Neuer Geistlicher in Selb „Ein Pfarrer ist kein Zauberer“

Jürgen Henkel

Thomas Fischer ist offiziell ins Amt des Pfarr-Administrators der Pfarreiengemeinschaft Herz Jesu und Heilig Geist eingeführt. Die Gemeinden heißen ihn herzlich willkommen.

Prodekan Josef Triebenbacher führte Pfarrer Thomas Fischer (links) am Sonntag in sein Amt ein. Foto: /Jürgen Henkel

Selb - Seit Anfang September wirkt der katholische Priester Thomas Fischer in Selb, am Sonntag ist er nun in einem feierlichen Gottesdienst offiziell in sein Amt als Pfarr-Administrator der Pfarreiengemeinschaft Herz Jesu und Heilig Geist eingeführt worden. Prodekan Josef Triebenbacher vollzog die Installation im Auftrag des Bischofs von Regensburg, Rudolf Voderholzer, der Fischer nach Selb berufen hatte. Die Pfarrgemeinden zeigten sich darüber hocherfreut, ist doch nach nur kurzer Zeit die durch den Weggang von Dekan Hans Klier nach Weiden entstandene Vakanz beendet.

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Hirte und Seelsorger

Für die Pfarrgemeinderäte von Heilig Geist und Herz Jesu nahmen Helmut Resch und Michaela Kaiser den neuen Geistlichen an der Kirchenpforte in Empfang. „Bischof Voder- holzer hat uns wieder einen Seelsorger und Hirten gegeben, wir freuen uns, dass wir ihn heute begrüßen und in sein Amt einführen können“, betonte Resch. Prodekan Triebenbacher sagte: „Du sollst hier Hirte und Seelsorger für die Gemeinde sein und Türen öffnen zum ewigen Leben.“

Nach dem feierlichen Einzug der 17 katholischen Priester und der evangelischen Pfarrerinnen Sandra Herold und Andrea Münster begrüßten auch das Team und Kinder des Kindergartens den neuen Pfarrer musikalisch. Prodekan Triebenbacher machte deutlich: „Pfarrer Fischer ist vor fünf Jahren zum Priester geweiht worden und war drei Jahre Kaplan in Wunsiedel, dann zwei Jahre in Abensberg.“ Er gab dem jungen Mitbruder in seiner Predigt einige Empfehlungen mit auf den Weg und betonte: „Die Menschen brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch ein Dach über der Seele. Die Menschen müssen spüren, dass sie immer zum Pfarrer kommen dürfen. Und der Pfarrer muss auch gerne zu den Menschen gehen und die Menschen gern haben. Hier geht es um Wertschätzung. Ein freundlicher Gruß ist manchmal wichtiger als eine gute Predigt.“

Freude am Glauben

Gleichzeitig legte der Prodekan Pfarrer Fischer angesichts der ausufernden Verwaltungstätigkeiten in den Pfarrämtern und etwa der immer aufwendigeren Kindergartenverwaltung nahe, „immer in Gedanken bei Gott zu bleiben und bei allen Verwaltungsaufgaben immer auch Seelsorger und Geistlicher zu sein, der in Verbindung mit Jesus Christus steht und im Gebet und in der Eucharistie lebt“. Pfarrer hätten eine Freudenbotschaft zu verkündigen, so Trie-benbacher weiter. „Lassen wir uns die Freude am Glauben nicht nehmen. Unser Leben ist nicht für den Tod bestimmt, sondern für das ewige Leben. Dies ist unsere Botschaft für die Menschen. Und auch die Freude an der Kirche sollten wir uns nicht nehmen lassen, trotz aller Probleme und Missbrauchsfälle. Denn wir alle sind die Kirche .“

In einem würdevollen Ritual führte der Prodekan dann den neuen Pfarr-Administrator an seinen künftigen Priestersitz, das Ambo und den Altar. Er betonte: „Die Liturgie ist die Mitte und Quelle des gemeindlichen Lebens.“

In der katholischen Diaspora

Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch machte in seinem Grußwort deutlich: „Wir hatten Sorgen, ob die Pfarrstelle schnell besetzt werden kann, und sind jetzt besonders froh, wie schnell das geklappt hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein junger Mann nach Selb kommt. Es ist gut, dass Sie vorher in Wunsiedel waren und wussten, wie schön es hier bei uns ist.“ Und Pötzsch hatte auch noch einen kleinen Trost wegen der Diasporasituation: „Sie leben ja hier in der katholischen Diaspora. Aber Selb hat dafür einen katholischen Oberbürgermeister.“

Die stellvertretende Dekanin des evangelischen Dekanats Selb und Pfarrerin an der Christuskirche, Sandra Herold, begrüßte den neuen Pfarrer von Herz Jesu und Heilig Geist im Namen des Pfarrkapitels des Dekanats und der drei evangelischen Gemeinden von Selb – Stadtkirche, Erkersreuth und Christuskirche. „Wir heißen dich herzlich in unserer Mitte willkommen und wünschen dir, dass dein Wirken ein Segen wird und von Gott gesegnet ist. Wir wollen die gute ökumenische Gemeinschaft hier fortführen.“

Freude auf Zusammenarbeit

Michaela Kaiser, Pfarrgemeinderatssprecherin von Herz Jesu, wies auf die notwendige Unterstützung der Gemeinde für den neuen Pfarrer hin: „Wir wünschen uns eine lebendige Gemeinde, die den Pfarrer unterstützt bei seinen vielen Aufgaben, und einen Pfarrer, an den sich jeder wenden kann. Wir wünschen Ihnen einen guten Start und hoffen auf eine lange gemeinsame Zeit.“ Helmut Resch von Heilig Geist ergänzte: „Ich durfte die offene und herzliche Art von Pfarrer Fischer schon mehrfach erfahren, wir freuen uns auf eine gedeihliche Zusammenarbeit.“

Bitte um Unterstützung

Pfarrer Thomas Fischer selbst dankte für die freundlichen Worte. Nachdem am Vorabend mehrere „Don Camillo“ –Filme im Fernsehen gelaufen waren, wandte er sich schmunzelnd an den Oberbürgermeister: „Diese Filme zeigen, wozu katholische Pfarrer fähig sind, gleichzeitig aber, dass auch Bürgermeister nicht ganz ohne sind. Dass Sie heute hier sind, zeigt aber schon, dass wir weniger konfrontativ zusammenarbeiten werden.“ Er dankte allen, die ihn in den vergangenen Wochen schon herzlich und mit offenen Armen empfangen hätten und meinte: „Ein Pfarrer ist kein Zauberer, ich bitte um Ihre Unterstützung.“ Nach der Messe gab es auf dem Kirchplatz noch Gelegenheit zum Plausch.