Online-Praktikum über Grenzen Neue Wege in der Ausbildung

„Time of Corona“ war der Titel des virtuellen Fotoprojekts im Online-Praktikum von Tandem. Foto: /Kristin Müller/Tandem

Wie ein deutsch-tschechisches Auslandspraktikum auch in Corona-Zeiten möglich ist, haben Schüler aus Selb und Prostějov erlebt. Via Internet lernen sie andere Kulturen kennen.

Selb - Um trotz der Corona-Pandemie Auszubildenden ein Auslandspraktikum zu ermöglichen, bietet die Bundeseinrichtung Koordinierungszentrum Deutsch-tschechischer Jugendaustausch (Tandem) nun zu ersten Mal die Förderung virtueller Begegnungen in der beruflichen Ausbildung an. Das kündigt Tandem in einer Mitteilung an.

Koordinierungsstelle Tandem

Von den Einschränkungen durch die Coronakrise ist, wie es darin heißt, besonders die internationale Jugendarbeit betroffen. Als Koordinierungsstelle initiierte Tandem zusammen mit der Staatlichen Fachschule für Produktdesign in Selb und der Berufsschule für Design und Mode in Prostějov ein berufliches Online-Praktikum, an dem Schülerinnen und Schüler aus beiden Ländern teilnahmen.

Diese neue Form des Schüler-Austauschs bot beiden Seiten über die bloße Kommunikation zwischen den Ländern hinaus auch neue Aspekte in der Ausbildung. In den Praktika, die Tandem seit über 20 Jahren für Jugendliche aus Deutschland und Tschechien anbietet, sollen sich die jungen Menschen kennenlernen, Vorurteile abbauen und auch von den unterschiedli-chen Herangehensweisen und Inhalten der jeweiligen Ausbildung profitieren.

Von Lehrern entwickelt

Durch die Einschränkungen wegen der Pandemie entstand die Idee eines virtuellen Praktikums. Die Lehrerinnen und Lehrer der beiden kooperierenden Schulen entwickelten zusammen ein gemeinsames Online-Projekt, an dem zwölf Schüler aus Deutschland und zwölf aus Tschechien teilnahmen.

Für die Koordinatoren in den Partnerbüros von Tandem war das Online-Praktikum ein Erfolg. „Die beiden Schulen haben gezeigt, dass eine deutsch-tschechische Begegnung auch virtuell im Rahmen der Berufsausbildung erfolgen kann“, stellte Tandem-Mitarbeiter Marius Meier fest. „ Dabei konnten nicht nur Kontakte geknüpft, sondern auch neue handwerkliche Herangehensweisen voneinander gelernt werden.“ Seine tschechische Kollegin Jarmila Půbalová freute sich, dass die anfängliche Skepsis gegenüber dem Online-Projekt nun nicht nur der Zufriedenheit über den Erfolg gewichen sei, sondern auch weitere virtuelle Projekte geplant seien, etwa Ende 2021 im Gesundheitswesen.

Deutsch-tschechische Sprachanimation

Doch wie kann ein berufliches Praktikum online stattfinden? Das Projekt begann mit einem virtuellen Kennenlerntreffen aller Teilnehmenden. Die hierbei verwendete deutsch-tschechische Sprachanimation leistete dabei einen wesentlichen Beitrag. Auch Termini aus dem Bereich der Fotografie wurden neu erlernt. Schon bei diesem ersten Treffen entstand bei den Auszubildenden das Interesse am jeweils anderen Land, an dessen Sprache und Kultur.

Das Treffen fand auf der neuen Onlineplattform „Dina. international“ statt, die professionelles Simultandolmetschen während einer Videokonferenz möglich macht und im vergangenen Jahr von Fach- und Förderstellen der internationalen Jugendarbeit in Deutschland, zu denen auch Tandem zählt, ins Leben gerufen wurde.

Fotoprojekt „Time of Corona“

Im Mittelpunkt des Online-Praktikums stand ein virtuelles Fotoprojekt mit dem Titel „Time of Corona“. Schüler in Deutschland und Tschechien fertigten im Onlineunterricht während des Corona-Lockdowns als Hausaufgabe aus dem Unterrichtsfach Fotografie Bilder an und präsentierten sie anschließend auf Dina. Dabei tauschten sie sich online aus und diskutierten auf Englisch verschiedene Herangehensweisen, wie die Belichtung, den Blickwinkel, die Wirkung und die Entstehung eines Bildes. Auf diese Weise wurden auch die Auswirkungen der Corona-Krise auf die beiden Länder reflektiert. Zwischen den Online-Meetings arbeiteten die Schülerinnen und Schüler mit Polaroid- sowie Digitalkameras am Thema.

Berufsschülerin Alina sagte nach dem Projekt: „Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler der tschechischen Schule fotografieren. Sie gehen sehr kreativ und mutig an die Motive heran. Es hat mir große Freude bereitet, uns unsere Bilder gegenseitig zu zeigen. Es war auf jeden Fall eine Inspiration.“ Teilnehmer Nick lobte ebenfalls: „Im Projekt wurden verschiedene, sehr interessante Corona-Bilder umgesetzt und debattiert. Es war abwechslungsreich, grenzübergreifende Erfahrungen und Interessen auszutauschen und zu sehen, wie Gleichaltrige mit Corona und Fotografie umgehen.“

Radim aus Tschechien würde das Praktikum auf jeden Fall empfehlen: „Man lernt Kommunikation, neue Kultur und Leute kennen. Wir haben unsere Kontaktdaten ausgetauscht und folgen uns gegenseitig auf Insta-gram.“ Und auch Vojtěch hat das Praktikum Spaß gemacht: „Es war klasse, mit Jugendlichen aus anderen Kulturen zu kommunizieren.“

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