sei eine Ableitung sämtlicher Abwässer über den Mischwasserkanal zwingend notwendig; dessen Aufnahmefähigkeit werde nun überprüft. Im Übrigen, betont die Gemeinde, werde sich die versiegelte Fläche im Vergleich zur ehemaligen Gärtnerei nur „unbedeutend“ vergrößern. Geplant sei eine „parkähnliche Umgebung“ mit Teich.

• Anwohner hatten in ihrem Sammelwiderspruch auch bemängelt, die Gemeinde habe nicht kommuniziert, „dass es sich um sozialen Wohnungsbau handelt“. Dieser werde jedoch den Innerort nicht nachhaltig stärken. Die Verwaltung hält dagegen: „Es ist nicht ersichtlich, welchen Unterschied diese Information für die Anwohner geschweige denn für die Bauleitplanung macht. Vielmehr wirkt diese Aussage schon fast wie eine Abneigung gegenüber sozial schwächeren Menschen.“ Die „neuzeitliche Wohnanlage“ in der Nähe von Kindergarten, Schule und Sportanlagen werde den Innerort sehr wohl stärken; der Standort sei vor allem auch für Familien interessant. Die Größe des Gebäudes sei gerechtfertigt.

• Zur Kritik, die Autostellplätze würden nicht ausreichen, erklärt die Gemeinde: Mit 39 Plätzen werde die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl sogar leicht überschritten

Stellungnahme der Anwohner

Gegner des Bauprojekts haben sich am 6. September mit Bürgermeister und Gemeinderäten zu einem Gespräch getroffen. Dazu und zur Bauausschusssitzung am Dienstag hat die „Interessengemeinschaft Widerspruch zur Änderung des Bebauungsplans Loh“ am Mittwoch eine Stellungnahme abgegeben. Die Marktgemeinde, heißt es, schiebe ihre Rechte vor, ohne zu beachten, „dass es ein Gebot der Rücksichtnahme gibt“. Geplant sei „eine gravierende baurechtliche Änderung“. Viele Oberkotzauer teilten die Bedenken, nachdem sie von den Dimensionen aus der Frankenpost erfahren hätten. Die Anwohner hätten eine 3D-Simulation angeregt, wie es Standard sei bei Projekten dieser Größe. Die Gemeinde habe dies aus Kostengründen abgelehnt. Auch hätten die Kritiker als Kompromiss vorgeschlagen, auf ein Stockwerk zu verzichten, ebenfalls ohne Erfolg

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