Polizeieinsatz in Marktredwitz Heiße Debatten um aufgelöstes Event

Die Livestream-Veranstaltung wurde von der Polizei aufgelöst. Foto: Fichtelstream

Die Polizeimeldung über den beendeten Livestream im „Madhouse“ kocht im Internet hoch. Wir haben bei Beteiligten nachgefragt.

Marktredwitz - „Die Beamten wurden am Samstagabend zu einer Ruhestörung in den Günthersweiherweg gerufen“, sagt Roland Ast, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Marktredwitz. Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung hätten zu jener Zeit noch nicht im Raum gestanden. „Trotzdem habe ich keinen Zweifel, dass die ersten Eindrücke der Beamten richtig waren. Es sind aber noch alle Fragen offen.“ Für die Beamten sei es in dieser Nacht auch gewiss nicht der einzige Einsatz gewesen. „Ich kann den Ermittlungen nicht vorgreifen. Erst muss das gesamte Beweismaterial gesichtet werden. Natürlich werden auch beide Seiten angehört“, sagt der Dienststellenleiter. Zudem sei die Polizei nur die „feststellende Behörde“. Die Entscheidung bei Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung treffe letztendlich das Landratsamt Wunsiedel. Das Geschehen sei aber sehr komplex. „Daher kann die Bearbeitung Wochen oder vielleicht sogar Monate dauern.“

Das Fichtelstream-Team ist bestürzt

Die Gründer des Kunstprojektes „Fichtelstream“, Tobias Bachmann und Tobias Reger, waren über die Formulierungen in der Polizeimeldung bestürzt. „Es ist offenbar Ansichtssache, was der Passus in der Polizeimeldung ‚nachdem es den Beamten gelungen war, sich Zutritt zu verschaffen’ bedeutet“, sagt „Fichtel-stream“-Gründer Tobias Bachmann. Schließlich habe das Team die Beamten „unkompliziert“ durch den Haupteingang in das Gebäude gelassen. Auch die Textstelle ,offensichtlich eine Party feierten’ stört Bachmann und Reger. „Es war ein Live-stream mit professionellen Mitarbeitern aus der Veranstaltungsbranche. Nach meiner Meinung waren die Beamten schon vom ersten Moment an voreingenommen“, sagt Tobias Reger. Der erste Satz der Polizisten sei gewesen: „Die Party ist aufgelöst.“ Trotzdem geben sie den Beamten keine Schuld. Kompromissbereitschaft habe aber leider komplett gefehlt

Die Aussage, dass alle 18 Personen sichtlich alkoholisiert waren, sei an den Haaren herbeigezogen. „Die Polizisten haben sogar in die Runde gefragt, wer einen Alkoholtest machen will. Da haben sich sofort einige Personen freiwillig gemeldet“, erinnert sich Reger. Die Techniker und DJs hätten, nachdem das Event aufgelöst worden war, außerdem noch bis nach Magdeburg fahren müssen. „Die Künstler trinken schon manchmal ein wenig. So wie auf den normalen Veranstaltungen mit Publikum auch.“ Betrunken dürfe aber weder der Tontechniker noch der DJ sein. „Fakt ist, wir haben auf die Corona-Regeln und auf große Abstände geachtet. Es waren definitiv keine Gäste vor Ort. Nur Ehrenamtler, die mit diesen Projekten die gebeutelte Veranstaltungsbranche stärken wollen. Genau wie bei den hunderten Livestreams im vergangenen Jahr dieser Pandemie“, sind sich Bachmann und Reger einig.

Der Club-Besitzer war vor Ort

„Ich wollte die Frankenpost mit dem Facebook-Post auch nicht angreifen“, sagt Tobias Bachmann. Dort habe er die Polizeimeldung einfach nur zuerst entdeckt. „Mich hat es sogar gestört, wie die Leute die Zeitung teilweise angegangen sind“, ergänzt Tobias Reger. Beide hätten nie gedacht, dass es so weite Kreise ziehen könnte. Der „Madhouse“-Besitzer Michael Bauschke war während des Polizeieinsatzes mit Renovierungsarbeiten im Gebäude beschäftigt: „Auf 600 Quadratmetern waren gerade mal 18 Personen; genug Platz, um Abstand zu halten. Bei etwas mehr Augenmaß der Beamten hätten die Veranstalter nur die Musik herunterfahren müssen und das Hygienekonzept erklärt.“

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