Oberkotzau Senf wächst jetzt auch in Oberfranken

Manfred Köhler

Seit drei Jahren wird Senf für die regionale Produktion des Gewürzes angebaut. Dafür arbeiten Landwirte aus vier Landkreisen zusammen.

Derzeit steht der Senf bei Münchberg-Laubersreuth in voller Blüte. Das Bild entstand bei einer Inspektionstour der beteiligten Produzenten und zeigt (von links) Ingo Merbach, Chef der Firma Siebenstern, Rainer Rauhut, Geschäftsführer der Raiffeisen Oberfranken Ost GmbH, die Landwirte Reinhard Wachter aus Selbitz-Neuhaus und Manuel Findeiß aus Laubersreuth, Martin Schmidt, Betriebsleiter Ware Gefrees der Raiffeisen Oberfranken Ost GmbH, und die Landwirte Fritz Geier aus Oberzaubach im Landkreis Kulmbach und Rainer Sachs aus Gefrees-Witzleshofen. Foto: Köhler Quelle: Unbekannt

Oberkotzau - Die Hofer Bratwürste sind ein regionales Lebensmittel - das sagt schon allein der Name. Aber auch der Senf dazu ist ein regionales oberfränkisches Produkt, sofern er von der Firma Siebenstern-Jackstädt GmbH & Co. KG in Oberkotzau stammt. Nun wird der Senf nicht nur in Oberkotzau hergestellt, sondern auch seit drei Jahren in der Region angebaut. Denn ein großer Teil der Senfsaaten, die für den Siebenstern-Senf verarbeitet werden, wurde auf Feldern in den Landkreisen Hof, Bayreuth, Kulmbach und Wunsiedel geerntet.

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"Die Idee gab es schon sehr lange", erzählt Ingo Merbach, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Siebenstern. "Denn wenn Raps auf unseren Feldern wächst, warum dann nicht auch Senf?" Der entscheidende Impuls kam von Martin Schmidt, Betriebsleiter Ware Gefrees der Raiffeisen Oberfranken Ost GmbH. Das ist ein mittelständischer Agrarhändler mit Standorten in Berg, Gattendorf und Gefrees. Schmidt sagt: "Der Großteil der in Deutschland verarbeiteten Senfsaat kam zuvor aus Osteuropa. Weder hier bei uns noch im Rest von Mitteleuropa gab es nennenswerte Anbauflächen."

So habe man 2018 begonnen, mit Pioniergeist und Zusammenarbeit über vier Landkreise hinweg ein neues regionales Projekt zu schaffen: den Vertragsanbau fränkischer Senfsaat. Einfach sei das nicht gewesen, Senf sei anspruchsvoll. Denn die Pflanze passe nicht in alle Fruchtfolgen, werde abhängig von Temperatur, Wetter und Standort von Schädlingen befallen und reife erst deutlich nach der Getreideernte ab. "Die Erträge schwanken je nach Niederschlag, Wärme und Anbauintensität zwischen einer und zwei Tonnen je Hektar", berichtet Martin Schmidt.

Die Raiffeisen Oberfranken Ost GmbH wirke als Plattform zwischen den insgesamt 14 beteiligten Landwirten, liefere Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel und berate vor Ort. Auch für Bündelung, Reinigung, Beprobung und Verpackung des Erntegutes wie auch die Auslieferung in Säcken ist der Agrarhändler zuständig. In Oberkotzau werden dann daraus der bekannte Siebenstern-Senf hergestellt - gesät, gewachsen, eingetütet und produziert in Oberfranken.

Eingekauft werde die oberfränkische Senfernte zum jeweiligen Weltmarktpreis, informiert Siebenstern-Chef Ingo Merbach. Der Ertrag schwanke zwischen 30 und 50 Tonnen, wobei jährlich insgesamt rund 130 Tonnen benötigt würden - das heißt, 80 bis 100 Tonnen werden nach wie vor in Kanada und Osteuropa eingekauft. Die Trockenheit im vergangenen Jahr habe die oberfränkische Ernte beeinträchtigt, während es heuer sehr gut aussehe.

Aktuell steht der Senf in voller Blüte. Getrübt werde die Aussicht auf bestes oberfränkisches Senf-Erntegut allerdings durch die Corona-Lage: "Wegen der Gaststättenschließungen und der Absage von Großveranstaltungen ist unser Absatz in diesem Jahr um die Hälfte eingebrochen." Weder der fertige Senf noch das Erntegut würden allerdings schlecht, so dass für die diesjährige Produktion als Konsequenz wohl deutlich weniger ausländisches Senfkorn zugekauft werde.

Das Engagement der beteiligten Landwirte lobt Ingo Merbach in den höchsten Tönen: "Sie haben die richtige Einstellung, sind bereit zu experimentieren und schauen nicht auf den Geldbeutel." Völlig neu indes sei der Anbau nicht, verraten ihrerseits die Landwirte. Die Senfpflanze werde als Gründüngung angebaut und untergepflügt. Dass daraus tatsächlich Senf produziert werde, sei nun allerdings ein Novum: "Und darauf sind wir auch ein bisschen stolz."

Zurecht, sagt Ingo Merbach, und lobt den Idealismus aller Beteiligten. Regionales Denken werde heutzutage immer wichtiger. Warum solle man die Senfsaat durch die halbe Welt transportieren, wenn die heimischen Landwirte damit ihr Auskommen haben könnten? "Insgesamt handelt es sich um eine Win-win-Situation", zieht der Siebenstern-Chef Bilanz. "Wir produzieren ein nachhaltiges Lebensmittel aus der Region. Das lohnt sich auf jeden Fall."