Er sagt aber auch: "Bei der WM habe ich keinen Einsatz von Religion als Waffe erlebt." Es sei gerade "ein starkes Zeichen, wenn Spieler von unterschiedlichen Mannschaften nach dem Spiel gemeinsam beten und so zeigen, dass es mehr gibt als die Gegnerschaft auf dem Platz - gerade angesichts der diskriminierenden und menschenverachtenden Politik der US-Regierung gegenüber Migrant/innen auch im Kontext der WM."
Missionierung am Stadiontor
Dieses Turnier ist gerade für evangelikale Gruppen eine große Chance, um ihren Glauben zu verbreiten. Fußball und Fußballstars bieten eine enorme Reichweite, digitale Medien den idealen Verstärker. Das Turnier ist eine Art "Missionsfenster", weil es zehntausende Fans aus verschiedenen Ländern anlockt. Und dass sich nicht nur die "Ballers in God" darauf vorbereitet haben, zeigt das Beispiel "Jesus Saves 2026" am Spielort Miami.
Die evangelikale Initiative wirbt zu jedem Spieltag Freiwillige an. Sie treffen sich vier Stunden vor Anpfiff in einer Kirche und fahren dann zum Stadion, um dort Fans aus aller Welt zu begrüßen, mit ihnen zu beten und ihre Botschaft zu vermitteln. In dem Aufruf von "Jesus Saves 2026" steht: Diese WM biete "eine göttliche Gelegenheit, die Kirche zu stärken".
Bischof gegen Präses: Tippspiel bei der WM
Auch hier ist die Frage: Geht es um den Glauben oder um mehr? "Religion darf nie Steigbügelhalter für andere weltanschauliche oder politische Botschaften sein", sagt der Münchner Pfarrer und Fußball-Fan Rainer Maria Schießler. "Da muss absolute Klarheit herrschen, wenn ein Sportler seine Religion nach außen hin zeigt." Solange das so ist, "ist es für uns Religionsmenschen natürlich ein fettes Pfund, wenn ein Prominenter, ein Sportler im Fokus der Welt aus seinem Glauben keine Mördergrube macht".
Und so ist die WM auch für die Kirchen in Deutschland ein großes Thema. Bei Instagram teilt Latzel regelmäßig die "WM-Werte", bei denen er Bibelverse auf den Fußball münzt. Der evangelische Sportbeauftragte und der katholische Sportbischof Stefan Oster treten auch in einem Tippspiel vor den Partien der deutschen Mannschaft gegeneinander an. Nach den ersten beiden Gruppenspielen stand es 4:4.