Personalmangel in der Gastronomie Mitarbeiter händeringend gesucht

Zwar dürfen Gaststätten wieder öffnen, aber in vielen Betrieben scheitert es an mangelndem Personal. Foto: /Pedro Fiuza/dpa

Die Gastwirtschaften in der Region dürfen zwar wieder öffnen, aber nach dem Lockdown mangelt es oft an Personal. Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie sind in andere Branchen gewechselt.

Bayreuth/München - Biergärten und Lokale in der Region füllen sich allmählich wieder, aber der Neustart stößt vielerorts an seine Grenzen: Akuter Personalmangel plagt die Gastronomie. Während des langen Lockdowns haben sich viele Menschen, die zuvor in Hotels, Restaurants und Cafés beschäftigt waren, notgedrungen umorientiert und arbeiten inzwischen in anderen Berufsfeldern.

Branchenwechsel und Kündigungen

43,7 Prozent der Beschäftigten, die in Oberfranken in der Gastronomie gearbeitet haben, sind während der Corona-Pandemie in eine andere Branche gewechselt. Fast 30 Prozent der Gastronomiebetriebe mussten Mitarbeitern coronabedingt kündigen. Die Zahlen ergeben sich aus einer Umfrage des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga Bayern).

Günther Elfert, Bezirksgeschäftsführer des Dehoga Bayern in Oberfranken, ruft dennoch dazu auf, Ruhe zu bewahren: „So lange hat die Gastronomie ja noch nicht geöffnet, ich denke, mit der Zeit kommt das Personal zurück.“ Es gebe genügend Gründe, warum es zwar aktuell noch holprig läuft, sich die Situation aber bald bessern werde: „Viele, die in der Gastronomie gearbeitet haben, werden auch wieder dorthin zurück wollen. Die Leute haben sich neue Jobs gesucht oder wurden abgeworben, aber vor allem wer fest angestellt war, hat die Arbeit aus Leidenschaft gemacht. Die Sehnsucht wird nach und nach wieder kommen.“ Zudem gebe es bei den jeweiligen Arbeitgebern auch eine Kündigungsfrist. Also selbst wer schon jetzt wieder im Restaurant arbeiten will, müsse sich zum Teil noch gedulden. „Dass jetzt wieder geöffnet werden darf, wurde ja recht kurzfristig entschieden. So schnell kann man ja unmöglich wieder von null auf 100 kommen“, stellt Elfert fest. Bis alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgekehrt sind und auch neue Angestellte gefunden und geschult sind, dauere es eben eine Weile.

Auch geringfügig Beschäftigte fehlen

Ein weiteres Problem liegt laut Günther Elfert bei den geringfügig Beschäftigten: „Da sind von der Gastronomie besonders viele in andere Bereiche abgewandert. Auch das wird sich hoffentlich wieder bessern. In Universitätsstädten wie Bayreuth haben viele Studenten gekellnert. Das wird erst wieder losgehen, wenn die Studenten auch wieder zur Uni kommen können.“

Nach Angaben der Agentur für Arbeit sind im Bezirk Bayreuth-Hof aktuell 133 offene Stellen für Tourismus, Hotel- und Gaststättenberufe gemeldet. Das sind rund ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Auf die offenen Stellen kommen 340 Arbeitslose mit diesen Zielberufen. Warum das nicht unbedingt heißt, dass auch jede offene Stelle besetzt werden kann, erklärt Birgit Obermeier, Teamleiterin des Arbeitgeber-Services der Agentur für Arbeit in Bayreuth: „Arbeitszeiten und der Arbeitsweg sind entscheidende Faktoren. Vor allem Eltern überlegen sich das zweimal, bevor sie einen Job weit weg von Zuhause annehmen, bei dem sie nie genau sagen können, wann sie Feierabend haben.“ Im grenznahen Gebiet um Selb, Wunsiedel und Marktredwitz habe das Gastgewerbe auch viele tschechische Angestellte, die Schwierigkeiten beim Grenzübertritt hatten, durch die Pandemie verloren. „Die Gastronomie sucht schon länger nach Fachkräften, das hat sich durch die Pandemie noch verschärft. Viele suchen auch Quereinsteiger, aber es ist sehr schwierig, die richtigen Leute zu finden“, erklärt Birgit Obermeier. Die Agentur für Arbeit stehe mit dem Gaststättenverbandin Kontakt und suche nach Lösungen: „Wir bieten den Gastwirten unsere Beratung an und versuchen beispielsweise mit unseren ‚Welcome Centern’ tschechische Arbeitskräfte zu vermitteln.“

Wie groß das Problem ist, zeigt nicht nur die Umfrage des Dehoga Bayern, sondern auch die Zahlen des bayerischen Landesamts für Statistik: Im April 2021 waren 6,6 Prozent weniger Menschen im Gastgewerbe beschäftigt als noch vor einem Jahr. Im Vergleich zum April 2019 bedeutet dies ein Minus von etwa 34 Prozent.

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