Memorial empfiehlt seinen Mitstreitern, das Logo aus Social-Media-Profilen zu entfernen und keine Texte zu reposten. Man wolle möglichst wenig Angriffsfläche bieten, sagt Scherbakowa. Welches Risiko jemand zukünftig auf sich nehme, "wird die Entscheidung jedes einzelnen sein".
Was ändert sich für die Arbeit von Memorial im Exil?
Angesichts der Vertreibung von Memorial aus der Heimat gewinnt die Arbeit im Ausland umso größere Bedeutung; und aufstecken wollen die Menschenrechtler nicht. "Wir bleiben die Stimme unserer Organisation", sagt Scherbakowa. Das wichtige Archiv mit Millionen Dokumenten sei weitgehend digitalisiert und im Internet veröffentlicht, sagt Elena Zhemkova, Geschäftsführerin von Zukunft Memorial in Berlin. "Dieses Wissen ist weltweit zugänglich und kann nicht mehr vernichtet werden."
Auch wenn die Arbeit in Russland unmöglich werde, sei Memorial nicht überflüssig, heißt es in der Mitteilung der Organisation. "Im Gegenteil: Es macht unsere Aufgabe dringlicher. Erinnern ist Widerstand – gegen Geschichtsmythen und gegen eine neue Legitimation staatlicher Aggressionen nach innen und außen."