Neues Buch Blick aus Selb ins Banat

N.L.
Bei der Buchübergabe in Temeswar (von links): Dr. Alin Scridon, Bistumsrat Nichifor Tănase, Metropolit Ioan Selejan, Pfarrer Walther Sinn und Initiator Jürgen Henkel. Foto: Stefan Henkel

Pfarrer Jürgen Henkel aus Selb legt einen Band „Christentum und kirchliches Leben im Banat in Geschichte und Gegenwart“ vor. Das Buch ist ein Beitrag zur Europäischen Kulturhauptstadt.

2023 wird Temeswar Europäische Kulturhauptstadt sein. Die Stadt im Banat erlangte 1989 als wichtiger Ort für die Revolution gegen das kommunistische Regime in Rumänien internationale Bekanntheit. Die religiöse und ethnische Landschaft in dieser historischen Region ist äußerst bunt: Dort leben unter anderem Rumänen, Ungarn, Deutsche, Slowaken und Serben. Neben der rumänischen Orthodoxen Kirche gibt es das römisch-katholische Bistum Temeswar und die griechisch-katholische Diözese von Lugosch. Zudem sind slowakische und deutsche lutherische Gemeinden äußerst lebendig.

Kulturhauptstadt Temeswar

Der Selber Pfarrer Jürgen Henkel kennt das Banat von vielen Aufenthalten in Rumänien und hat dort in den meisten evangelisch-lutherischen Gemeinden schon Gottesdienste gehalten. Jüngst hat er mit Blick auf die Europäische Kulturhauptstadt Temeswar das Buch „Christentum und kirchliches Leben im Banat in Geschichte und Gegenwart“ initiiert. Der 360 Seiten starke zweisprachige Band ist nun in der Buchreihe „Deutsch-Rumänische Theologische Bibliothek“ erschienen. Als Mitherausgeber fungieren der rumänisch-orthodoxe Erzbischof von Temeswar und Metropolit des Banats, Ioan Selejan, der römisch-katholische Bischof von Temeswar, József-Csaba Pál, und der Vorsitzende des Instituts „Ex fide lux“, Pfarrer Hermann Schoenauer.

Der Band bietet im ersten Teil „Landeskunde, Geschichte und Gegenwart“ grundlegende Informationen zum Banat. Wilfried Heller von der Universität Potsdam liefert eine landeskundliche Einführung. Der Banat-Experte Anton Sterbling behandelt das Banat als „historischen Sozial- und Kulturraum“ sowie „Lebenswelten und religiösen Widerstand im Kommunismus“. Die Romanistin Ksenija Knežević von der Universität Belgrad untersucht die „Multinationalität im Banat“, Herausgeber Henkel hat den Beitrag „Die Banater Schwaben – Geschichte, Schulwesen, Kultur“ beigesteuert.

Interkonfessioneller Ansatz

Im zweiten Teil präsentieren Theologen und Geistliche die Geschichte und Gegenwart ihrer Kirchen. So werden die rumänische Orthodoxe Kirche, die römisch-katholische Kirche, die griechisch-katholische Kirche, die evangelische Kirche A. B. der deutschen lutherischen Minderheit sowie die slowakische lutherische Kirche porträtiert. Zu den Autoren zählen der griechisch-katholische Bischof Alexandru Mesian aus Lugosch und der deutsche Pfarrer Walther Sinn aus Semlak.

Ein Bildteil bietet rund 60 beeindruckende Farbfotos von Kirchen der verschiedenen Konfessionen. Henkel, der von 2003 bis 2008 die Evangelische Akademie Siebenbürgen/EAS in Hermannstadt/Sibiu leitete, unterstreicht den interkonfessionellen Ansatz: „Wir wollen eine ökumenische Kirchengeschichte des Banats liefern, auch als Impuls für künftige wissenschaftliche Arbeiten und Dialoge.“ Die von ihm mit ins Leben gerufene internationale ökumenische Gesellschaft „Ex fide lux – Deutsch-Rumänisches Institut für Theologie, Wissenschaft, Kultur und Dialog“ bereitet derzeit in Kooperation mit der rumänischen Orthodoxen Metropolie des Banats eine Konferenz für 2023 vor, die das kirchliche Leben im Banat zum Thema hat. Im Mai soll es ein „Ökumenisches Kolloquium“ mit Vorträgen, Exkursionen und ein Begegnungsprogramm geben. Derzeit organisiert Henkel in Abstimmung mit der Metropolie des Banats die Tagung, bei der die Universität West aus Temeswar und die Evangelische Akademie Siebenbürgen (EAS) Projektpartner und Mitveranstalter sein werden.

Ökumenisches Zeichen

„Wir wollen mit dem Buch und dem Kolloquium einen substanziellen Beitrag zur Europäischen Kulturhauptstadt Temeswar leisten und freuen uns sehr, dass wir die rumänische Orthodoxe Metropolie des Banats als Kooperationspartner gewinnen konnten. Dieses Projekt ist ökumenisch ein gutes Zeichen“, so Henkel. „Kirchen und Religion sind ein wesentlicher, ja grundlegender Bestandteil der Kultur. Umso wichtiger ist, dass sich die Kirchen bei Kulturhauptstadt-Projekten gut einbringen und präsentieren.“

Erhältlich im Buchhandel und dem Pfarramt

Das Buch
Ioan Selejan (Metropolit des Banats), Bischof József-Csaba Pál (Bischof von Temeswar), Hermann Schoenauer, Jürgen Henkel (Hg.): Christentum und kirchliches Leben im Banat in Geschichte und Gegenwart, Schiller Verlag, Bonn-Sibiu 2022, ISBN 978-3-949583-06-3, 24,90 Euro (erhältlich im Buchhandel und im Pfarramt Erkersreuth).

 

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