Rehau Realschüler erlaufen 18 000 Euro

Was kann man tun in Anbetracht der Bilder aus der Ukraine? Die Realschule Rehau hat beschlossen, Spenden zu sammeln – und war erfolgreich. Foto: /privat

Spenden für die Ukraine: 450 Rehauer Schüler laufen und schwimmen – und lassen sich für jede Bahn und Runde sponsern. Wie stark die Schulfamilie ist, haut am Ende selbst die beiden Initiatorinnen um.

In der letzten Märzwoche haben die Rehauer Realschüler etwa 700 Kilometer zurückgelegt. 450 Schüler haben 6207 Runden in ihrer Turnhalle gedreht beziehungsweise Bahnen im Rehauer Hallenbad geschwommen – alles in 15 Minuten während ihres Sportunterrichts. Und sie haben sich Sponsoren gesucht, die Geld locker machen für jeden geleisteten Meter. Drei Wochen lang hat das sportlich-karitative Mammutprojekt nun die Schulfamilie der Markgraf-Friedrich-Realschule in Rehau umgetrieben – welche Ausmaße es am Ende tatsächlich hatte, ist bis Donnerstagfrüh nur zwei Lehrerinnen und der Sekretärin bekannt gewesen.

„Ich saß daheim vor den Nachrichten und habe mich so hilflos gefühlt bei den Berichten aus der Ukraine – und dann hab’ ich mir überlegt, ob man nicht was machen kann“, erzählt Sportlehrerin Patricia Schneider. Also hat sie ihre Schwester angerufen, Yvonne Heidel, ebenfalls Lehrerin an der Rehauer Realschule. Die beiden haben sich ein Konzept für einen Spendenlauf überlegt, sind bei der Schulleitung offene Türen eingerannt und haben zu planen begonnen. Die Summe, die zusammenkam, haben sie bis zur Lehrerkonferenz am Donnerstagvormittag geheim gehalten – sie hat ihre eigenen Erwartungen weit übertroffen.

„Ich hätte mich nicht getraut, zu hoffen, dass wir 5000 Euro zusammenbekommen“, berichtet Patricia Schneider. Doch schon am ersten der fünf Sporttage sei klar gewesen: Das wird viel mehr. Das System war simpel: Die beiden Lehrerinnen hatten vorgeschlagen, die Schüler während ihres Sportunterrichts entweder laufen oder schwimmen zu lassen – sie hatten ein 15-Minuten-Zeitfenster dafür im Rahmen der regulären Sportstunden vorgegeben. „Damit war klar: Nahezu alle Schüler können mitmachen“, berichtet Patricia Schneider. Und Yvonne Heidel ergänzt: „Wir waren total baff, dass auch Schüler, die krank oder in Quarantäne waren, sich gemeldet haben, um andere zu sponsern.“ Auch einige Lehrer haben die Laufschuhe geschnürt: „Ich bin zum Beispiel auch selbst mitgelaufen, und habe mich von meinen Kindern sponsern lassen“, erzählt Patricia Schneider. Da ging es um eine möglichst große gemeinsame Motivation mit einem hoch gesteckten Ziel. Denn die 120-Meter-Runden und 25-Meter-Bahnen haben die Schüler nicht nur für die eigene Ausdauer in Angriff genommen.

Sie waren aufgerufen, sich Sponsoren zu suchen, die pro Runde einen Betrag zur Verfügung stellen. Im Elternbrief hatten die Lehrerinnen Beträge ab 20 Cent pro Runde vorgeschlagen – doch einzelne Spender legten bis zu zehn Euro pro Runde auf den Tisch. So sind die beiden Initiatorinnen nicht nur ehrlich berührt davon, wie spendabel die Schulfamilie ist – sondern auch davon, wer sich alles dazuzählt.

„Wir hatten den Schülern empfohlen, ihre Eltern und Großeltern zu fragen. Es haben sich aber auch viele Nachbarn, Kollegen oder Chefs der Eltern beteiligt“, erklärt Yvonne Heidel. Und drei externe Spender, die auf anderen Wegen von der Aktion erfahren hatten: Die Rehau AG, Landrat Oliver Bär als Privatperson und auch die Stadt Rehau haben gespendet – letztere hatte gleich zugesagt, pro gelaufener Runde insgesamt zu spenden. So gingen in diesen Tagen große Summen ein auf dem Konto des Fördervereins und in Bar bei den beiden Organisatorinnen. Sie leiten sie nun weiter.

Die Spenden gehen ans Aktionsbündnis Katastrophenhilfe, zu dem sich Caritas, Rotes Kreuz, Unicef und Diakonie zusammengeschlossen haben, um direkt in der Ukraine zu helfen, wo es geht. „Das war uns wichtig: Wir wollten irgendwie dazu beitragen, die humanitäre Katastrophe dort abzumildern“, sagt Patricia Schneider. Die Motivation dafür sei auch von den Schülern selbst gekommen, ergänzt ihre Schwester Yvonne Heidel: „Wir Lehrer merken, dass die Schüler darüber reden möchten. Den Bildern kann sich keiner entziehen.“ So werde auch im Klassenzimmer viel über die persönlichen Ängste und Sorgen gesprochen. Und nun auch über das, was man tun kann.

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