Zwar ist ein nicht unerheblicher Teil der Menschen immer noch stark auf Moskau fokussiert, doch die Drohungen finden auch viele Armenier abstoßend. "Wir wollen unsere Unabhängigkeit bewahren", sagt Lilith, eine Reiseführerin aus Eriwan, die sich als Anhängerin Paschinjans zu erkennen gibt. Russland habe nicht das Recht, sich in die Angelegenheiten Armeniens einzumischen.
Stark polarisierter Wahlkampf
Unter diesen Umständen glauben auch viele Armenier dem Vorwurf des versuchten Stimmenkaufs. Ein Vertreter der armenischen Regierung warf Moskau vor, in Russland lebende Armenier speziell zur Wahl in ihre Heimat zu schicken, damit sie dort gegen Entlohnung für prorussische Parteien stimmen. Die Behörden haben mehrere Strafverfahren eröffnet, handfeste Beweise hat die Regierung für die Anschuldigung aber nicht präsentiert.
In dem Land, das auch an den Iran grenzt, sind Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Einsatz. Die Leiterin der OSZE-Beobachtermission Farah Karimi sprach von einer "beunruhigenden Polarisierung des Wahlkampfs". Dieser sei von Anschuldigungen und Beschimpfungen geprägt gewesen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.