Praxistag der Fachschule für Heilerziehungspflege Einschränkungen am eigenen Leib erleben

Viele Erfahrungen sammelten die künftigen Heilerziehungspfleger bei ihrem Projekttag. Foto: /pr.

Beim Projekttag in Marktredwitz machen künftige Heilerziehungspflege wichtige Erfahrungen. Die helfen ihnen später im Beruf, betreute Menschen zu verstehen.

Marktredwitz - Die Schüler der Marktredwitzer Fachschule der Heilerziehungspflege der Arche TWI haben erstmals seit längerer Zeit wieder einen Projekttag in der Öffentlichkeit veranstaltet. Unter dem Motto „Erfahrungen sammeln als beeinträchtigter Mensch“ tauschten sie laut Mitteilung den Unterricht im Klassenzimmer in der Thölauer Straße gegen das Leben in der Innenstadt. Im Parkhaus des Kösseine-Einkaufszentrums verwandelten sich dabei Schüler in Rollstuhlfahrer, einen sehbehinderten Fußgänger und einen motorisch eingeschränkten Menschen mit Rollator.

Als Blinder einkaufen

Die so „eingeschränkten“ Schüler wurden von ihren Mitschülern beim Einkauf in den verschiedensten Geschäften des Einkaufszentrums KEC und der Innenstadt begleitet und betreut. Sie mussten verschiedene Aufträge erfüllen – vom Einkauf einer Glückwunschkarte als Blinder über den Lebensmitteleinkauf als Rollstuhlfahrer, bis hin zum einfachen „Shoppen“ mit Rollator in verschiedenen Geschäften.

Dabei ergaben sich Gespräche mit zahlreichen interessierten Passanten, die auf die Aktion aufmerksam geworden waren. Die Schüler und Lehrkräfte thematisierten daraufhin das Aufgabenfeld eines Heilerziehungspflegers, das Begleitung und Unterstützung von körperlich und geistig eingeschränkten Menschen jeden Alters umfasst.

Viele Fragen

Drängende Fragen für die angehenden staatlich anerkannten Heilerziehungspfleger vor Beginn der Exkursion waren unter anderem: Wie wird man wahrgenommen und angesprochen, wenn man im Rollstuhl sitzt? Wie kann ich einen Ausflug für Menschen mit Einschränkungen sinnvoll und sicher planen und durchführen? Wie unterstütze ich, ohne zu viel zu helfen? Wie orientiere ich mich? Wie überwinde ich bauliche, soziale und emotionale Hürden? Die Schüler hatten zuvor im Unterricht kleine Topfpflanzen vorbereitet, die sie bei der Exkursion als Dankeschön in den Geschäften und unter der Bevölkerung verteilten.

Die künftigen Heilerziehungspfleger machten an diesem Tag viele wichtige Erfahrungen; nun können sie im Umgang mit den eingeschränkten Betreuten auf eigene Erkenntnisse zurückgreifen und diese besonderen Menschen und ihre speziellen Situationen im Leben noch besser verstehen. Der theoretische Unterricht, von Psychologie bis Medizin, wurde mit dieser Aktion durch praktisches Tun untermauert. Das Miteinander-Leben und alle Menschen ganzheitlich zu sehen, stand an diesem Tag im Mittelpunkt der Überlegungen. red

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