Auch Probleme mit eindringendem Wasser habe es tatsächlich gegeben, bekennt der Bezirk – „in geringem Umfang im Bereich einer Dehnungsfuge, die sich im Bereich des Verbindungsgangs zwischen der Villa und dem künftigen Konzertsaal befindet“. Das verantwortliche Unternehmen habe im Rahmen der Gewährleistung aber sowohl die Dehnungsfuge nachgearbeitet als auch den entstandenen Mangel beseitigt.
Doch hat der Bezirk bereits von Anfang an mit unterirdischem Konzertsaal und abgesenktem Fundament in der Villa im Vergleich zu einem überirdischen Neubau unverhältnismäßig teuer geplant? Die Verantwortlichen verneinen das klar. Eine „oberirdische Neubaugesamtlösung“ wäre noch deutlich teurer gekommen. Solche Lösungen habe man durchaus diskutiert, bevor der Auftrag an das Architekturbüro Haimerl ging, heißt es auf die Anfrage unserer Zeitung. Diese wären „jedoch gegenüber der historischen, denkmalgeschützten Villa zu dominant erschienen und daher denkmalrechtlich nicht genehmigungsfähig gewesen. Die dabei prognostizierten Gesamtkosten in zweistelliger Millionenhöhe lagen deutlich über dem aktuellen Kostenrahmen.“ Angesichts der genannten Kosten und der denkmalrechtlichen Probleme habe der Bezirk die Idee, den Konzertsaal überirdisch zu bauen, nicht weiterverfolgt.
Auch die Entscheidung, das Fundament der Villa tieferzulegen, wobei die Arbeiter sich Zentimeter für Zentimeter vorarbeiten mussten, um die Statik des Gebäudes nicht zu gefährden, rechtfertigt der Bezirk. Auf die Frage, ob neue Übungsräume auch mit der bereits gegebenen Raumhöhe im Gartengeschoss der Villa umsetzbar gewesen wären, heißt es: „Vor der Umbaumaßnahme in der denkmalgeschützten Villa betrug die Raumhöhe im damaligen Kellergeschoss lediglich etwas mehr als zwei Meter und wies kaum eine natürliche Belichtung auf. Bei der Gestaltung der neuen Übungsräume wurden akustische, ästhetische und praktische Gesichtspunkte sorgfältig abgewogen und umgesetzt. Ein Übungsbetrieb im Untergeschoss der Villa ohne die durchgeführten Umbaumaßnahmen hätte sich nicht verwirklichen lassen.“
Die Baumeisterarbeiten in der denkmalgeschützten Villa begannen im September 2017 und waren im Mai 2019 abgeschlossen. Die Kosten hierfür beliefen sich am Ende auf 620 000 Euro, was der Bezirk vor allem auf die „schwierigen Bodenverhältnisse und statischen Anforderungen“ zurückführt. In diese Zahl sind jedoch verschiedene Maßnahmen eingerechnet. „Insbesondere wurde auch ein barrierefreier, innen liegender Aufzug in den denkmalgeschützten Baubestand integriert. Aus statischen Gründen musste auch die Geschossdecke unterhalb der Bibliothek erneuert werden“, teilt der Bezirk mit. Die verschiedenen Arbeiten seien, soweit es bautechnisch möglich war, parallel vonstatten gegangen.
Neben dem felsigen Untergrund führt der Bezirk die Kostensteigerungen besonders auf die „in den letzten Jahren stark angestiegenen Baupreise im Allgemeinen“ zurück. „So haben sich zum Beispiel beim Eintiefen der Baugrube, trotz vorher erfolgter Sondagebohrungen, erhebliche Schwierigkeiten ergeben, die dann auch zu Verzögerungen der anderen Gewerke geführt haben. Außerdem lagen beispielsweise die Kosten für Betonstahl 2018 30 Prozent über dem Niveau vom Jahr 2016. Der Preis für Erdarbeiten ist laut Angaben des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie 2018 um acht Prozent und 2019 noch mal um sieben Prozent gestiegen.“
Die Verlängerung der Bauzeit liege vor allem an Planänderungen, die ebenfalls aufgrund des schwierigen Untergrunds, aber auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit notwendig gewesen seien. Auch die allgemein gute Auslastung der Baufirmen, die Anforderungen des öffentlichen Vergaberechts sowie nicht zuletzt die durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen hätten zur Verlängerung der Bauzeit beigetragen. „Ein Zeitdruck bestand aber nicht, da für den Kursbetrieb Ausweichräume in Bad Steben zur Verfügung standen.“
Im Mai soll, wie berichtet, die Edelstahlfassade an den aus der Erde ragenden Teil des Konzertsaals kommen. An dieser Planung habe sich nichts verändert, teilt der Bezirk mit. Bis es so weit ist, gelte es, eine Tür und ein Fensterelement einzubauen. „Dies wird in Kürze geschehen.“