Hof Ohne Programm: Schöne stille Schlappenzeit

Auftakt und Ende des physischen Schlappentags 2021 war ein kurzes Treffen am Schießgraben. Dieses Jahr wird alles anders: (mindestens) 18 Gaststätten und Biergärten laden ein. Foto: /Thomas Neumann

Wie man’s macht, macht man’s verkehrt: Für die Schlappentagsabsage haben sich die Beteiligten viel Schelte eingefangen. Dabei sind ihre Argumente völlig richtig.

 
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Mal völlig verquer betrachtet, erfüllt sich nun der Traum, den viele jahrelang gehegt haben in Hof: Aus dem traditionellsten aber leider auch kurzen Hofer Fest wird eine ganze Festwoche. Heiße Diskussionen hatte es dereinst in den Ratsstuben gegeben im „Arbeitskreis Schlappentag“, ob man den Festtag ausweiten will zur Festwoche (wo doch das Zelt schon mal steht?!); oder ob damit das einzigartige Flair des Hofer Nationalfeiertags verloren gehen würde. Klar: Die Verantwortlichen dachten bei alldem an täglich Tausende Feiernde am Schießgraben. Diesmal wird bekanntlich anders verlaufen – wie genau, das bleibt spannend.

Hussitenführung? Am Wochenende gab es keine Hussitenführung. Zwar war sie vorletzte Woche noch angekündigt worden, doch müssen die Gästeführer passen: Die Stadt habe sie erst vor zwei Wochen gefragt, ob sie das Event anbieten möchten. Das hat für Unmut gesorgt: Bei den Führungen sind 30 Ehrenamtliche aktiv, es gibt ein Drehbuch, drei bis vier Proben, Kostüme, Ausrüstung, Verkehrsabsicherung durch die Polizei. „Normalerweise arbeiten wir seit Februar daran – in zwei Wochen ist das nicht zu stemmen“, sagte ein Beteiligter. Da der Schlappentag bekanntlich frühzeitig abgesagt worden sei, habe man sich auch nicht auf die Führung vorbereitet. In einer „wilden Hauruckaktion“, wie es jetzt gekommen wäre, wäre das schlicht nicht möglich gewesen. Schließlich hatte das Format zuletzt eine gewisse Dimension: 2019 waren 300 Fans gekommen.

Rathaus und Stadtrat: Das Hofer Rathaus und seine Fachbereiche haben an diesem Montag ab 12 Uhr geschlossen. Das ist Tradition, hat die Oberbürgermeisterin beschlossen – andere Behörden machten dafür eben Faschingsdienstag dicht. Ob das sympathische Schlappentags-Video mit Adrian Roßner aus dem vergangenen Jahr noch einmal online gestellt wird, war am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen: Die beteiligten Fachbereiche antworten alle kurz angebunden beziehungsweise verweisen gegenseitig aufeinander. Auf der städtischen Homepage hieß es bei Suchanfragen: „Schlappentag 2021 – mit dem Herzen dabei“, da findet sich nicht einmal die Liste mit den beteiligten Biergärten dieses Jahr. Und von coronakonformen Ideen wie Malwettbewerb oder Schlappen-Schmeißen des vergangenen Jahres ist auch nichts mehr übrig. Der Stadtrat hat seine Vollsitzung nächste Woche auch nicht auf den üblichen Montagabend gelegt – er tagt Dienstag.

Die Eröffnung: Am Montagvormittag gibt es einen kurzen offiziellen Termin für die Medien, den es im vergangenen Jahr auch schon in ähnlicher Form gegeben hatte. Allerdings nicht am Schießgraben, wie üblich, sondern am Theresienstein: Schützen und Stadt, Brauerei und Handwerker eröffnen dann feierlich die Festwoche. Danach geht es in (mindestens) 18 Gaststätten und Biergärten in Stadt und Landkreis ums Schlappenbier. Auch die Schlappentags-Genussboxen des Hotels Falter werden dann wieder ausgeliefert. Die meisten Gaststätten laden gleich montags ein, fünf davon an anderen Abenden. Dezentrales Feiern statt großer Partymeile: Das ist der Kompromiss dieses Jahr.

Das Bier: 16,5 Prozent Stammwürze, Alkoholgehalt 6,5 Prozent und ausgewählter Aromahopfen: „Das Schlappenbier besticht durch seine feinporige, samtige Schaumkrone und sein bernsteinfarbenes Aussehen“, erklärt leitender Braumeister Sascha Greßmann das Bier 2022. Wie es schmeckt, weiß bis dato nur eine Handvoll Menschen: Die Schlappenbier-Verkostung, sonst fester Termin für viele geladene Gäste in Schmidts Keller der Scherdel, fand Mittwochmittag im klitzekleinen Kreis mit Brauer, Handwerker, Schütze und OB statt. Was sich nicht ändert: Die Menge ist streng limitiert, das Bier wird erst am frühen Montagmorgen vom Scherdel-Hof ausgeliefert.

Die Schützen: Weder Schlappen- noch Bürgerschießen standen am Wochenende auf der Agenda – auch dafür haben sich die Schützen schon rechtfertigen müssen. Man wollte den Filmtage- (oder Boris-Johnson-)Effekt vermeiden: also verhindern, dass der Eindruck entsteht, geladene Gäste dürften feiern, während es für die breite Bevölkerung kein Angebot gibt. Das Bild ist natürlich schief: Auch zu den Filmtagen hätte ja jeder gehen dürfen. Doch wollte sich keiner dem Vorwurf aussetzen, einige wenige zu bevorteilen. Und dass die Veranstalter im Frühjahr das Risiko der ganz großen Feier nicht auf sich nehmen wollten, ist hinlänglich erklärt. Doch gibt es schon einen Ersatzort.

Der Geheimtipp: Handwerker und Schützen haben, so hört man, den Biergarten Theresienstein für ihren Schlappentags-Schoppen auserkoren. Oder zumindest für den Start: Sich möglichst aufzuteilen auf die Gaststätten, die mitmachen, ist der Wunsch vieler in den Zünften und Schützenvereinen. Dass viele Betriebe den Mitarbeitern frei geben, ist derweil nicht zu erwarten. Doch werden die Biergärten voll sein vor allem am Montag: „Was gibt es Schöneres, als am Schlappentag im Biergarten ein frisches Schlappenbier und ein Paar Bratwürste zu genießen“, freut sich Scherdel-Prokurist Kurt Unverdorben. Trotz dürftigem Rahmenprogramm: Vom Feiern werden sich die Hofer nicht abhalten lassen. Die teilnehmenden Gaststätten und Biergärten finden sich hier.

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