Neues Buch Eine kleine Rehauer Bau-Geschichte

Das neue Buch widmet sich Rehauer Bau-Projekten. Foto: /Gödde

Der Rehauer Professor Karl H. C. Ludwig widmet sich den Bau-Projekten der Stadt. Besonders interessant ist der Blick auf Ideen, die nie umgesetzt wurden.

Rehau - Zu einem solchen Buch gehört schon etwas Mut dazu – das schreibt Bürgermeister Michael Abraham im Geleitwort. Was er meint, wird schnell deutlich, wenn man sich durch das neue Buch über das Buch „Rehau – Raum für Visionen: erdacht gemacht, entworfen verworfen“ blättert. Haupt-Autor Professor Karl H. C. Ludwig, Garten- und Landschaftsarchitekt sowie Professor für Konstruktives Entwerfen und Freiraumplanung an der Fachhochschule Nürtingen, ist gebürtiger Rehauer und widmet sich in dem 128 Seiten starken Werk mit vielen auch historischen Bildern alten und neuen, geplanten und verwirklichten Bauprojekten. Als Co-Autoren standen Ludwig Stadtbaumeister Martin Kugler, Simone Herrmann aus dem Stadtbauamt und Stadtarchivar Oliver Groll zur Seite. Beginnend mit einem kleinen Streifzug durch die Rehauer Siedlungsgeschichte, nimmt der Wiederaufbau der Stadt nach dem Modell von Baukondukteur Baumann einigen Raum ein. Der Anschluss an die Eisenbahn wird ebenso beleuchtet wie die Entwicklung der Industrie, die die Szenerie in Rehau nach wie vor stark beeinflusst. Eine interessante Doppelseite belegt die Vergänglichkeit vieler Bauwerke an einem aktuellen Beispiel: der Steinleite. „Ruhe und Stille im fast vergessenen Kleinod“ steht dort über dem Text und neben den Bildern vom Pavillon, den einst der Verschönerungsverein begründet hatte. Erst in der vergangenen Woche hatte der Stadtrat beschlossen: Pavillon und Spielplatz werden zurückgebaut. Finanzieller Aufwand und Freizeit-Nutzen stünden in keinem Verhältnis mehr. Nun dürften Spaziergänger an der Steinleite ihre Freizeit mit noch etwas mehr Ruhe und Stille genießen können. Weitere Abschnitte in der ersten Buch-Hälfte beschäftigen sich mit dem „Grünen Wohnen Am Schild“, dem Jahnstadion, der Geierloh oder auch dem Reutlich.

Besonders interessant und beinahe in Vergessenheit geraten sind sicher einige Kapitel, die unten rechts klein mit „entworfen verworfen“ betitelt sind. Bauprojekte nämlich, für die es einmal viele Ideen und mehr oder weniger zur Baureife gediehene Pläne gegeben hat, die aber nie verwirklicht wurden. Dass diese Pläne nie gebauter Projekte erneut in einem Buch über Rehau auftauchen, erscheint in der Tat mutig, wie es der Bürgermeister beschreibt. An sich ist aber klar: Nicht alles, was man sich in den Kopf setzt, kann auch Realität werden.

Wer weiß beispielsweise heute noch, dass es in den Sechzigerjahren einmal Pläne gab, den Perlenbach für einen Stausee aufzustauen, ähnlich wie es mit dem Untreubach in Hof praktiziert worden ist? In Nähe der Bourgoin-Jallieu-Brücke sollte ein 400 Meter langer Erddamm aufgeschüttet werden, um das Wasser zu stauen, an dem sich Rehauer und Menschen aus der Umgebung in ihrer Freizeit verlustieren konnten. Ein Ende fanden die von vielen Seiten durchaus begrüßten Pläne schließlich, als bekannt wurde, dass ein solcher Stausee die letzten Bestände einer vom Aussterben bedrohten Art gefährdet hätte: die Flussperlmuschel.

Auch wenn rege Bautätigkeit gerne als Zeichen für eine prosperierende Stadt gesehen wird: Das Scheitern mancher Ideenskizze noch in der frühesten Entstehungsphase wird in Rehau kaum jemand bedauern. So etwa jenes des Hotels Rotwild, das Matthias Kaufmann und der Designer Miro Pistek im Zuge des Ideenwettbewerbes für die Ludwigstraße 2010 angedacht haben. Dabei handelte es sich um ein mehrstöckiges Hotel, das sechs Etagen aufwies und dem Platzbedarf der Gäste gerecht werden sollte. Ein solches Hotel hätte die Innenstadt weithin dominiert. Es blieb bei einem reinen Gedankenspiel. Derweil sind die Überlegungen, in Rehau ein Hotel anzusiedeln, längst nicht vom Tisch. Von diesen Bestrebungen legen auch die grafischen Modelle für ein Hotel Season Zeugnis ab, das der Hofer Gastronom Eduard Stähle angestrebt hatte.

Insgesamt überwiegt die Zahl der verwirklichten Projekte in dem Buch jene, die es nicht zur Umsetzung geschafft haben, aber mehr als deutlich. Finanziert wurde das Buch über die ILE Dreiländereck.

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