Regionalsport Bifano vor Re-Start: "Es ist einfach wie verhext"

Nachdenklich ob der vielen Verletzten: Fulvio Bifano, sportlicher Leiter der SpVgg Bayern Hof. Foto: Mario Wiedel

Die Verletztenmisere erschwert für den Fußball-Bayernligisten SpVgg Bayern Hof den Re-Start. Sportlicher Leiter Fulvio Bifano sieht daher auf den neuen Trainer Roman Pribyl eine brutal schwere Aufgabe zukommen.

Herr Bifano, nach gut zweimonatiger Vorbereitung geht es nun endlich auch für die SpVgg Bayern Hof los. Sie müssen in der Qualifikation zum Verbandspokal beim Ligakonkurrenten FC Eintracht Bamberg antreten. Wie sehr freuen Sie sich auf das erste Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Roman Pribyl?

Es wird wirklich Zeit, dass es losgeht. Auch Spieler und Trainer freuen sich wahnsinnig darauf. Sie waren alle natürlich enttäuscht, dass wir am vergangenen Wochenende nicht spielen konnten. Das hat man auch am Samstagvormittag bei einer kurzfristig angesetzten weiteren Trainingseinheit gespürt. Da war überhaupt keine Spannung drin. Aber das hat sich jetzt in dieser Woche deutlich geändert. Die Mannschaft ist heiß.

Die Absage am vergangenen Wochenende dürfte Ihnen doch aufgrund der zahlreichen Verletzten gar nicht so ungelegen gekommen sein?

Ich bin da zweigeteilt. Nach so einer langen Vorbereitung will jeder spielen. Klar, haben wir viele Verletzte, aber die kommen alle ohnehin nicht so schnell zurück. Von daher fehlen sie auch beim Nachholtermin, sollte das Spiel heuer noch angesetzt werden.

Ausschlaggebend für die Absage war ja laut Geschäftsführer Achim Schubert, dass sich der Verein nicht in der Lage sah, das straffe Hygienekonzept auf die Schnelle umzusetzen. Aber spätestens am Freitag hätte die Partie dann ohnehin abgesagt werden müssen, weil sich einer Ihrer Spieler wegen eines Corona-Verdachts in Quarantäne begeben musste.

Das ist richtig. Mittlerweile liegt das Testergebnis vor, und das war negativ. Dennoch muss sich der Spieler erneut einem Test unterziehen und laut Anordnung des Gesundheitsamts bis 30. September in Quarantäne bleiben. Denn er gehört zu einer Kulmbacher Berufsschulklasse, in der ein Corona-Fall aufgetreten ist.

Also ein weiterer Ausfall?

Leider. Es ist einfach wie verhext. In dieser Woche hat sich dann auch noch Andreas Knoll krank gemeldet. Er wird am Samstag in Bamberg nicht spielen können, ebenso wie die Langzeitverletzten Kyndl, Drewanz, Wild und Frey. Zu allem Überfluss hat sich Marian Schubert die Rippe gebrochen. Und unser Neuzugang aus Plauen, Samba Fatajo, ist noch nicht spielberechtigt, weil die erforderliche Aufenthaltsgenehmigung noch nicht vorliegt.

Aufgrund der langen Verletztenliste ist es für die SpVgg Bayern Hof vielleicht gar nicht schlecht, dass nicht gleich ein Punktspiel, sondern erst ein Pokalspiel ansteht.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist mir das wirklich egal. Die Hauptsache ist, wir spielen, um in den Rhythmus zu kommen. Das Pokalspiel in Bamberg ist für uns ein Pflichtspiel. Deshalb gehen wir es genauso an wie ein Punktspiel. Es ist auf alle Fälle ein guter Härtetest für das erste Spiel nach der lange Pause in der Bayernliga.

In die erste Pokal-Hauptrunde einzuziehen, wäre doch durchaus reizvol l?

Klar, deshalb werden wir uns in Bamberg auch mächtig ins Zeug legen.

Wie viele Punktspiele stehen denn heuer überhaupt noch an?

Für uns sind es zunächst drei, weil wir einmal spielfrei sind. Allerdings wissen wir noch nicht, ob und wie viele Nachholspiele noch dazukommen. Am 3. Oktober sind wir bei Viktoria Kahl zu Gast, dann müssen wir am 17. Oktober, nach Eltersdorf und am 20. Oktober kommt Vilzing. Das ist dann quasi das erste Heimspiel nach fast einjähriger Pause.

Zwar haben Sie in den vergangenen Wochen mit Danny Wild und Andreas Knoll zwei richtig gute Neuzugänge an Land gezogen, aber durch zahlreiche Abgänge hat Ihr Kader an Qualität verloren. Warum hat der Verein bis auf Matej Kyndl alle tschechischen Spieler, die bislang zu den Leistungsträgern zählten, ziehen lassen?

Man muss berücksichtigen, dass hier eine Personalie eng mit der anderen zusammenhängt, vor allem, wenn es um Fahrgemeinschaften geht. Und natürlich muss man das Ganze auch aus finanzieller Sicht betrachten. Wir haben, wie betont, seit fast einem Jahr kein Heimspiel mehr gehabt. Da fehlen dem Verein jede Menge Einnahmen. Aufgrund der Corona-Krise gab es zudem überhaupt keine Planungssicherheit im Sommer. Wir wussten nicht, ob wir heuer überhaupt nochmals vor Zuschauern spielen werden. Das sind alle Aspekte, die man mit ins Feld führen muss.

Halten Sie Ihren Kader noch für Bayernliga-tauglich?

Klar. Wenn alle Mann fit wären und wir vielleicht nur einen oder zwei Ausfälle hätten, wäre mir überhaupt nicht bange. Aber das Verletzungspech setzt uns mächtig zu. Wir sind uns alle völlig im Klaren darüber, dass unser Ziel heuer nur Klassenerhalt heißen kann. Aufgrund der Verletzten ist das für unseren neuen Trainer Roman Pribyl eine brutal schwere Aufgabe. Ihm fehlen derzeit vier unserer fünf Stürmer. Aber wir müssen jetzt das Beste aus der Situation machen. Zum Glück haben wir in diesem Jahr nicht mehr allzu viele Punktspiele. Und dann gibt es ja auch noch eine restliche Rückrunde im neuen Jahr, die wir dann hoffentlich ganz anders angehen können.

Sie schielen also schon jetzt auf die Winterpause, um gegebenenfalls auch nochmals nachlegen zu können.

Auch wir werden die Situation immer wieder aufs Neue bewerten. Dass heuer nicht mehr so viele Punktspiele ausgetragen werden, kommt uns sicher entgegen.

Wann rechnen Sie denn damit, dass die Verletzten zurückkommen?

Es sind halt alles Verletzungen, die sich nicht so schnell auskurieren lassen: der Mittelfußbruch von Yannick Frey, der Kreuzbandanriss von Matej Kyndl, die Einblutung von Danny Wild, die vier Wochen oder auch noch Monate dauern kann und der Bänderriss von Cedrik Drewanz. Auch er wird uns mindestens vier bis sechs Wochen fehlen. Alles Jammern hilft aber nichts, alle müssen zusammenlangen und da muss auch eine außergewöhnliche Hilfeleistung von außen, also von uns allen kommen.

Der Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz beträgt gerade noch ein mageres Pünktchen. War da die Personalplanung vielleicht nicht doch ein bisschen zu blauäugig? In der Bayernliga größenteils auf die eigene Jugend zu setzen, ist auch mit einem gewissen Risiko verbunden.

Nochmals: Der Kader war unserer Meinung nach stark genug. Es war ja schließlich nicht vorhersehbar, dass so viele Spieler ausfallen. Und es sind durchweg Spieler, die Anspruch haben auf die erste Elf. Und vor allem die Offensiv-Positionen kann man - auch vom finanziellen Rahmen her - nicht doppelt und dreifach besetzen.

Wer von den Jungen hat sich denn in der Vorbereitung besonders hervorgetan?

Cedrik Drewanz hat sich sehr gut gemacht, ist aber jetzt leider wieder verletzt. Auch Hüseyn Durkan und Simon Kasper haben eine sehr gute Entwicklung genommen. Aber wir müssen abwarten, was im Wettkampfmodus passiert, wenn es in der Mannschaft vielleicht nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Wir dürfen unsere blutjunge Mannschaft jedenfalls jetzt nicht mit irgendwelchen unrealistischen Zielen belasten.

Mit Felix Voigt, der zuletzt beim 1. FC Nürnberg bei den A-Junioren gespielt hat, hätten Sie einen talentierten Spieler aus der Region bekommen können. Warum ist der Transfer nicht zustande gekommen? Man hört immer wieder, dass von Hofer Seite mit Felix Voigt nie richtig über einen Wechsel geredet worden ist?

Das ist doch überhaupt nicht wahr. Felix Voigt hat bei uns mehrmals mittrainiert. An einem Montag Anfang August waren auch zwei Herren des Beirats vor Ort. Wir haben uns gemeinsam das Training angeschaut. Danach bin ich zu Felix hin, habe ihn gefragt, ob es ihm Spaß macht und er bereit wäre, für uns zu spielen. Er hat das bejaht. Dann haben wir uns über die Konditionen unterhalten, uns schnell geeinigt und auch in Corona-Zeiten die Hand darauf gegeben. Damit war der Fall für uns durch. Am übernächsten Tag war wieder Training. Da hat mich der Spieler anderthalb Stunden zuvor angerufen und mir mitgeteilt, dass er sich dafür entschieden habe, nach Rostock zu gehen.

Wer ist Ihrer Meinung nach der Favorit in der Bayernliga?

Für mich ist Eltersdorf der klare Favorit. Die haben sich auch richtig gut verstärkt und am Wochenende mit einem 5:0-Sieg ihre Ambitionen deutlich untermauert.

Letzte Frage: Wie haben Sie das einige Wochen lang andauernde Wechseltheater mit Kickers Selb empfunden?

Ich bin ja schon lange genug im Geschäft, habe solche Dinge schön öfter erlebt. Für mich war von Anfang an klar, dass es im Endeffekt zu einer Einigung kommen wird.

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