Doch es geht nicht nur um Vergangenheitsbetrachtung: Die Themen der Oper seien "politisch sehr relevant", betont sie. "Gerade jetzt, da rechtspopulistische und faschistische Tendenzen wieder stärker wahrnehmbar werden, hat dieses Stück eine unheimliche Aktualität gewonnen. Es ist gewissermaßen ein Mahnmal. Die entscheidende Frage ist: Wo kippt eine Demokratie? Ab wann gleitet sie fast unmerklich in andere Mechanismen ab?"
Als Rienzi in der Inszenierung zum Machthaber gewählt wird, bekommt er 41 Prozent der Stimmen. Das kann als Fingerzeig verstanden werden: So viel Zustimmung hat laut einer aktuellen Meinungsumfrage die AfD sechs Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
Hitlers Lieblingsoper?
"Rienzi" ist Wagners dritte Oper und war einst sein größter Erfolg. Sie erzählt von Aufstieg und Fall des römischen Volkstribuns Cola di Rienzo, der die Macht der herrschenden Klasse brechen will - und dann am eigenen Größenwahn zugrunde geht.
Das Werk wird oft als Hitlers Lieblingsoper bezeichnet. Das liegt vor allem daran, dass sein Jugendfreund August Kubizek Wagners Frühwerk als wichtige Inspirationsquelle für den späteren Diktator beschrieben hat. "In jener Stunde begann es...", soll Hitler, der später als enger Freund der Familie Wagner in Bayreuth ein und aus ging, gesagt haben, nachdem er als Teenager in Linz Wagners Oper "Rienzi" gesehen hatte. Außerdem eröffnete die Ouvertüre die Reichsparteitage der NSDAP.
Auch darum hatte es kritische Stimmen gegeben, weil das Werk ausgerechnet im Jubiläumsjahr - und nur dann - aufgeführt werden soll. Dafür war sogar eine Sondergenehmigung im Stiftungsrat der Festspiele nötig. Nach der Premiere ist klar: Aus Publikumssicht könnten es auch ruhig noch ein, zwei Jahre mehr werden.