Protestaktion gegen Rechtsextremismus Wunsiedel bleibt bunt

Auf dem Marktplatz in Wunsiedel fand die Hauptveranstaltung mit Rede- und Musikbeiträgen statt. Foto: /Florian Miedl

In der ganzen Stadt verteilt fanden am Samstag Kundgebungen und Protestaktionen statt. Die Wunsiedler setzten damit ein Zeichen gegen Rechtsextremismus.

Wunsiedel - Wunsiedel ist bunt. Und Wunsiedel bleibt auch bunt. Das haben die Wunsiedler am Samstag Tag unter Beweis gestellt. Das nasskalte Wetter hielt die Bürger nicht davon ab, sich überall zu versammeln. Vor allem auf dem Marktplatz war im Rahmen der Protestveranstaltung „Wunsiedel ist bunt“ einiges los. Der Protest richtete sich gegen die Versammlung der rechtsextremen Splitterpartei „Der dritte Weg“. Als „ein starkes Signal im Kampf gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus“ beschrieb Bürgermeister Nicolas Lahovnik (CSU) die Aktion, zu deren vielen Akteuren auch das Luisenburg-Gymnasium (Lugy) gehörte: „Wir machen uns stark gegen Hetze, gegen jede Art der Lüge, gegen Fremdenhass“, sagte Markus Thoma, Sozialkundelehrer, als er eine Kundgebung vor dem Eingang der Schule eröffnete. Um ihn herum hörten ihm zahlreiche Schüler mit Protestschildern, die die Aufschrift „Wunsiedel ist bunt“ trugen, zu. Die Schilder hatten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Politik gebastelt. „Jeder zieht mit und setzt ein wichtiges Zeichen gegen Rechtsextremismus“, sagte dazu Schülersprecherin Celina Krauß.

Kundgebungen und Friedensandachten

Zeitgleich mit der Aktion vor dem Gymnasium starteten auch Friedensandachten in der Friedhofskirche, in der katholischen Kirche und in der Ruine auf dem Katharinenberg. Zudem versammelten sich bürgerliche Kräfte am Obelisken am Hackerplatz. Nach den Kundgebungen und Friedensandachten führten mehrere Protestzügen zum Marktplatz, wo die Hauptveranstaltung über die Bühne ging. „Heute heißt es: Flagge zeigen gegen braune Gesinnung. Es ist wichtig, dass wir dieses Fest der Demokratie feiern“, sagte Bürgermeister Lahovnik auf der Bühne vor dem Rathaus. Es mache ihn stolz, wie sehr sich die Bürger gegen rechtes Gedankengut einsetzen. Ein Lob sprach er auch für die Organisatoren aus: „Das Netzwerk ‚Wunsiedel ist bunt’ hat bewiesen, dass man auch unter Corona-Bedingungen ein hervorragendes Programm auf die Beine stellen kann.“

Wunsiedel ist laut

Svenja Faßbinder, eine Sprecherin von „Wunsiedel ist bunt“, zeigte sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Wir haben die ganze Sache schon seit mehreren Monaten geplant. Vor allem freut es mich, dass so viele Leute hier freiwillig eine Maske tragen und, so gut es geht, auf die Abstände achten.“ Bei den rund 450 Menschen, die am Samstag insgesamt an dem Fest für die Demokratie teilnahmen, war das nicht immer einfach. Wunsiedel war am Samstag aber nicht nur bunt, sondern auch laut: Die beiden Bands „Kein Gerede“ und die „Offenders“ spielten auf der Marktplatz-Bühne und sorgten für Stimmung. Auch wenn sich das Feld gegen Ende etwas lichtete, gerade zu Beginn war der Marktplatz prall gefüllt. Es gab dort, neben dem Hauptprogramm auf der Bühne, auch Infostände und viele bunte Aktionen. So konnte man beispielsweise an einem Siebdruck-Workshop teilnehmen, den Stefan Frank mit seinem „Juku-Mobil“ organisierte.

Bedächtiges Ende

Ebenso bedächtig wie auch beeindruckend ging das Programm von „Wunsiedel ist bunt“ zu Ende: Die Schauspielerin Patricia Litten gestaltete in der Stadtkirche St. Veit eine szenische Lesung aus dem Buch „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“ ihrer Großmutter Irmgard Litten. Das Buch handelt von deren Sohn, dem Rechtsanwalt Hans Litten, der sich nach Jahren der Folter im Jahr 1938 im Konzentrationslager Dachau das Leben nahm. „Es wird an Tagen wie heute noch deutlicher als sonst, dass diese grauenvolle Zeit niemals in Vergessenheit geraten darf“, betonte Patricia Litten am Ende der Lesung.

Ebenfalls gegen die Neonazis hatte an diesem Tag die Antifa demonstriert: Rund 250 Teilnehmer zogen vom Bahnhof Holenbrunn aus in Richtung Innenstadt mit Schleife in den Wunsiedler Norden, wo sie lautstark gegen den dort stattfindenden Neonazi-Umzug protestierten.

Die Stimmung trübte am Abend ein „Heldengedenken“ des „Dritten Wegs“ am Kriegerdenkmal.

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