Neuer Diakonie-Laden Gut Erhaltenes für wenig Geld

Lisbeth Kaupenjohann
Das „Zweitwerk“ in der Schollenteichstraße 34, gegenüber der „Packwa“. Foto: Diakonie

Im „Zweitwerk“ in der Hofer Schollenteichstraße öffnet am Montag ein Second-Hand-Laden der Diakonie Hochfranken. In der Werkstatt entsteht Neues. Langzeitarbeitslose werden kreativ. Auch die Logistik-Zweigstelle der Diakonie am Campus hat hier ihren Sitz.

Second-Hand-Läden sind für Kunden mit kleinem Geldbeutel sowie für junge Leute mit einer Vorliebe für Vintage und Upcycling ein wahres El Dorado. Gerade zur richtigen Zeit öffnet die Erwachsenenhilfe der Diakonie Hochfranken ihren neuen Second-Hand-Laden in der Schollenteichstraße 34. Bis vor Kurzem hatte in dem langgestreckten Gebäude gegenüber der „Packwa“ eine Zweigstelle der Hochfränkischen Werkstätten der Lebenshilfe ihren Sitz. Die ist inzwischen ins neue Werkstattgebäude nach Oberkotzau gezogen. Nun hat die Diakonie hier eine „Miteinander-Manufaktur“ eingerichtet. Auch die Zweigstelle der Logistikabteilung der Diakonie am Campus hat jetzt hier ihren Sitz. Junge Menschen erlernen den Beruf des Fachlageristen, erhalten eine Staplerausbildung und anderes mehr.

Wer einen Second-Hand-Laden betreiben will, muss Waren besorgen, sortieren, lagern, herrichten und reparieren, bevor er sie wieder an den Mann oder die Frau bringt. In diesem Fall erledigen das Menschen, die in Arbeitslosigkeit geraten sind und durch das Jobcenter Hof-Stadt vermittelt werden. „Bis zu 62 Menschen erhalten bei uns eine zweite Chance, wieder näher an den Arbeitsmarkt zu rücken“, sagt Kristina Künzel-Schleinitz, die die fachliche Leitung dieser Beschäftigungsmaßnahme übernommen hat. „Da wir mit Sachspenden arbeiten, die durch den Second-Hand-Verkauf eine zweite Verwendung finden, nennen wir uns Zweitwerk.“ Von hier aus steuert das siebenköpfige Team auch das altbekannte „Hilfswerk“ in der Sophienstraße. In die Schollenteichstraße ist auch der ehemalige Quartiersmöbelladen aus der Liebigstraße gezogen.

Am kommenden Montag wird das „Zweitwerk“ mit einem Tag der offenen Tür offiziell eröffnet. Jeder kann ab 12.30 Uhr kommen und sich umschauen – vielleicht findet er gleich etwas, das er schon lange sucht. Kleidung, Haushaltswaren, Elektrogeräte, Fahrräder und Möbel finden sich hier. Doch soll kein großes Lager entstehen. „Uns ist daran gelegen, das, was wir als Sachspende erhalten, auch gleich wieder weiterzugeben“, erläutert Beschäftigungsanleiter Cyril Di Mascio. Seine Mitarbeiter holen die Sachen auf Wunsch ab und bringen sie dem Käufer innerhalb der Stadt Hof für zwanzig Euro. Schließlich sind die Mitarbeiter keine gelernten Möbelpacker und oft auch gesundheitlich beeinträchtigt. „Wir suchen keine großen Schrankwände, sondern kleine, handliche Möbel, da unsere Kunden meist kleine Wohnungen haben“, sagt Di Mascio. Wer etwas zu verschenken hat, ruft am besten im „Zweitwerk an, schickt ein Foto von den Gegenständen über Whatsapp – alles Weitere wird geregelt.

Das „Zweitwerk“ will und darf anderen Second-Hand-Läden und Organisationen keine Konkurrenz machen. Die Gemeinnützigkeit ist verpflichtend, es darf kein Arbeitsplatz an anderer Stelle wegfallen, wie Anthipi Mitacou, Bereichsleiterin der Diakonie am Campus, mitteilt. Derzeit arbeiten im „Zweitwerk“ rund 50 Teilnehmer in vier Maßnahmen. Manche von ihnen sind noch jung, andere nahe der Rente. „Es wirken Erwachsene jeden Alters mit, unabhängig des Geschlechts, der Herkunft, der Kultur oder Religion“, erklärt Mitacou. Teilweise lägen auch Fluchtbiografien vor. Zwei spezifische Projekte seien speziell für geflüchtete Menschen konzipiert. Alle Teilnehmer erhielten neben der praktischen Anleitung auch sozialpädagogische Begleitung.

Den Weg zurück auf den Arbeitsmarkt zu finden, ist für viele Menschen oft kaum vorstellbar und schwer zu realisieren. „In etlichen Fällen geht es zunächst darum, überhaupt wieder Perspektiven zu sehen, Motivation zu entwickeln, dem Tag Struktur zu geben“, erklärt Kristina Künzel-Schleinitz. Hinter jeder Arbeitslosigkeit stecke eine Geschichte. So mancher habe seine Arbeit verloren, weil die Firma, in der er lange beschäftigt war, geschlossen wurde. Ältere Menschen fänden dann oft keinen neuen Job.

In der Werkstatt koordiniert Oliver Heinold die Arbeitsschritte seiner zwölf Mitarbeiter. Männer und Frauen trainieren hier nicht nur ihre handwerklichen Fähigkeiten, sie können auch Ideen äußern und kreativ werden. „Das klappt gut – manche haben ungeahnte Talente, die es zu entdecken gilt“, bestätigt Heinold. Aus Paletten werden Kinder-Matschküchen gebaut, gern bestellt von Kindergärten in Hof und Umgebung. Es entstehen Vogelhäuschen und Hochbeete nach Maß, wie die Kunden es wünschen. Hier werden auch Möbel repariert und aufgehübscht. Für den Landkreis Hof stattet das Team Wohnungen für Flüchtlinge mit den aufbereiteten Möbeln und Haushaltsgeräten aus. Im praktischen Tun für einen guten Zweck erfahren die Mitarbeiter, dass sie etwas können und gebraucht werden. Positive Erlebnisse steigern das Selbstbewusstsein und das Engagement. „Wer hier bei uns mitmacht, kommt gerne her“, versichert Kristina Künzel-Schleinitz. Gebe es einmal Probleme, habe die Diakonie ein großes Netz an Hilfen.

 

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