Regierung Behindertenbeauftragter: Langer Weg zur Barrierefreiheit

Ein Hinweis für Rollstuhlfahrer ist an einer Zufahrt angebracht. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Dass Rollstuhlfahrer bei Treppen vor Problemen stehen, ist offensichtlich. Andere Barrieren fallen oft weniger auf, schließen Menschen mit Behinderung aber ebenfalls von der Teilhabe aus. Bayerns Behindertenbeauftragter hat deshalb einiges vor - und braucht Geduld.

 
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München (dpa/lby) - Nach Einschätzung des bayerischen Behindertenbeauftragten Holger Kiesel ist es im Freistaat noch ein weiter Weg bis zur Barrierefreiheit. "Wir haben gemerkt, dass die Barrieren, die Menschen im Alltag behindern, weit über Schwellen und Treppenstufen hinausgehen", sagte der in dieser Woche erneut ernannte 48-Jährige der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). Seh- oder hörbehinderte Menschen etwa seien häufig von Kommunikation ausgeschlossen. Ein Beispiel: "Im Internet bräuchte es für die einen mehr Bildsprache, für die anderen mehr akustische Signale." Andere Menschen seien auf leichte Sprache angewiesen.

In der kommenden Legislaturperiode will sich Kiesel besonders für das - im Koalitionsvertrag vereinbarte - bayerische Gehörlosengeld einsetzen. "Gehörlose Menschen brauchen im Alltag häufig Dolmetscher, beim Arzt, in der Bank, überall. Diese Kosten übernimmt oft niemand." Außerdem bräuchte es wie im Bund und anderen Ländern eine Schlichtungsstelle für Menschen mit Behinderung, die sich benachteiligt oder diskriminiert fühlen. "Ohne diese Stelle landen viele dieser Streite vor Gericht", erläuterte Kiesel.

Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte vor zehn Jahren versprochen, Bayern werde bis 2023 komplett barrierefrei sein. "Zehn Jahre waren für einen solchen Prozess eine viel zu ehrgeizige Vorgabe", bilanzierte Kiesel nun. Trotzdem sei die Vorgabe hilfreich gewesen. "Das hat einiges angestoßen", auch das Bewusstsein sei gewachsen. Allerdings habe er auch lernen müssen, dass der Weg zur Barrierefreiheit kein kontinuierlicher Prozess nach vorne sei, bedauerte Kiesel. "Behindertenpolitik gerät in großen Krisen, oder auch wenn das Geld knapp ist, schnell in den Hintergrund."

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