Sanierung in Arzberg Es knirscht im Dach der Kirche

Pfarrer Stefan Prunhuber sorgt sich um seine Kirche. Mit den Kreuzen haben Baugutachter die Balken markiert, die marode sind und erneuert werden müssen. Von manchen Hölzern sind nur noch Bruchstücke übrig.. Foto: Gerd Pöhlmann

Der Dachstuhl des katholischen Gotteshauses in Arzberg ist marode, manche Balken kaum mehr vorhanden. Die Sanierung wird ein finanzieller Kraftakt.

Pfarrer Stefan Prunhuber hat schon seine Kreuzchen gemacht. Entgegen seinen Gepflogenheiten hat der Arzberger Geistliche Lotto gespielt – mit überschaubarem Ergebnis allerdings. „Es ist eben nicht sein Wille“, sagt er und blickt nach oben. Der Blick des katholischen Pfarrers wandert in jüngster Zeit immer wieder nach oben, wenn auch aus anderen Gründen. Der Dachstuhl der Pfarrkirche Maria Immaculata ist extrem marode, eine Sanierung unumgänglich. „Die Finanzierung bereitet mir schlaflose Nächte“, sagt Prunhuber. Und nicht nur das Dach bedarf einer Erneuerung, auch die Fassade gehört saniert. Ebenso möchte Stefan Prunhuber den Innenraum wieder auf Vordermann bringen. Aber das, so sagt er, sei angesichts der bevorstehenden wirklich dringenden Aufgaben noch Zukunftsmusik.

Verdrehtes Kopfband

Seit gut sechs Jahren trägt sich die Arzberger Pfarrei mit dem Gedanken, das Gotteshaus zu renovieren. Ursprünglich war geplant, ein Fenster nahe der Orgel auszutauschen. „Wir wollten ein Kippfenster einbauen, um Schimmelbildung am Instrument zu verhindern“, sagt Prunhuber. Die Mängelliste wurde in der Folgezeit länger und länger. Zusätzlich entdeckte der Geistliche 2017 beim Gang durch den Dachboden der Kirche ein in sich verdrehtes Kopfband – eine hölzerne Strebe, die dem Dachstuhl eigentlich Stabilität verleihen soll. Nachdem Prunhuber einen Architekten kontaktiert hatte, sicherten Fachleute die Konstruktion an der betreffenden Stelle – und sahen sich den Dachstuhl genauer an. Was sie fanden, waren Hausschwamm, Korrosionsfäule und pulverisiertes Gebälk, stellenweise war gar keines mehr vorhanden. „Vor allen an der Südseite und am Turm, wo das Wasser nicht richtig ablaufen kann“, erklärt Prunhuber.

Bausünden aus den 1970ern

Eine Gutachterin attestierte dringenden Sanierungsbedarf. In einem Plan strich sie alle mangelhaften Stellen an: Es gibt kaum Dachbalken oder Fußpfetten, die nicht rot markiert sind. Ein kleiner Trost: Das Gewölbe über dem Kirchenschiff ist stabil. Niemand müsse sich Sorgen machen, dass das Dach ins „Wohnzimmer der Gläubigen“ gestürzt komme, sagen die Statiker. „Und wenn wir die Kirche schon mal einrüsten lassen, dann müssen wir uns auch um die schadhafte Fassade kümmern“, sagt Stefan Prunhuber. So werden die undichten Fenster ausgetauscht. Auch der Verputz soll runter und das Gotteshaus wieder ins Aussehen von 1875 versetzt werden. Kein Luxus, sondern eine Auflage des Denkmalschutzes. Und bitter nötig, wie Prunhuber unterstreicht: „In den 1970er-Jahren ist vieles gemacht worden, was sich im Nachhinein als schädlich für das Mauerwerk herausgestellt hat.“

Zu allem Überfluss tauchte mitten in den Verhandlungen zwischen Pfarrei und Bistum Regensburg über die Finanzierung ein Dokument aus dem Jahre 1924 auf. Und das hatte es in sich. Bis dahin waren in Arzberg nämlich alle davon ausgegangen, dass das Bistum die Baulast alleine tragen müsse. „Unsere Kirche wurde als bischöfliche Administrationskirche errichtet“, erläutert Stefan Prunhuber. „Das heißt, sie gehörte dem Bischof, nicht der Pfarrei.“ Gehörte. Denn dem besagten Dokument zufolge kaufte die Arzberger Pfarrei vor rund 100 Jahren die Kirche und mit ihr alle Verpflichtungen, die mit dem Eigentum einhergehen. Im Klartext heißt das: Das Bistum kommt nur für die Hälfte der Renovierungskosten auf. Die anderen 50 Prozent muss die Pfarrei Arzberg tragen. „Das wissen wir seit 2019.“ Stefan Prunhuber geht von einem „hohen siebenstelligen Betrag“ aus.

Von Unterstützung abhängig

„Arzberg ist keine reiche Pfarrei“, stellt der Geistliche klar. „Wir müssen sanieren, dürfen aber keinen Kredit aufnehmen.“ Zudem muss Prunhuber immer eine bestimmte Summe Geld vorhalten, um etwa Personal zu bezahlen. Um die Renovierungen finanzieren zu können, ist die Pfarrei auf die Unterstützung der Gläubigen angewiesen. „Ich bin sehr dankbar, wenn die Leute jährlich ihr Kirchgeld geben“, sagt Prunhuber. Spenden sind das eine, diverse Aktionen das andere. Der Arzberger Pfarrer plant mehrere Veranstaltungen, die Geld für die notwendigen Baumaßnahmen bringen sollen. Er denkt an ein Konzert im Singerpark, eine Theateraufführung, vielleicht eine Dachziegel-Patenschaft. So hofft der Geistliche , dass viele kleine Beträge letztendlich die Sanierung finanzieren werden. Denn die Kirche ist ja nicht die einzige Baustelle, die Stefan Prunhuber in Atem hält. Die Kindertagesstätte Marienheim steht ebenfalls vor einem Um- und Anbau.

Prunhuber hofft, noch dieses Jahr die Arbeiten für die Kirchensanierung ausschreiben zu können. Dann könnte es im nächsten Jahr losgehen. „In Kirchenkreisen heißt es, es gebe ,Genusspfarrer’ und ,Baupfarrer’“, sagt Prunhuber und wünscht sich, das 150. Jubiläum der Kirchenweihe 2025 im renovierten Gotteshaus feiern zu können. Dann aber als Genusspfarrer.

Am morgigen Sonntag gastiert Sängerin Brigitte Träger mit ihrem Programm „Von Maria zu Jesus“ in der katholischen Pfarrkirche Maria Immaculata. Beginn des Konzerts ist um 17 Uhr. Der Erlös fließt in die Renovierung der Kirche.

Grundsteinlegung 1874

Bischof Ignatius von Senestrey
Vor dem Bau der Kirche Maria Immaculata trafen sich die rund 100 Arzberger Katholiken in einem Gebetsraum. In der Erwartung, dass sich in Arzberg durch die zunehmende Industrialisierung immer mehr Katholiken niederlassen würden, machte sich Bischof Ignatius von Senestrey für den Bau einer Kirche stark. „Gläubige und Priester aus dem gesamten Bistum spendeten damals Geld für den Bau“, sagt Pfarrer Stefan Prunhuber. Die Pläne für die neugotischen Formen entwarf der Regensburger Domikar Georg Dengler. 1874 wurde der Grundstein gelegt, die Kirche schließlich am 22. September 1875 eingeweiht. Im August 1905 wurde aus der Expositur Arzberg eine selbstständige Pfarrei.

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