Rehau Volle Busse – leere Züge

Morgens am Rehauer Bahnhof: Nur eine Handvoll Schüler steigt in den Zug nach Selb. Foto: /Frank Mertel

Seit jeher fahren Rehauer Schüler mit dem Bus nach Selb zum Gymnasium. Es ist einfach deutlich bequemer. Mit dem Zug fährt kaum jemand. Das hat mehrere Gründe.

Rehau/Selb - Ein ausgewogenes Verhältnis sieht sicherlich anders aus. Während die Rehauer Schüler auf ihrem Weg ins Gymnasium nach Selb in ziemlich vollen Bussen sitzen, fährt zur vollen Stunde ein weitgehend leerer Zug der Agilis ebenfalls nach Selb. Das ist seit gefühlten Ewigkeiten so. Auf Nachfrage teilt die Agilis mit, dass rund sechs Prozent der Fahrgäste zwischen Rehau und Selb mit Schüler-Monatskarten unterwegs sind. Die Folge: „Wir haben zu den relevanten Zeiten im Schülerverkehr noch Kapazitäten in unseren Zügen, um zusätzliche Schüler befördern zu können“, schreibt Agilis-Sprecherin Katharina Ziegler. Da stellt sich die Frage: Wie kommt diese Situation zustande? Und: Ginge es auch anders?

Eltern und Eltern haben aktuell die Wahl: Die Schüler können mit dem Bus oder mit dem Zug nach Selb fahren. Offenbar entscheidet sich aber die allergrößte Mehrheit für die Fahrt mit dem Bus. Der Grund dafür dürfte unter anderem darin bestehen, dass der Fußweg vom Selber Bahnhof nicht ganz kurz ist. Rund 20 Minuten ist man zu Fuß unterwegs, um vom Bahnhof zum Walter-Gropius-Gymnasium zu gelangen. Ein Weg, den wohl die wenigsten Schüler bei Wind und Wetter auf sich nehmen wollen. Auch die Busverbindung im Selber Stadtverkehr ist offenbar nicht verlockend genug. Eine Kombination beider Beförderungsarten ist im Schüler-Ticket nicht vorgesehen.

Warum das so ist, erklärt das Landratsamt Hof auf Nachfrage. An das nämlich müssen sich Eltern und Schülern im Landkreis Hof wenden, wenn es um die Bus- oder Zug-Tickets geht. Auch dann, wenn sich die Schule in einem anderen Landkreis befindet, wie in diesem Fall im Landkreis Wunsiedel. Der Wohnort zählt.

Laut Landratsamt Hof können sich die Schüler für entweder ein Zug- oder ein Bus-Ticket entscheiden. Oder aber ein Kombi-Ticket, aber dafür habe sich noch nie auch nur ein Schüler entschieden. Das hat Kostengründe. Der Landkreis hat die Preise für die Tickets ausgehandelt. Die Folge: „Die Ausgabe kombinierter Zug-/Busfahrkarten ist nicht möglich, da mit dem Busunternehmen – Regionalbus Ostbayern GmbH – im Sinne der Rehauer Schüler ein Sondertarif ausgehandelt wurde, der nicht mit dem Schienenverkehr kombinierbar ist“, heißt es seitens des Landkreises Hof.

Der Landkreis übernimmt grundsätzlich die Kosten für das günstigste Verkehrsmittel zur nächstgelegenen Schule. Das nächste Gymnasium für die Rehauer ist, je nach Wohnort innerhalb der Stadt, in Hof oder eben in Selb. Damit die Schüler innerhalb der Stadt nicht auseinander gerissen werden, hat der Landkreis für alle Schüler denselben Sondertarif ausgehandelt, eben jenen nach Selb. „Nur aufgrund dieses Sondertarifs haben alle Schüler aus der Stadt Rehau derzeit die Möglichkeit, das Gymnasium in Selb kostenfrei erreichen zu können. Andernfalls wären die Fahrtkosten nach Selb außerhalb des gesetzlichen Ermessensspielraumes in Höhe von 20 Prozent“, sagt Stefanie Schulze.

Monatlich kostet das jeweilige Ticket laut Pressesprecherin Stefanie Schulze 77,50 Euro im Monat – für elf Monate pro Jahr. Ein Monat wird als Ferienmonat nicht berechnet. Diese 77,50 Euro zahlt der Landkreis, für Eltern und Schüler bleibt die Beförderung kostenfrei. Ein Kombi-Ticket, mit dem Schüler flexibel zwischen Bus und Bahn wechseln könnten, würde mit 96 Euro zu Buche schlagen. Das müssten die Familien der Schüler selbst tragen, der Landkreis würde 77,50 Euro erstatten – eben den Preis für das günstigste Verkehrsmittel. Blieben 18,50 Euro pro Monat, die von Eltern oder Schülern elfmal im Jahr zu zahlen wären. Sind im Jahr 203,50 Euro. Umsteigen auf das andere Ticket kann immer zum Monatsanfang.

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