Restla-Kochkurs des AZV Was tun mit Resten im Kühlschrank?

75 Kilogramm Lebensmittel wirft der durchschnittliche Deutsche jedes Jahr in den Müll. Abfallzweckverband und Küchencenter Findeiß laden zu zwei „Restlakochkursen“. Sie wollen zum Thema Müllvermeidung beitragen.

Hof - 75 Kilogramm Lebensmittel wirft der durchschnittliche Deutsche jedes Jahr in den Müll. „Das sind sechs Millionen Tonnen jährlich, nur aus Privathaushalten“, sagt Hermann Knoblich vom Abfallzweckverband Hof. Wie viel Lebensmittel im Einzugsbereich des AZV weggeworfen werden, lasse sich nicht feststellen, klar ist aber: „Die Themen Klimaschutz, Müllverwertung und Müllvermeidung bekommen einen immer höheren Stellenwert bei den Menschen – wir bekommen dazu immer mehr Fragen und Rückmeldungen.“ Aus diesem Grund laden der Abfallzweckverband und das Küchencenter Findeiß in Hof nun zu zwei Restla-Kochkursen.

Am 21. und am 28. Oktober, jeweils um 18 Uhr, zeigt Eventkoch Frank Knöchel über jeweils drei Stunden hinweg, was alles machbar ist mit dem Übriggebliebenen in Kühlschrank und Speisekammer. Die Kursgebühr beträgt 20 Euro, Anmeldungen für die Restplätze sind noch möglich unter info@azv-hof.de. Das Schnippeln von Zucchini- oder Paprika-Resten, die für sich genommen nicht mehr zum ganzen Gericht taugen würden, hat einen tieferen Ansatz.

„Wir merken, wie sehr sich die Menschen informieren und interessieren zum Thema Müllvermeidung“, sagt Silke Popp-Köhler vom AZV, die die Kurse mit initiiert hat. Sie ist auch viel in den Schulen der Region unterwegs, wo sie Achtklässler erlebt, die sich Gedanken machen übers Einkaufen ohne Plastiktüten und Lehrer, die immer wieder nachfragen, wie sie das Thema denn in den Unterricht einbauen können. „Ich merke, dass sich die Leute Gedanken machen, und auch, dass die Schüler das, was sie lernen, mit nach Hause tragen“, sagt Popp-Köhler. Dass sich aus alten Klößen wunderbare eingeschnittene Klöß’ machen lassen, sei freilich kein Hexenwerk – in den Kursen soll es daher noch um etwas mehr gehen.

„Frank Knöchel möchte Zutaten mitbringen, die wirklich in jedem Haushalt mal anfallen oder übrig bleiben: Es geht darum, neue Ideen zu entwickeln und nicht nur die klassischen Wege zu gehen“, sagt Silke Popp-Köhler. Das gilt nicht nur für den Umgang mit der halben Zwiebel, sondern auch für das grundsätzliche Ziel, das der AZV verfolgt. Im Rahmen seiner Kampagne „#wenigermuellimhoferland“ sucht er sich jeden Monat einen anderen Schwerpunkt zum Thema Müll. Dazu gehören beispielsweise das Verpackungssystem „Vytal“ für Metzgereien oder Gastronomie (die Frankenpost berichtete ausführlich): „Das wird, was wir hören, von den Kunden sehr gut angenommen. Es könnten aber noch mehr Unternehmer anbieten“, sagt Hermann Knoblich. Vor allem aber geht es ihm um die Grundeinstellung – und das, was sich damit bewirken lasse.

„Milch in der Glasflasche hat es nun jahrelang nicht oder kaum gegeben, aber auf einmal ist das wieder überall zu kaufen“, sagt er. Der Kunde könne also mit seinem Einkaufsverhalten mitbestimmen, was angeboten wird in den Märkten. Dazu möchte der AZV die Menschen ermuntern: „zu hinterfragen, was sie tun und kaufen und wie es sich auswirken könnte.“ Da spiele auch der Preis der Produkte nicht immer eine Rolle: „Leitungswasser ist günstiger und praktischer als solches aus der Flasche, und selbst gemachtes Joghurt ist günstiger als gekauftes.“ So geht es ihm darum, das Thema Müllvermeidung weiter ins Bewusstsein zu rücken. Denn die Statistik zeigt leider eindeutig: „Da hat sich in den vergangenen Jahren noch nichts getan in Deutschland.“ Die anfallenden Müllmengen seien seit Jahren die gleichen. „Was sich verbessert, ist der Anteil daran, der wiederverwertet wird – im Recycling sind wir also ganz gut dabei. Aber die Grundmenge ist leider gleich geblieben.“ Das zu ändern, daran wolle man nun arbeiten.

Autor

 

Bilder