Otto Dörfel Der unbekannte Rehauer Bildhauer

Dietrich Metzner
Bronze-Nachguss der Gazelle nach dem Original-Modell von 1937 vor dem Rehauer Rathaus. Foto: Metzner

Seit Anfang September ziert eine bronzene Gazelle den Rathauseingang. Der Mann, der sie dereinst erschaffen hat, hat als Porzellanmaler in Rehau begonnen – und stieg in München zu einem der bedeutenden Bildhauer auf: Otto Dörfel.

Es gibt viele große Künstler, die in ihren Heimatorten eigentlich unbekannt sind. Zu ihnen zählt der Rehauer Otto Dörfel, dem seine Heimatstadt passend zur diesjährigen Kunst und Kulturnacht ein Denkmal in Form einer Bronzeskulptur, die eine Gazelle darstellt, gesetzt hat.

Mit den Porzellanfabriken kam um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts unter anderem mit der Kunstabteilung der damaligen Porzellanfabrik Zeh-Scherzer die Kunst erst nach Rehau. Otto Dörfel erblickte das Licht der Welt am 22. Februar 1905, seine Kindheit verlief so, wie es ist,wenn die Eltern nicht gerade vermögend sind. Es ist anzunehmen, dass er ab 1928 eine Lehre in der oben genannten Kunstabteilung absolvierte, nicht nur als Maler, sondern auch als Modelleur. Anschließend schrieb sich Otto Dörfel für das Wintersemester 1931/32 in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste im Fach Bildhauerei bei Professor B. Bleeker ein, der als Vertreter der Bildhauerei noch heute einen Namen hat. Er wurde angenommen, erhielt die Matrikelnummer 0025. Gleich nach Beendigung seines Studiums bewarb sich Otto Dörfel mit seiner Bronze-Figur „Gazelle“ an der ersten großen Deutschen Kunstausstellung von 1937 im Haus der Deutschen Kunst in München: ein großes Wagnis für einen Neuling. Aber seine Arbeit war von Erfolg gekrönt, denn sie wurde nicht nur in den Presseberichten lobend erwähnt. Dieser Ausstellungsbeteiligung folgten in den folgenden Jahren noch weitere, in denen Dörfels Arbeiten immer Erfolgreich dabei waren. Natürlich unterhielt Dörfel in München auch ein eigenes Atelier. Er war ein großer Künstler seiner Zeit,dessen eigentlich zeitlose Skulpturen, die an keine Weltanschauung gebunden sind, heute noch eine große Ausstrahlung haben. Otto Dörfel fungierte nicht nur als Bildhauer, sondern ebenso auch als Maler, sind doch nach verschiedenen Aussagen etwa 300 Bilder und an die 5O Figuren von ihm bekannt. Diesem Schaffen setzte der Zweite Weltkrieg ein jähes Ende, an das Otto Dörfel nach seiner Heimkehr aus der Gefangenschaft nicht mehr anknüpfen konnte, denn er verstarb schon im Dezember 1948 in Rehau.

In Rehau ist Otto Dörfel als Künstler nie in Erscheinung getreten. Um so erfeulicher ist es, dass ihm die Stadt nun mit dem Nachguss seiner Gazelle, die von der Kunstgießerei Kollinger in Elchimgen gefertigt wurde, ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Nachzutragen wäre, dass außer vier Skulpturen, die sich inzwischen in städtischem Besitz befinden, auch ein landender Kranich sowie einige Bilder in privater Hand befinden. red

 

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