Sanierte Trogener Kirchenorgel 115 Jahre alt und kein bisschen leise

Uwe Faerber
Die generalsanierte Orgel begeisterte die Trogener Besucher. Foto: /Uwe Faerber

Von der Luft für die Orgel zum Atem Gottes: Die Einweihung der erneuerten Trogener Orgel gerät zum großen Lob des Herrn und der Orgelbaukunst.

Trogen - Die alte Orgel in der Kirche Trogen klingt wie neu – einer Renovierung sei Dank. Das wurde, wie kurz berichtet, am Sonntag gefeiert. Pfarrer Jochen Amarell hatte zum Orgel-Gottesdienst eingeladen, damit alle den Wohlklang der erneuerten Orgel hören können.

Amarell blickte auf die Geschichte des Instruments zurück, das 1907 erbaut wurde von der Orgelbaufirma Steinmeyer aus Oettingen, gelegen zwischen Nürnberg und Augsburg. Ein Mitarbeiter der gleichen Firma hat jetzt - nach mehr als 100 Jahren – das Instrument auf Vordermann gebracht.

Das hat er augenscheinlich so gut gemacht, dass Pfarrer Amarell den anwesenden Orgelbauer mit „Herr ,Edelmann‘ Marx“ begrüßte, weil der Orgelbau eine so edle Kunst sei.

Dekanatskantor Georg Stanek gab Erläuterungen zu den Möglichkeiten des Instruments - und griff in die Tasten. Nach seinen Worten ist die Orgel deshalb die Königin der Instrumente, weil sie in der Lage ist, verschiedene Orchesterinstrumente zu imitieren wie Posaune und Flöte oder Streicher wie Gambe oder Cello. Die Nennung jedes Instruments verdeutlichte er mit Klangbeispielen; die tiefsten Töne lassen die Fenster vibrieren.

Pfarrer Amarell widmete sich der Frage, warum es wichtig sei, Orgeln zu erhalten. Ja, sagte er, weil sie ein Kunst- und Kulturschatz seien. Aber mehr noch, weil ihr Wohlklang dem Lob Gottes diene. Der Pfarrer spannte den Bogen vom Luftstrom, der die Orgel zum Klingen bringt, bis zum ersten Atemzug eines Neugeborenen: „So wie die Orgelpfeifen die Luft brauchen, benötigen wir Menschen den Atem Gottes.“

In seiner ungewöhnlichen Orgel-Predigt bemühte Amarell einen zweiten Vergleich: Wenn alle Register gezogen würden, dann klinge die Orgel in voller Pracht. „Wenn jemand im übertragenden Sinne alle Register zieht, dann versucht er alles Menschenmögliche, um sein Ziel zu erreichen: Er bittet, er klagt, er droht…“ Und schon war der Pfarrer bei der aktuellen politischen Lage – und beim Krieg in der Ukraine, wo die Diplomatie alle Register gezogen und dennoch versagt habe.

Und dennoch machte Pfarrer Amarell auch Mut, als er aus dem Gedicht einer Frau aus Westfalen zitierte: „Die Orgel ist ein Zeichen, wie Kirche gehen kann: Nur alle gemeinsam geben einen guten Klang.“

Die drei nebenberuflichen Organistinnen der Kirchengemeinde freuen sich über die Sanierung „ihrer“ Orgel, deren Töne nach übereinstimmender Meinung jetzt weicher klingen. „Und der Klang ist melodischer geworden“, sagt die Dienstälteste, die 86-jährige Gerswinde Gerstner, die seit 50 Jahren im Einsatz ist.

„Vor der Renovierung waren manche Register nicht mehr benutzbar, manche klangen anders als gewünscht, die Variantenvielfalt war eingeschränkt“, ergänzen Elisabeth Wandel (66) und Yvonne Büttner (45), die beiden anderen Organistinnen.

Einmal sei es sogar vorgekommen, dass der Pfarrer die Organistin während der Predigt aufgefordert habe, die Orgel abzuschalten, um einen störenden Dauerton zu beseitigen. Und was antwortete die Frau? „Die Orgel ist ausgeschaltet.“

Heute kann man über die Episode lachen, die Elisabeth Wandel zum Besten gibt. „Heute macht es mehr Spaß denn je, auf der Orgel spielen zu dürfen: Es ist ein beglückendes Geschenk.“

Für alle Laien sei hinzugefügt, dass dieses Geschenk viel Fleiß erfordert: „Man muss viel üben: Vor einem Gottesdienst sitze ich oft dreimal die Woche je zwei Stunden an der Orgel“, berichtet Elisabeth Wandel.

 

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