Eine ziemlich perfekte Verbindung
Ellis war als Mit-Produzent eng an der Serienadaption beteiligt. Neben ihm steht mit Ryan Murphy einer der erfolgreichsten und produktivsten Serienmacher der Branche ("Glee", "American Horror Story", "Dahmer - Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer" und und und).
Ästhetisch wirken Murphy und Ellis wie eine unglaublich logische Fügung, ein "match made in heaven". Alles ist superstylisch, alles irgendwie sehr amerikanisch. Selten sahen die 80er auf dem Bildschirm so gut aus - auch nicht bei "Stranger Things", dem Goldstandard des Retro-Looks.
Erzählerisch ist die Sache komplizierter. Ellis' Buch ist ein Meisterwerk, weil es das eigentlich schon durchgenudelte Thriller-Genre auf eine ganz andere Ebene hebt. Die Morde des "Trawlers" sind dort eigentlich nur eine Art Hintergrundrauschen für eine Erzählung über Jugend, Vergänglichkeit, Begehren und die erschreckende Verlorenheit einer Gesellschaftsschicht, die sich ihre Identität zusammenkauft.
In der TV-Serie versuchen Murphy und Ellis, die spezielle Erzählweise des Romans zumindest in Teilen zu adaptieren. Aus dem Off hört man Bret als Erzähler, der - wie im Buch - immer wieder andeutet, wie das Gezeigte zu verstehen ist: als eine Erinnerung.
Im Roman hat das den Effekt, dass man bald gewisse Zweifel an diesem Bret entwickelt. Ein Gedächtnis funktioniert nicht wie eine Videokamera, die einfach alles abspeichert und wiedergibt. Erinnerungen haben die lästige Angewohnheit, sich im Laufe der Zeit zu verändern. Im Roman entsteht allein schon durch diese Zweifel am Erzähler eine gewisse Grundspannung.
Begehren und Tod
Ganz so stark ist dieses Element in der Serie nicht. Murphy und Ellis folgen mehr der Thriller-Logik und rücken den Serienmörder-Plot stärker in den Vordergrund. Nach zehn Minuten schon gibt es die erste Leiche. Die Abgründe des Protagonisten werden dagegen zunächst eher leise angedeutet.
Wucht bekommt die Geschichte trotzdem, weil sie zwei Themen zusammenbringt, um die die Kulturgeschichte seit jeher kreist: Begehren und Tod. Die Serie erzählt von Menschen, die sich gegenseitig anziehen, beobachten, besitzen wollen. Und daneben steht der Serienmörder, der aus Menschen tatsächlich Objekte macht.
Bald ahnt man jedenfalls: Der "Trawler" ist vielleicht gar nicht der einzige Wahnsinnige in dieser Geschichte. Vielleicht ist er nur derjenige, bei dem der Wahnsinn am sichtbarsten wird.