Relikt aus alten Tagen Die alte „Mang“ steht jetzt im Dorf

Alfons Prechtl
Mit dem Aufstellen der Kalt-Mangel schufen sie eine Attraktion: Beate und Hermann Degelmann (links) sowie Marina und Erwin Zierer. Foto: Alfons Prechtl

Jahrzehntelang steht eine alte Wäschemangel in einem Wirtschaftsgebäude eines Waldgutes im Marktredwitzer Ortsteil Glashütte. Gemeinsam mit der Besitzerin sichern zwei Ehepaare die historische Maschine für die Nachwelt.

Die alte Mangel passt zum Industrieweg des Fichtelgebirgsvereins.

Jahrzehntelang steht eine alte Wäschemangel in einem Wirtschaftsgebäude eines Waldgutes im Marktredwitzer Ortsteil Glashütte. Gemeinsam mit der Besitzerin sichern zwei Ehepaare die historische Maschine für die Nachwelt.

Manchmal ist es gut, wenn bei einer schwierigen Entscheidung hilfreiche Leute zur Verfügung stehen. So geschehen im Marktredwitzer Stadtteil Glashüte, als es darum ging, eine jahrhundertalte Wäschemangel (im Volksmund „Mang“) zu entsorgen oder der Nachwelt zu erhalten. Dem entschiedenen Einsatz der Besitzerin, einer Frau aus München, und der Familien Degelmann und Zierer, ist es zu verdanken, dass das Gerät der Öffentlichkeit zum Anschauen und Bestaunen zur Verfügung steht.

Jahrzehntelang schlummerte die Wäschemangel in den Wirtschaftsgebäuden des ehemaligen Waldgutes, das in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts mit vielen Beschäftigten den Höhepunkt erreichte. Große Tischdecken und breite Kleidung mussten entsprechend aufgearbeitet werden. Dazu war die große Kaltmangel notwendig.

Gemeinsam Lösung gefunden

Als die Gebäude in diesen Tagen abgebrochen wurden, um einem Neubau Platz zu machen, hatte sich die Münchnerin an Museen gewandt, um einen würdigen Platz für die Mangel zu finden. Erfolglos. Gemeinsam mit den Nachbarn in Glashütte, Hermann Degelmann und Erwin Zierer, fand sie eine Lösung. „Für uns war von vorneherein klar, dass die Maschine gerettet werden musste, denn sie bietet eine wunderbare Erinnerung an die Nachwelt, wie man früher gearbeitet hat.“ Kopfzerbrechen bereitete lediglich die Frage „Wohin damit?“ Das Gerät sollte nicht wieder im Keller oder in einer Scheune verschwinden – früher gab es dafür eine eigene Rollkammer. Man lagerte die Mangel zunächst im Anwesen Degelmann. Große Reinigungen oder Ausbesserungen waren nicht notwendig, denn der Zustand war einwandfrei; lediglich die schweren Steine – insgesamt eine Tonne –, die für das Bügeln notwendig waren, mussten entfernt werden, um das Gerät überhaupt transportieren zu können. Das Eichen- und Fichtenholz sowie die Eisenräder brachten ein schönes Gewicht auf die Waage.

Nach langem Überlegen kam der rettende Gedanke. Beim Anwesen Ziegler befindet sich die Abzweigung nach Haingrün; dort hatte der Fichtelgebirgsverein schon vor längerer Zeit zwei Wegweiser mit der Aufschrift „Auf den Spuren alter Industrien“ anbringen lassen. Sie sollen auf die ehemaligen Industriestandorte nach Haingrün und Brand zeigen. Der Platz war ideal für die Präsentation der Mangel. Für den Transport hatte man genügend eigene Geräte zur Verfügung, sodass dies schnell über die Bühne gehen konnte.

3,5 Meter lang

Die Glashütten-Mangel hat beträchtliche Ausmaße: Länge 3,50 , Breite 1,50 und Höhe 1,60 Meter. Der Unterbau besteht aus Fichtenholz, der Oberbau aus Eichenholz. Das notwendige Gewicht wurde durch eine Tonne Feld- und Wiesensteine erzeugt. Im Normalfall konnte eine Fachkraft die Anlage bedienen.

Erwin Zierer schätzt, dass die Mangel im Ausgang des 19. Jahrhunderts gebaut worden ist.

Nach dem Goethestein hat der Marktredwitzer Stadtteil nunmehr eine zweite Attraktion. Sie eignet sich sehr wohl zu einem Besuch, und Schulklassen können sich bei einer Wanderung die Wirkweise und Bedeutung der Wäschemangel erklären lassen. Was fehlt? Eine detaillierte schriftliche Erklärung des Gerätes. Diese dürfte aber sicher schon bald angebracht werden, spätestens wenn das städtische Archiv darauf aufmerksam wird.

Aktualisierung

Anmerkung
Der Text wurde nach Erscheinen des Artikels in der Frankenpost – und nach Rücksprache mit der Besitzerin der Mangel – in der Online-Version korrigiert.

 

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