Rehau Eldorado - nicht nur für Schrauber

Von Lisbeth Kaupenjohann

Draisendorf - Ein idyllisches Dorf: Obstbäume blühen, in den Gärten wird gearbeitet. Das Motorrad-Museum sticht kaum hervor aus dem ländlichen Ambiente. Ein Wohnhaus, ein Anbau mit Garagen, ein Schuppen - und vor der Tür eine nostalgische Uhr, deren Ziffernblatt ein Motorrad ziert.

Draisendorf - Ein idyllisches Dorf: Obstbäume blühen, in den Gärten wird gearbeitet. Das Motorrad-Museum sticht kaum hervor aus dem ländlichen Ambiente. Ein Wohnhaus, ein Anbau mit Garagen, ein Schuppen - und vor der Tür eine nostalgische Uhr, deren Ziffernblatt ein Motorrad ziert. Damit die Leute das Museum auch finden. Jeden Sonntag im Monat rund ums Jahr ist es von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nach Vereinbarung führt Günther Mühl Interessenten auch an Wochentagen durch die Räume.

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Am Sonntag, 2. Mai, gibt es eine Sonderausstellung - die erste von sechs in diesem Jahr. Sie ist der Marke Kreidler gewidmet. So an die sieben Mopeds werden zu sehen sein, dazu diverses Beiwerk wie Kleidung, Schnittmodelle "und was sich in den Ecken noch so findet", wie Mühl sagt. Nicht, dass er die Maschinen aus der ständigen Ausstellung holt. In der Scheune bewahrt er auf, was er für die Extra-Schau brauchen kann. "Das ist etwas für Spezialisten", sagt er. "Oder für Neugierige, die sehen wollen, ob es sich nicht vielleicht um ihre alte Maschine handelt. Die meisten Stücke stammen aus der Umgebung."

Sattel zum Aufpumpen

Dann führt er - vorbei an einer Sammlung von Sachs-Motoren - die Treppe hoch. Über den Garagen findet sich der Besucher inmitten von rund 80 Zweirädern wieder. Mopeds und Motorräder zumeist. Aber auch ein paar Fahrräder, zum Teil mit Hilfsmotor, sind darunter. Schließlich hat alles mit dem Fahrrad angefangen.

Der alten "Mars" ist das auch noch deutlich anzusehen, trotz der 302 ccm und immerhin vier PS. 1905 wurde das gute Stück - das älteste in Mühls Sammlung - in der Fahrrad- und Ofenfabrik Nürnberg gefertigt. Ein bisschen seltsam muten der freiliegende Flachriemen und der Lederkoffer hinten drauf schon an. "Aber bequem saß man früher auf den alten Maschinen", sagt Mühl. Er zeigt auf ein Opel-Motorrad, dessen Sattel man individuell aufpumpen konnte - eines seiner Lieblingsstücke.

Überhaupt ist Günther Mühl, der selbst Zweiräder gefahren und Geländesport betrieben hat, der Überzeugung, dass es früher mehr Vielfalt gegeben hat. "Man findet heute nichts wirklich Neues auf dem Markt, alles ist schon mal dagewesen." Viele Besucher, vor allem die Beifahrerinnen, klagten über mangelnden Sitzkomfort bei den modernen Motorrädern. Und herumschrauben könne man auch kaum mehr an den Maschinen - viele Reparaturen seien nur noch für teures Geld in der Werkstatt ausführbar.

Viel Zulauf nach der Wende

Mühls erstes eigenes Moped ist auch in der Ausstellung zu sehen, ein "Durkopp Fratz". Sogar der Kaufvertrag liegt noch vor. 16 Jahre war er damals jung. Zwei Jahre später kam das erste Motorrad. "Die Nachbarn haben sich immer beschwert, wenn ich daran herumgeschraubt habe, weil es so laut war und gestunken hat", erinnert er sich. Gelegentlich setzt sich der 70-Jährige auch heute noch auf eine seiner Maschinen aus den 50er-Jahren und fährt ein bisschen spazieren.

Vor 30 Jahren hat er angefangen, Maschinen und Zubehör zu sammeln. Vor allem deutsche Fabrikate. "Nach der Grenzöffnung wollten viele ihre alten Zweiräder verkaufen", erzählt er. Und auch so kämen immer mal Leute vorbei, die gerade ihren Dachboden oder Keller entrümpelt haben und ein gutes, altes Stück im Museum besser aufgehoben sehen.

Technisch interessant ist zum Beispiel der Fahrradhilfsmotor, den Karl Abicht aus Hof vom Zwei- zum Viertakter umgebaut hat. Die Erben überließen ihn dem Sammler.

Was es sonst noch alles zu sehen gibt? Radios, die man abmontieren und zum Picknick oder mit heimnehmen konnte. Werbetafeln, die auf längst verschwundene Fachbetriebe aus der Region verweisen. Dazu jede Menge Karbidlampen, Klingeln und Hupen, Radios, Spielzeugautos und vieles andere mehr, auch Näh- und Schreibmaschinen der Marken Zündapp oder Triumph. Ein Sammelsurium, das auch den Laien fasziniert - und Arbeit macht. "Man hat immer was zu tun", sagt Günther Mühl. "Aber wenn's Spaß macht . . ."