Rehau Die ersten Tiere auf der Brücke

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Vor allem Füchse und Hasen nehmen den neuen Übergang über die A 93 bereits an. Um genauere Ergebnisse zu bekommen, stellt die Autobahndirektion bald Fotofallen auf.

Spuren im Schnee zeigen, dass vereinzelt Tiere wie Hasen die Grünbrücke über die A 93 südlich von Rehau nutzen. Noch sind die Arbeiten an der Wildtier-Brücke nicht ganz abgeschlossen: Die Bepflanzung fehlt noch. Foto: Miedl

Rehau - Seit im Herbst die Baufahrzeuge aus dem Rehauer Forst verschwunden sind, scheint die neue Grünbrücke über die A 93 etwas verloren dazustehen; doch noch ist der Übergang für Wildtiere nicht ganz fertig: Der Feinschliff, vor allem die Bepflanzung und die Infrarotkameras für Tieraufnahmen, fehlt noch. Sobald der Boden nicht mehr gefroren ist, sollen die Arbeiten der Autobahndirektion und des Landesamtes für Umwelt weitergehen.

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Der Bau der Grünbrücke - sie ist bislang die einzige in Oberfranken - hat sich um einiges verzögert: Ursprünglich hatte die Regierung von Oberfranken die Fertigstellung im November 2010 angekündigt. Laut der Autobahndirektion in Bayreuth waren zu diesem Zeitpunkt aber die Planungen und Ausschreibungen noch nicht fertig. Startschuss für die Bauarbeiten war im März 2010, fertig sein sollten Brücke und Schutzwände dann Mitte 2011. Tatsächlich abgeschlossen war der Bau aber erst im Herbst 2011. Grund für die Verzögerung waren laut der Autobahndirektion unter anderem Probleme bei den Gründungsarbeiten; ein Widerlager habe geändert werden müssen.

Hintergrund für den Bau von Grünbrücken in Bayern sind Pläne der Staatsregierung, die jahrhundertealten Wanderwege von Wildtieren wieder herzustellen. Dazu haben die Experten erforscht, welche Routen zum Beispiel Rotwild und Luchse ursprünglich nutzten. Die A 93 im Rehauer Forst durchschneidet die Wanderwege der Tiere vom Erzgebirge von und Tschechien ins Fichtelgebirge. Dass hier tatsächlich viel Wild unterwegs ist, zeigt sich auch daran, das entlang der Autobahn Wildschutzzäune angebracht sind.

Der Korridor für die Wildtiere zwischen Rehau und Schönwald ist mit wenigen Kilometern relativ schmal. Für die Experten ist die Grünbrücke hier deshalb besonders sinnvoll, wie Manfred Wölfl vom Landesamt für Umwelt (LfU) erklärt. Wölfl ist überzeugt, dass die Tiere die Brücke nutzen werden; gerade Rotwild sei sehr lernfähig und gebe Traditionen wie Wanderrouten an die Nachkommen weiter. Gelangen Wildtiere an einen Schutzzaun, laufen sie laut Wölfl oft daran entlang. So können sie den neuen Übergang erreichen.

Das LfU erarbeitete im Auftrag der Staatsregierung das Konzept für die Wiederherstellung bedeutsamer Wildtier-Korridore in Bayern. Der Rehauer Forst stand auf der Prioritätenliste weit oben. Mittel aus dem Konjunkturpaket II ermöglichten das 4,3-Millionen-Euro-Projekt.

Und obwohl die Bepflanzung noch fehlt, nehmen einige Tiere den Übergang schon an, wie gerade jetzt im Winter an Spuren im Schnee zu erkennen ist. Vor allem Füchse und Hasen passieren die Brücke, wie Michael Grosch von den Bayerischen Staatsforsten beobachtet. "Wir sind zwar noch in der Anfangsphase", sagt der Forstbetriebsleiter. "Aber die Brücke wirkt nicht abschreckend, die Tiere halten sich dort auf und gehen auch hinüber." Spuren im Schnee reichen den Experten freilich nicht aus, um zu erforschen, welche und wie viele Tiere die Brücke nutzen. Deshalb sollen in den nächsten Wochen Infrarotkameras für Tieraufnahmen aufgestellt werden, wie Yvonne Funkhauser von der Autobahndirektion Nordbayern ankündigt. Im Herbst soll die Brücke mit heimischen Bäumen und Sträuchern bepflanzt werden, um den Tieren einen geschützten Übergang zu ermöglichen, erklärt Funkhauser. "Die Brücke wird den Charakter einer Lichtung bekommen." Die Tiere sollen den Übergang nicht als Brücke wahrnehmen, sondern als Teil des Waldes. Damit das klappt, werden Bäume und Sträucher so gepflanzt, dass sie die Tiere auf die Brücke und an den Fotofallen vorbeilotsen.

Und wer weiß: Vielleicht gelingt den Experten damit irgendwann ein Foto von einem Luchs. Obwohl das Jahre dauern könnte, wie Manfred Wölfl erklärt: "Das wäre wie ein Sechser im Lotto." Bislang gibt es seinen Worten zufolge keinen handfesten Beweis für die Existenz des Luchses im Rehauer Forst.

Im Frühjahr soll es für Interessierte eine Führung zur Grünbrücke geben, kündigt Forstbetriebsleiter Michael Grosch an. Bis dahin sollten Spaziergänger nicht auf dem Bauwerk herumlaufen, mahnt er, sondern den Fußgängerübergang daneben benutzen. "Wir wollen, dass die Grünbrücke ein Ort der Ruhe für die Tiere ist."

Die Brücke wird den Charakter einer Lichtung bekommen.

Yvonne Funkhauser, Autobahndirektion


Projekt

Das Konzept für die Grünbrücke an der A 93 hat das Landesamt für Umwelt im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums erstellt. Das 4,3-Millionen-Euro-Projekt im Rehauer Forst wird im Rahmen des Konjunkturpaketes II verwirklicht. Im Herbst 2012 soll die Brücke endgültig fertig sein: Dann pflanzen die Experten Sträucher und kleinere Bäume auf dem Wildtier-Übergang.