Dass Kunst im Auge des Betrachters liegt, ist ein Allgemeinplatz. Die eine sieht in dem gleichen Gemälde den Ausdruck größter Harmonie und Zufriedenheit, von dem sich jemand anderer vielleicht angewidert abwendet. Dass sich der Zustand eines Vereins gleichermaßen je nach demjenigen, der ihn ins Auge fasst, stark unterscheidet, zeigt sich am Beispiel Kunstverein Rehau. In dem hat es zuletzt nämlich ziemlich gerumpelt. Der Verein hatte sich erst vor einem Jahr gegründet, nachdem das Ehepaar Annie und Ralf Sziegoleit von Hof nach Rehau wechselte, um dort mit einem neuen Verein das dortige Kunsthaus zu bespielen. Sie ist die Vorsitzende, er der Schriftführer. Und sie bilden momentan die einzig verbliebene Vereinsspitze abseits des Beirates. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Müller aus Bad Steben und Kassierer Peter Lippert aus Helmbrechts haben die Brocken hingeworfen. Und zwar aus einem bunten Blumenstrauß an Anlässen. Der Eklat, den es kürzlich während der Vernissage zur Ausstellung „Haus-Kunst“ im Rehauer Rathaus gegeben hatte, als die Stadt ein AfD-kritisches Bild von Müller nicht hängen lassen wollte, war da nur ein Streitpunkt von vielen. Dass der damalige stellvertretende Vorsitzende noch während der Eröffnung das Wort ergriff und die Stadt der Zensur bezichtigte, kam bei den Sziegoleits nur mäßig gut an – ob angekündigt oder nicht.