Regionalsport Die Ampel steht weiter auf Rot

Die Ampel steht weiter auf Rot Quelle: Unbekannt

In den bayerischen Amateurklassen dürfen nach wie vor keine Fußballspiele vor Zuschauern stattfinden. Der Ministerrat hat die geltenden Beschränkungen zunächst bis 18. September verlängert.

München/Hof - Dass Bayerns Amateurfußballer heuer nochmals vor Zuschauern gegen den Ball treten dürfen - diese Hoffnung der rund 4500 Vereine im Freistaat hat gestern einen erneuten Dämpfer bekommen. Noch am Abend wollte sich der Vorstand des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) mit der neuen Situation beschäftigten und am heutigen Mittwoch die Ergebnisse bekanntgeben. Bleibt der BFV bei seiner bisherigen Marschroute, den Vereinen vor dem Restart einen Vorlauf von zwei Wochen zu geben, dürfte klar sein, dass vor Oktober nichts geht. Und ob es Sinn macht, die Serie im Oktober fortzusetzen - mal abwarten, was die BFV-Führung entscheidet.

"Enttäuschend, aber leider nur wenig überraschend" ist es für BFV-Präsident Rainer Koch, dass sich der Ministerrat in seiner gestrigen Sitzung nicht zum Thema Breitensport oder zu Rahmenbedingungen für die Wiederaufnahme des Wettkampf-Spielbetriebs geäußert hat. Die Staatsregierung sei damit auch nicht auf die Forderungen BFV nach Erlaubnis des Wettkampfspielbetriebs und Gleichbehandlung mit Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel eingegangen, schreibt Koch auf Facebook.

In einem offenen Brief an seine über 4500 Mitgliedsvereine und die dort mehr als 1,6 Millionen organisierten Fußballer(innen) hatte der BFV, wie berichtet, am 21. August zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie informiert und offen dargelegt, dass der Verband als Interessensvertreter seiner Klubs die Grundlage für einen Re-Start im September 2020 gelegt hat. Dem zuständigen Innen-Ministerium hatte der BFV bereits am 13. August 2020 ein entsprechend detailliert ausgearbeitetes Hygiene-Musterkonzept für einen Re-Start mit einer begrenzten Anzahl an Zuschauern - wie sie beispielsweise bei kulturellen Freiluft-Veranstaltungen in Bayern ausdrücklich erlaubt sind - vorgelegt.

BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der im Vorstand für den Spielbetrieb verantwortlich ist, zeigte sich tief enttäuscht, dass es weiterhin verboten ist, Wettkampfspiele zu bestreiten. "Das die bittere und nüchterne Realität, die nicht nur bei uns, sondern vor allem bei unseren Vereinen zurecht für großen Frust sorgt. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, sehr frühzeitig der Politik Wege aufgezeigt, wie wir uns - unter Einhaltung aller möglichen Schutzmaßnahmen - einen Re-Start vorstellen", erklärt ein sichtlich geknickter Faltenbacher im Gespräch mit unserer Zeitung. "Niemand kann uns aktuell die Frage beantworten, warum Konzerte im Freien von bis zu 400 Menschen besucht werden dürfen, auf dem Fußballplatz aber nicht einmal Wettkampfspiele möglich sind", bringt er wenig Verständnis für die Entscheidung der Politik auf. Erst am vergangenen Sonntag habe der BFV in einem Schreiben nochmals sehr klar auf diese faktische Ungleichbehandlung hingewiesen und dabei deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es hierbei nicht um eine Sonderrolle für den Amateurfußball geht, sondern vielmehr darum, Gleichheit herzustellen.

Zu der Frage, wie es nun weitergeht und ob zumindest ab Oktober gespielt werden kann, wollte Faltenbacher der Entscheidung des BFV-Vorstandes nicht vorgreifen. "Wir sind nicht unvorbereitet, haben auch für den jetzt leider eingetretenen Fall einen Weg. Den gilt es jetzt aber zunächst noch auf ein breites Fundament zu stellen", bat er um Verständnis, erst die Beschlüsse im Vorstand abzuwarten. Ungeachtet dessen richtet der Waldsassener deutliche Worte an die Staatsregierung: "Ich fühle mit jedem, der aktuell in einem Verein ehrenamtlich tätig ist oder der dort Fußball spielt. Unsere Vereine brauchen eine Planungssicherheit und wollen von der Politik nicht von Woche zu Woche vertröstet werden oder gar ganz links liegen gelassen werden."

Wäre es nicht sinnvoll, den Re-Start gleich auf das Frühjahr 2021 zu verschieben? Dazu der BFV-Schatzmeister: "Wer sagt uns, dass die bayerische Staatsregierung im Frühjahr 2021 grünes Licht gibt? Fakt ist, dass unsere Entscheidung, die Saison nicht abzubrechen, sondern zu unterbrechen, von Weitsicht geprägt war. Denn dann stünden wir jetzt vor einer neuen Saison, von der wir wissen, dass sie zeitlich gar nicht machbar ist."

Autor

 

Bilder