Das Finale zeigte aber auch, wie abhängig die Albiceleste von ihrem Topspieler ist. Es war geradezu erschreckend. Messi, der zuvor im Turnier acht Tore erzielt und vier weitere vorbereitet hatte, war gegen Spanien quasi kein Faktor - und Argentinien entsprechend chancenlos.
Das Ende von Messi und womöglich auch das von Scaloni, dessen Vertrag nur noch dieses Jahr gültig ist, würde Argentinien nach den vergangenen Erfolgsjahren vor die gewaltige Herausforderung eines Neuaufbaus stellen.
Eine weitere Zeitenwende: Yamals innige Umarmung mit Messi
Messis 207. Länderspiel war gerade beendet, da kam Spaniens Youngster Lamine Yamal auf den völlig desillusioniert auf dem Rasen sitzenden Kapitän der Argentinier zu. Messi erhob sich, es folgte eine lange Umarmung. Es wirkte, als überlasse der eine Weltstar die Bühne hiermit nun dem anderen.
Vor knapp 19 Jahren war ein legendäres Foto von Messi und Yamal entstanden - der eine schon Profi, der andere noch ein Baby. Gemeinsam an einer kleinen Badewanne. Nun, nach dem Duell im WM-Finale, also neue einprägsame Bilder. War das die Zeitenwende? Ist Messis Ära im Nationaltrikot vorbei? Während die von Yamal, der jetzt schon Welt- und Europameister ist, erst richtig losgeht?
Messi trat schon mal zurück - nach Pleite im Final-Stadion
In der Tat prägte Messi die vergangenen zwei Jahrzehnte wie kein anderer Fußballer - von seinem portugiesischen Dauerrivalen Cristiano Ronaldo mal abgesehen. Der kleine Junge aus Rosario wurde zu einem der Allergrößten. Viele sagen: mit seinem WM-Triumph vor vier Jahren sogar größer als die 2020 gestorbene argentinische Fußball-Legende Diego Maradona.
Die Erfolge bei der Copa América 2021 und 2024 kommen noch dazu, von all den Titeln auf Clubebene - vor allem in den vielen Jahren beim FC Barcelona - ganz zu schweigen. Messi bestritt sechs Weltmeisterschaften und erzielte für die Nationalmannschaft 125 Tore. Waren die beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko seine letzten für die Albiceleste? Während der nächsten WM 2030 würde der Ballzauberer immerhin schon 43 Jahre alt.
2016 war Messi schon einmal aus dem Nationalteam zurückgetreten. Nach der bitteren Niederlage im Elfmeterschießen im Finale der Copa América gegen Chile. In East Rutherford. Im Final-Stadion dieser WM. Damals war er nach wenigen Wochen schon wieder dabei.
Diesmal könnte das anders sein. Messis Tränen sprachen Bände. Argentiniens Held war überwältigt von der Liebe einer ganzen Nation. Vor der hellblau-weißen Wand. Das Ende scheint nahe.