Radweg Selbitz-Weidesgrün Vom Aufbrechen und vom Bleiben

„Schritt ins Licht“ heißt das Gemälde von Ursula Wirth (links), eine „Blühwiese, die bleibt“, hat Sabine Gebhardt geschaffen (rechts). Dritte Bürgermeisterin Ina Hundhammer-Schrögel (Mitte) freut sich über die Bereicherung. Foto: Harry Kurz

Am Radweg Selbitz-Weidesgrün sind zwei neue Gemälde zum Kunstweg dazugekommen. Der Verein Kunstladen Selbitz will im Herbst weitere Werke aufstellen.

„Das Experiment geht weiter!“ So hat es der Vorsitzende Harry Kurz ausgedrückt bei der Eröffnung des zweiten Teils des Kunstweges am Radweg Selbitz-Weidesgrün. Das Experiment: Mit Unterstützung der Stadt hat der Verein „Kunstladen Selbitz“ Kunstwerke seiner Mitglieder direkt am Radweg positioniert. Die sollen langfristig stehenbleiben und müssen sich behaupten in Wind und Wetter – auch bei Herbststurm, Regen, Hitze, Kälte, Eis und Schnee. Zu den im Mai aufgestellten Werken (wir berichteten) sind nun zwei weitere dazugekommen; sie wurden eigens für diesen Platz gemalt.

Ursula Wirth berichtete von dem intensiven Schaffensprozess, der zu dem Gemälde „Schritt ins Licht“ geführt hat. Zu sehen sind, auf gleißend gelbem Grund und in abstrahierter Malweise, zwei Figuren, die ausschreiten. Das Motiv war der Malerin allerdings keineswegs von Anfang an klar. Das Thema Frieden bewegte sie, aus aktuellem Anlass, und das Thema Aufbruch: „Sich aufzumachen ist ein Schritt zum Frieden hin“, erklärte sie, „denn nur wenn beide Seiten bereit sind, sich aufzumachen und von den bisherigen Standpunkten abzurücken, kann Frieden entstehen.“ Zunächst schrieb sie das Wort „Frieden“ auf die Bildplatte – mit allen 49 Farben, die sie hat und in 49 Sprachen. In die nasse Farbe malte sie Abstraktes hinein, drehte das Bild, spritzte Farben auf, ließ die Farbe fließen, Linien entstanden; sie sah zu, was geschah: „Die Suche ging weiter.“ Und dann: „Auf einmal habe ich gesehen, da ist jemand unterwegs.“ Mit einem Kohlestift zeichnete sie nun in das Bild hinein und holte das Motiv heraus. Aus einer gemalten Friedenstaube, die ihr dann nicht zusagte, entstand ein Objekt am linken oberen Bildrand, darunter ein anderes, rundes. „Das hat etwas Göttliches für mich.“ Es symbolisiere Schutz und Wärme. Sie übermalte den Bildhintergrund in leuchtendem Gelb. Ursula Wirth selbst sieht durch diesen Schaffensprozess im Bild „das viele Friedensbunt darin“, das Gezogen-werden ins Licht, eine Hoffnungsbotschaft. Sie hofft, dass die Nutzer des Radweges bewusst innehalten und die Bilder betrachten, die genau gegenüber der überdachten Sitzgruppe stehen.

Während der „Schritt ins Licht“ das Aufbrechen zu Neuem hin thematisiert, setzt das zweite Gemälde einen Kontrapunkt: Die „Blühwiese, die bleibt“ will als Bild etwas festhalten, was nicht mehr da ist. Wie Sabine Gebhardt erzählte, befand sich im vergangenen Jahr genau hier an dieser Stelle, am Rand des Ackers, auf dem zu der Zeit Mais wuchs, ein Blühstreifen mit vielen bunten Blumen, der nicht nur ein Lebensraum für Insekten war, sondern auch eine wunderschöne Augenweide für die Menschen. So entstand der Gedanke, eine derartige Blühwiese zu malen, die an genau dieser Stelle verbleibt, auch wenn sich die Umgebung rundherum im Lauf der Jahreszeiten verändert. Auf dem Gemälde recken viele Margeriten und andere Blumen ihre Blüten in den blauen Himmel.

Ina Hundhammer-Schrögel, dritte Bürgermeisterin von Selbitz, freut sich über die Bereicherung für die Menschen, die den Radweg nutzen. „Die Bilder sind ein Anlass, innezuhalten und sie anzuschauen, sich Gedanken dazu zu machen. Und dabei nimmt man auch die Umgebung, die schöne Landschaft am Radweg, intensiver wahr, denn man guckt dann ja nicht nur auf die Bilder“, merkte sie an.

Über QR-Codes an der Beschriftung der Bilder kann der interessierte Betrachter Informationen zu den Gemälden und zu den Malerinnen finden.

Im Herbst, so ist es geplant, sollen zum Kunstweg am Radweg noch weitere Werke dazukommen.

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