Das Papier mit dem Kürzel "P911" - benannt nach der Sportwagen-Ikone 911 - setzte danach zum Höhenflug an. Im Dezember 2022 stieg das Unternehmen bereits in den Leitindex Dax auf. Das mache Porsche "glücklich und stolz", sagte Blume damals. Zwischenzeitlich war Porsche an der Börse auch mehr wert als die Konzernmutter VW. Das Hoch erreichte die Aktie im Frühjahr 2023 mit fast 120 Euro - nach einem Ausgabepreis von 82,50 Euro.
Diese Baustellen hinterlässt Blume
Trotz des guten Laufs türmten sich insbesondere auf der Zielgeraden der gut zehn Jahre andauernden Ära Blume die Probleme. Die Absatzzahlen ließen zu wünschen übrig - vor allem in China lief es deutlich schlechter. Und auch der Gewinn rauschte zuletzt in den Keller. Der Konzernüberschuss von Januar bis Juni lag bei 718 Millionen Euro - 71 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Aus dem einst erfolgsverwöhnten Sportwagenbauer ist ein Unternehmen im Krisenmodus geworden. Das ging auch an der Börse nicht vorbei: Der Wert des Papiers hat sich seit dem Höchstwert mehr als halbiert. Zuletzt schwankte der Wert um 41 Euro. Und Anfang September flog Porsche aus dem Dax.
In einem Brief an die Belegschaft skizzierte Blume im Sommer mehrere Gründe für die Misere: In China sei das Marktsegment für teure Luxusprodukte in kurzer Zeit förmlich zusammengebrochen. In den USA drückten die gestiegenen Zölle und perspektivisch vor allem die aktuelle Kursentwicklung des Dollars das Porsche-Geschäft. Probleme, für die sein Nachfolger Lösungen finden muss.
Vom E-Auto zurück zu Verbrennern
Außerdem geht die Wende zum E-Auto nicht auf: Keine andere Marke im VW-Konzern hatte sich ein ähnlich ehrgeiziges Ziel gesetzt. Mehr als 80 Prozent aller Porsche-Neuwagen sollten bis 2030 vollelektrisch fahren. Davon ist nicht mehr viel übrig. In den ersten neun Monaten des Jahres lag der Anteil reiner Stromer bei 23,1 Prozent. Die E-Mobilität entwickle sich in vielen Märkten deutlich langsamer, als "wir und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten", so Blume.
Richten soll es angesichts der "Marktrealitäten und Kundenbedürfnisse" nun stattdessen ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nächste Jahrzehnt. Auch von den einst großen Batterie-Plänen des Managements ist wenig übrig. Für den Strategieschwenk rechnet der Hersteller mit Mehrkosten in Milliardenhöhe.
Porsche muss daher den Rotstift ansetzen - und seine Strukturen schrumpfen. Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Außerdem laufen die Verträge von rund 2.000 befristeten Angestellte aus. Ein weiteres Sparprogramm soll in den kommenden Wochen geschnürt werden. Darüber wird mit dem Betriebsrat derzeit verhandelt. Dabei dürfte nach dpa-Informationen neben zusätzlichen Stellenstreichungen auch die Jobsicherung zur Debatte stehen.
Das sind die größten Aufgaben bei VW
Auch wenn Blume sich nun komplett auf VW konzentrieren kann: Die Probleme bei Porsche dürfte er auch von Wolfsburg aus im Blick behalten. Denn zuletzt belastete das schwache Abschneiden der früheren Gewinngiganten Porsche und Audi den Konzern. Die lange schwächelnde Kernmarke fuhr im zweiten Quartal sogar mehr operativen Gewinn ein als die Premium-Marken zusammen.
Auch nach Ende des Tarifkonflikts mit der IG Metall gibt es im Konzern noch genügend offene Baustellen: Mit der Gewerkschaft muss jetzt bis Ende 2026 über eine Änderung der Tarifstruktur verhandelt werden, von der sich VW weitere Einsparungen verspricht. Und bis 2030 will die Kernmarke fast jede vierte Stelle in Deutschland streichen. Jetzt muss der Konzern zeigen, wie das ohne eine einzige betriebsbedingte Kündigung gelingen soll.
Mit dem Sparkurs will VW Überkapazitäten abbauen und die Gewinnmarge der ertragsschwachen Kernmarke erhöhen. Auf viel Rückhalt der Beschäftigten kann Blume nicht hoffen: In der Krise war der Unmut gewachsen. Hinzu kommen die Konzern-Dauerbaustellen: das wegbrechende China-Geschäft, der schleppende Elektro-Hochlauf, die konzerneigene Softwareschmiede Cariad, der Aufbau eigener Batteriefabriken und der Wettlauf beim autonomen Fahren. "Es gibt mehr als genug bei Volkswagen zu tun", sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.