Neuer Krebsbacker-Band Von Nächtwächtern und Turmuhren

Der Kirchenlamitzer Stadtarchivar Werner Bergmann (links) präsentierte Bürgermeister Thomas Schwarz das Heft Nummer 31 der heimatkundlichen Schriftenreihe „Die Krebsbacker“. Foto:  

Das Heft Nummer 31 der „Krebsbacker-Reihe“ öffnet viele interessante Türen in die Vergangenheit. Auch die Wissenschaft nimmt davon längst Notiz.

Kirchenlamitz - Ein Bild vom Kirchenlamitzer Biedermeier-Nachmittag im Jahr 2012 ziert das Heft Nummer 31 der heimatkundlichen Schriftenreihe „Die Krebsbacker“. Zu sehen sind darauf der Drehorgelspieler Max Hertel aus Niederlamitz und eine Biedermeiergruppe aus Bad Steben in ihren prächtigen Kostümen. Werner Bergmann, Stadtarchivar, Ehrenbürger der Stadt Kirchenlamitz, und Kreisheimatpfleger im Archivsprengel Wunsiedel-Nord hat das neue Heft jetzt offiziell vorgestellt.

Beiträge zur Heimatgeschichte

Der neue Geschichtsband enthält wieder eine Reihe interessanter Beiträge zur Heimatgeschichte; darunter Aufsätze von Werner Bergmann, Harald Stark, dem Kastellan der Plassenburg, von dem Diakon und Sozialpädagogen Rüdiger Gläsel und von dem Kunsthistoriker Ulrich Heinritz.

Der Aufsatz „Geheimnisvoller Wald“ beschreibt Bodenfunde vom Epprechtstein aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die in der Burgenzeit Verwendung fanden. Sie sind derzeit in der Vitrine im Kirchenlamitzer Rathaus ausgestellt.

In „Frohnweg“ wird die Bedeutung von Altstraßen dargestellt: Das sind jetzt als Feldwege genutzte einst wichtige Verbindungsstraßen, die teilweise älter sind als die Ortschaften. Ein solcher Frohnweg verläuft auf dem Höhenzug zwischen Hohenbuch und dem Buchhaus. Unter dem Titel „Großschloppen“ scheint der abschließende Beitrag der Reihe über die Häuserchroniken der Kirchenlamitzer Dörfer in 300 Jahren. Wesentliche Quelle vor 1876 ist hier das Kirchenlamitzer Kirchenarchiv.

Plagiat entlarvt

Der Aufsatz „Schlossgeschichte“ behandelt die Baugeschichte des 1371 erstmals erwähnten Schlosses. Es ist der einzige noch vollständig erhaltene Verwaltungssitz aus der Zeit der „Sechs Ämter“ vor 1603. Weitere Titel sind „Kirchturmuhr: Allgegenwärtig, aber in ihrer Bedeutung wenig beachtet“, „ Nachtwächter – ein ausgestorbener Beruf“ sowie die „Kirchenlamitzer Vorfahren des Generalfeldmarschalls Ferdinand Schörner vom Königlich-bayerischen Infanterie-Leib-Regiment“ und „Diakonus Jahn von Weißenstadt – ein Heimatforscher?“ Hier wird nach fast 200 Jahren ein Plagiat entlarvt.

Gegenwartsbezogen ist dagegen die von Werner Bergmann zusammengestellte Chronik „Vor Jahr und Tag“ aus dem Jahr 1996. Er erinnert daran, dass damals nach mehr als 20 Jahren in Kirchenlamitz wieder ein Maibaum aufgestellt wurde. „Geschlagene 30 Minuten dauerte es, bis mit Muskelkraft der Maibaum im Blechwinkel stand“, heißt es da. Zuletzt war 1974 zur 600-Jahr-Feier ein Maibaum aufgestellt worden. Landrat Dr. Peter Seißer eröffnete damals in Kirchenlamitz den zwölften Wertstoffhof des Landkreises. Gerade als Michael Schumacher zum Großen Preis von Spa in Belgien startete und mit seinem Ferrari als Sieger hervorging, gab es auch in Reicholdsgrün zur Kirchweih ein Rennen der besonderen Art: ein Seifenkistenrennen.

Insgesamt 540 Seiten

Die bisher erschienenen 31 Hefte der Krebsbacker-Reihe würden zehn Geschichtsbände mit jeweils 540 Seiten füllen, wenn die Hefte als Buch gebunden würden. Darin enthalten wären 3900 Abbildungen. Die Reihe findet mittlerweile auch im universitären Bereich Aufmerksamkeit; zum Beispiel der Beitrag „Entdeckung“ der uralten Hausnummern vor 1849 und Zuordnung zu den alten Hausnummern (1849-1962) in Band 20, häufig erwähnt wird auch der „Auswanderer-Beitrag“.

Beeindruckt sagte Bürgermeister Thomas Schwarz bei der Vorstellung des neuen Bandes anerkennend: „Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen Ergebnissen die Kirchenlamitzer Heimatforscher durch gründliche Recherche kommen und in welcher Vielfalt sich die Krebsbacker-Reihe inzwischen präsentiert.“

Stadtarchivar Werner Bergmann freute sich sichtlich darüber und sagte: „Unsere Schriftenreihe wird inzwischen auch von der Wissenschaft mit großem Interesse wahrgenommen und weiterempfohlen.“

Der neue Geschichtsband ist zum Preis von 15 Euro in Kirchenlamitz bei Desis-Schreibwaren, im Nahkauf und im Stadtarchiv erhältlich.

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