Neujahrsempfang in Selb Mit Selbstbewusstsein ins neue Jahr

2023 steht im Zeichen der Deutsch-Tschechischen Freundschaftswochen. Die sind ein Thema von vielen beim Neujahrsempfang im Rosenthal-Theater.

Der Neujahrsempfang muss den Selberinnen und Selbern in den zurückliegenden beiden Jahren schon ein bisschen abgegangen sein. 400 Besucher Minimum sind am Sonntag der Einladung der Stadt Selb ins Rosenthal-Theater gefolgt. Und sie mussten nicht – wie in den Vorjahren – in der Kälte vor dem Eingang ausharren. Denn Hausherr und Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch verzichtete aufs Händeschütteln aus ebendiesem Grund: „Das Wetter war nie schön und die Schlange stand immer bis auf den Parkplatz. Das wollten wir vermeiden.“ Ein Thema wurde eingangs im Foyer viel diskutiert nachdem die Frankenpost ausgiebig über die Reden von Nicolas Lahovnik in Wunsiedel (lang) und Oliver Weigel in Marktredwitz (kurz) berichtet hatte: Wie lang wird Pötzsch wohl sprechen?

„Traurig und fürchterlich“ waren die Worte, die dem Selber Oberbürgermeister ins Gedächtnis kamen, als er sich an seine Neujahrsansprache des vergangenen Jahres erinnerte. Die hatte er der Pandemie wegen damals noch aufzeichnen und als Videobotschaft ins Netz stellen müssen. Umso mehr freute sich Ulrich Pötzsch, den Start ins neue Jahr mit so vielen Gästen wieder gemeinsam feiern zu können.

An den Anfang seiner Rede stellte Pötzsch ein großes Dankeschön an alle, die ihr Wirken „selbstlos und ehrenamtlich in irgendeiner Form für das Wohl der Allgemeinheit“ gestellt hatten. Damit griff er auch den Krieg in der Ukraine auf und die Hilfe, die die Selber Bevölkerung für die Geflüchteten leistet. Die Hilfsbereitschaft, sagte der Oberbürgermeister, sei sehr groß gewesen – neben Sachspenden, Unterstützung bei Behördengängen und dem zur Verfügung stellen von Wohnraum, habe die Spendenaktion der Stadt Selb – man höre und staune – mehr als 53 000 Euro eingebracht. „Ich bin mir sicher, wir werden auch 2023 unterstützend füreinander da sein und alles, was auf uns zukommt, gemeinsam meistern“, sagte Pötzsch bevor er das vergangene Jahr in Themenblöcken Revue passieren ließ.

Geschäftsleute mit Mut

Zahlreiche Neuunternehmer, von Dienstleistungen über Gastronomie bis zu Handwerksbetrieben, verbreiteten Mut und Optimismus, sagte Pötzsch. Die Gastronomie sei auf einem guten Weg und belebe die Stadt.

Sportlich obenauf

Einen absoluten Knaller nannte Ulrich Pötzsch das neue Eishockey-Leistungszentrum. Spitzensport in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Liga komme nicht von ungefähr. „Es ist das Ergebnis bemerkenswerten Sponsorings von Industrie und Handel.“ Geklotzt und nicht gekleckert wurde mit dem „Vorium“, einer Eventgastronomie an der Eishalle. Die Roll- und Eiskunstläuferinnen haben wieder die bayerische Meisterschaft nach Selb geholt. Mit dem 16-jährigen Joel Fandrei, Dritter bei der Deutschen Meisterschaft im Snooker, wurde ein Selber Talent in den Bundeskader berufen. Und Frank Hörl, der seit vielen Jahren in Selb und der Region Leichtathleten trainiert, gehört zu den knapp 30 bayerischen A-Lizenz-Trainern. „Viele Sportler verdienen unseren Respekt für ihre Leistungen“, fasste Pötzsch zusammen.

Medizin und Gesellschaft

Das Klinikum Fichtelgebirge sei neu aufgestellt worden. Der Schlüssel zum Erfolg seien Kooperationen mit namhaften Ärzten. „Die Hausaufgaben sind gemacht, jetzt ist die Bundesregierung am Zug“, sagte Ulrich Pötzsch. „Die Krankenhaus-Finanzierung muss so gestaltet werden, dass die stationäre medizinische Versorgung nah am Menschen bleibt.“ Wichtige Arbeit in Selb leistete der Seniorenbeirat. Der Rathauschef erinnerte an Montagscafés, Senioren-Rikscha und Reparatur-Café, legte aber Wert auf die Feststellung, dass alle Altersgruppen gut vertreten sein müssen. So galt sein Dank auch dem Jugendbeirat.

Kinder und Studenten

„Wir bauen unsere Zukunft auf jungen Menschen auf“, sagte Pötzsch und meinte damit, dass die Stadt Selb das gesamte Spektrum der schulischen Ausbildung aufweist – bis hin zur Hochschule. Eine Herausforderung dabei seien die Unterkünfte für Schüler und Studenten. „Aber der stellen wir uns gerne.“ Eine andere Aufgabe ist es, für die deutlich wachsende Zahl der Kleinkinder ein adäquates Betreuungsangebot bereitzustellen. Daher freut sich die Stadt nicht nur über eine neue Betreuungseinrichtung in Erkersreuth, sondern erweitert auch den Nikolauskindergarten, hat einen Interimskindergarten am Schulzentrum eröffnet und begleitet die Planungen des neuen Awo-Kindergartens. „Der zunehmende Bedarf an Kindergartenplätzen, ist auch ein Hinweis darauf, dass sich die Stadt positiv entwickelt.“ In Sachen Freizeitgestaltung verwies Ulrich Pötzsch auf mehr als 20 Spielplätze, Pumptrack, Skaterpark, die Spielepassage in der Innenstadt und den „genialen Sport- und Spielepark im Rosenthalpark“. Ganz besondere Freude bereite ihm der Wasserspielplatz mit dem Piratenschiff in der Pfaffenleithe. „Die strahlenden Kinderaugen belohnen so manche anstrengende Arbeit.“ Nicht weniger strahlten die Augen des Oberbürgermeisters, als er sich an das Wiesenfest 2022 erinnerte. Fast hätte es zum dritten Mal ausfallen müssen, bis der Stadtrat entschieden hatte, das Traditionsfest ohne Wenn und Aber durchzuziehen. „Was für ein Wiesenfest haben wir erlebt. Unser Mut wurde belohnt“, bilanzierte er.

Kultur und Daumen drücken

Ein Ergebnis des Masterplanprozesses ist das Kommunale Kino. „Hier wird mehr als kommerzielles Kino geboten“, sagte Ulrich Pötzsch. Die Einrichtung sei ein wertvoller Puzzlestein bei der Belebung der Innenstadt. Neugierig machte Pötzsch auf den Kinosaal 4, der von der Helmut-und-Käthe-Dexler-Stiftung gestaltet werde. Bedingt durch Lieferengpässe beim Lüftungsbau werde das Kino erst in diesem Jahr an den Start gehen. Verzögerungen gab es auch auf der anderen Straßenseite im Bürgerpark. Laut Oberbürgermeister Pötzsch zeichnet sich nun eine zeitnahe Entwicklung ab. „Drücken wir dem Investor die Daumen.“

Umgang mit der Umwelt

In Selb sei der bedachte Umgang mit der Natur an der Tagesordnung. Mehr als 30 000 Neupflanzen wurden für die Deutsch-Tschechischen Freundschaftswochen in die Erde gebracht. Fast 80 Prozent der Straßen- und Wegebeleuchtung wurde mit energiesparenden Leuchtmitteln ausgestattet. Gemeinsam mit der ESM denke die Verwaltung über weitere Windkraftstandorte nach, und der Stadtrat habe mit heimischen Investoren Photovoltaikanlagen genehmigt.

Städtebau und Freundschaftswochen

Vieles, was sich derzeit in Selb verändert, steht im Zusammenhang mit den Deutsch-Tschechischen Freundschaftswochen: der Spiel- und Sportpark im Rosenthalpark, der Eventpark Grafenmühlweiher und der Park am Bahnhof. Allerdings haben diese und zahlreiche weitere Baumaßnahmen die Geduld der Selber in den zurückliegenden Jahren arg auf die Probe gestellt. „Die Neugestaltung einer Stadt geht eben nicht ohne Beeinträchtigungen einher“, entschuldigte Pötzsch und empfahl doch besser die fertigen Ergebnisse zu genießen. In Sachen Freundschaftswochen bedeute das: Staatsakt, Ministertreffen sowie Feste und Veranstaltungen von Mai bis August.

Mit einem „sieben-Millionen-Euro-Kuss“ erwecke der Bund das Erkersreuther Dornröschenschloss aus dem Schlaf. Damit werde der Stiftung „Kulturerbe Bayern“ und dem Förderverein die Generalsanierung möglich gemacht, oder wie der Oberbürgermeister kurz zusammenfasste: „Ein Traum!“

Das liebe Geld

Trotz all der Investitionen sei die Stadt in der Lage, einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen, sagte Ulrich Pötzsch. Denn für fast alle Projekte hat die Stadt staatliche Fördermittel in Anspruch genommen. „Dafür muss man aber wissen was, man will.“ Gleichzeitig sei es der Stadt möglich gewesen, mit nachhaltigem Wirtschaften und staatlicher Hilfen die Verschuldung in den letzten zehn Jahren von mehr als 40 Millionen auf nun 17 Millionen Euro zu senken.

Wirtschaft und Wissenschaft

Nicht nur Handwerksbetriebe seien in den vergangenen Jahren gewachsen. Auch die Erweiterung des Europäischen Zentrums für Dispersionstechnologien (EZD) nannte der Rathauschef eine Erfolgsgeschichte. Eine Erweiterung sei geplant, dafür aber müssten die Kostenentwicklungen auf dem Bausektor im Auge behalten werden. Generell zeigten sich die Unternehmen positiv gestimmt. „Es läuft, weil die Global-Player wie Rapa, Netzsch, Vishay und Kyocera weltweit investiert haben und damit auch den Standort in unserer Heimatstadt sicherer gemacht haben“, sagte Ulrich Pötzsch.

Mit den Worten „Lasst uns die spannende Weiterentwicklung unserer Porzellan- und Designstadt mit Zuversicht und vor allem mit Selbstbewusstsein und Optimismus angehen“ beendete der Oberbürgermeister seine Rede. Fürs Protokoll: Da waren exakt 30 Minuten vergangen.

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