Reinhart-Gymnasium erweitert seinen sprachlichen Zweig Im dritten Anlauf klappt es mit Spanisch

Timo Schmidt
Spanisch kommt jetzt nach Englisch, Latein und Französisch fest an das Reinhart-Gymnasium: Direktor Michael Wagner (links) und sein Stellvertreter Thomas Stelzer freuen sich über die entsprechende Genehmigung des bayerischen Kultusministeriums. Foto: / Schmidt

Das Hofer Reinhart-Gymnasium kann ab dem nächsten Schuljahr spanisch als feste dritte Fremdsprache ab der achten Klasse anbieten. Das bayerische Kultusministerium hat endlich die Genehmigung für das lange geplante Vorhaben erteilt. Bisher waren entsprechende Anträge der Schulleitung vom Ministerium aus nicht genannten Gründen abgelehnt worden.

 
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Hof - „Man soll das Denken lehren, nicht, was gedacht wird“ steht auf spanisch an einer Wand im Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium. Bald sollen mehr Schüler diesen Satz übersetzen und darüber nachdenken können, denn ein Herzensprojekt der Lehrer und des Elternbeirates der Schule wird endlich Realität: Spanisch als feste dritte Fremdsprache nach Englisch und der Wahl zwischen Latein oder Französisch.

Das bayerische Kultusministerium hat der Schulleitung am vergangenen Dienstag mitgeteilt, dass sie den neuen, mittlerweile zum dritten Mal gestellten Antrag der Schule auf die Erweiterung des sprachlichen Zweiges genehmige. „Die Freude ist bei uns allen riesig“, sagt Schulleiter Michael Wagner. „Die Idee für das Vorhaben hatten wir ja schon lange, ungefähr seit 2012.“ Konkret bedeutet die Bewilligung des Antrags, dass das Gymnasium im nächsten Schuljahr ab der achten Klasse Spanisch als dritte Fremdsprache anbieten kann. Und zwar unabhängig davon, für welche zweite Fremdsprache die Schüler sich in der 6. Klasse entschieden haben.

Entscheidung zwischen Ausbildungsrichtungen fällt nun später

Zur Wahl stehen im Reinhart-Gymnasium dabei Latein oder Französisch. Wer Letzteres wählte, belegte bisher automatisch den naturwissenschaftlich-technischen Zweig. Darin werden die Schüler verstärkt in Fächern wie Physik, Chemie oder Informatik unterrichtet. Künftig soll die endgültige Entscheidung zwischen dem sprachlichen und naturwissenschaftlichen Schwerpunkt allerdings erst in der achten Klasse fallen. Dann steht den Schülern auch offen, Spanisch als dritte Fremdsprache zu wählen.

Bisher war es am Reinhart-Gymnasium nur möglich, Spanisch in der zehnten Klasse als zusätzliche Sprache zu belegen. „Dafür legt man dann aber die zweite Fremdsprache ab“, sagt Stelzer. Aktuell hat das Gymnasium drei Stammlehrkräfte, die sich ab Herbst auch um die neuen Spanisch-Klassen kümmern könnten. Wie viele Schüler das Angebot nutzen werden, ist noch unklar. Schulleiter Wagner rechnet aber damit, „dass es einige sein werden.“ Bei einem großen Andrang auf die neue dritte Fremdsprache könnten ab Sommer dann auch weitere Spanisch-Lehrer das Kollegium des Gymnasiums erweitern.

Stärkung des wenig genutzten sprachlichen Schwerpunktes

Die sprachliche Ausbildungsrichtung verstärken: Das war das Ziel von Schulleiter Michael Wagner und seinem Stellvertreter Thomas Stelzer. „In ganz Bayern kann man beobachten, dass ein Großteil der Schüler sich für den naturwissenschaftlichen Zweig entscheidet“, sagt Wagner. Der sprachliche Schwerpunkt am Reinhart-Gymnasium beinhaltete bisher fast ausschließlich die Sprachen Englisch, Latein und Französisch. Mit Spanisch als einer der weltweit meistgesprochenen Sprache gewinne der sprachliche Zweig an Attraktivität.

Ebenso wie das Gymnasium selbst, das jetzt in der Region ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Sie ist die einzige im Nordosten Bayerns, in der ab dem nächsten Schuljahr Spanisch als dritte Pflichtfremdsprache gelehrt wird. Die nächsten Schulen, in denen das möglich ist, gibt es erst wieder in Kulmbach oder Bayreuth. „Das war auch eines der Argumente, die wir in dem Antrag an das Ministerium angeführt haben: Das gibt es bei uns in der Region bisher noch nicht“, sagt Wagner.

Große Freude im gesamten Lehrerkollegium

Nicht nur die Sprachlehrer an der Schule sind laut Stelzer „aus dem Häuschen“ wegen der Neuigkeit aus dem Ministerium. Die Freude sei auch bei denjenigen groß, die selbst eigentlich in naturwissenschaftlichen Fächern unterrichten, sagt Direktor Wagner. „Wir haben am Dienstag auch zusammen mit der erweiterten Schulleitung, die sonst nur aus Mathelehrern besteht, auf die Nachricht angestoßen.“ Die Aufnahme von Spanisch als fester Fremdsprache in den sprachlichen Zweig sei relativ unkompliziert und ohne größeren Aufwand möglich, sagt Wagner.

Chance für Wirtschaft und Familien

Michael Wagner und Thomas Stelzer kommen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, während sie die Vorteile des neuen Sprachangebotes an ihrer Schule erläutern. „Das ist ein Gewinn für unsere gesamte regionale Bildungslandschaft“, sagt Wagner. Außerdem könnten regionale Unternehmen davon profitieren, wenn sie auf der Suche nach sprachlich begabten Mitarbeitern sind: „Spanisch ist ja auch in der Arbeitswelt gefragt.“ Thomas Stelzer merkt an: „Es kommt auch immer wieder mal vor, dass nach Hof Familien ziehen, deren Kinder in ihren vorherigen Schulen schon Spanisch gelernt haben. Jetzt fällt es denen auch leichter, Anschluss bei uns zu finden.“ Außerdem, überlegt Stelzer, könnte die Schulfamilie sich nun auch Schüleraustausche und Partnerschaften mit spanischen Schulen vorstellen. „Das ist aber noch Zukunftsmusik. Jetzt muss erst einmal der Unterricht anlaufen.“

Gründe für bisherige Absagen der Anträge unbekannt

Warum es so lange gedauert hat, bis das bayerische Kultusministerium der Erweiterung des sprachlichen Zweiges zustimmte, weiß Schuldirektor Wagner nicht. „Ich glaube aber, weil in den letzten Jahren so viele Anträge von bayerischen Schulen auf die Erweiterung des sprachlichen Angebots kamen, wollte das Kultusministerium nicht alle auf einmal genehmigen.“ Bei den bisherigen beiden Anträgen des Reinhart-Gymnasiums hatte das Ministerium keine Gründe für ihre Absagen genannt.

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