Juniorensportlerin des Jahres Ein Preis mit großer Verantwortung

Eine ausgezeichnete Sportlerin ist Sarah Vogel – auch neben der Stabhochsprungbahn. Foto: /Deutsche Sporthilfe

Sarah Vogel steht seit Samstag an vorderster Stelle, wenn es um die Erfolgs-Hoffnungen im deutschen Sport geht. Wie geht die Hofer Stabhochspringerin mit diesem Druck um?

Hof - Was haben Franziska van Almsick, Timo Boll und Laura Dahlmeier gemeinsam? Sie alle sind zu Beginn ihrer Karriere von der Deutschen Sporthilfe als Juniorensportler des Jahres ausgezeichnet worden – und legten anschließend eine famose Karriere hin. Olympiasieger, Weltmeister und Superstars des Sports stehen in der Ahnenreihe, zu der nun – seit Samstag – auch eine Hoferin zu zählen ist. Sarah Vogel wurde mit viel Pomp in Düsseldorf ausgezeichnet. Eine hohe Ehre für die gebürtige Hoferin, die mittlerweile in Hessen lebt. „Es ist krass, zusammen mit diesen großen Namen, Sport-Ikonen und Olympia-Siegern in einem Satz genannt zu werden“, sagt die 19-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gegen eine gute Konkurrenz setzte sich die Stabhochspringerin durch, die dieses Jahr etwas überraschend den Titel bei der U 20-EM in Tallinn geholt und damit den Grundstein für die spätere Auszeichnung gelegt hatte. Sie ließ teilweise Trendsportarten, wie Mountainbike und Ski-Freestyle, sowie junge Weltmeister in der Publikumsabstimmung hinter sich. Rund 6000 Stimmen wurden abgegeben, wie viele dabei auf Vogel entfallen sind, ist nicht bekannt – und der Biochemie-Studentin auch egal: Sieg ist Sieg. „Dass so viele Leute für einen abstimmen, ist cool. Und dann auch noch so viele Stimmen von neutralen Sportfans und aus der Sportfamilie zu erhalten, ist etwas Besonderes.“

Und das feierte Sarah Vogel am Samstag auch ausgiebig – mit der eben angesprochenen Sportfamilie. „Es ist schon etwas anderes, mit der Sportfamilie zu feiern als mit Freunden.“ Eher eine Party unter Gleichgesinnten, die alle durch dieselbe harte Schule aus unzähligen Trainingsstunden müssen, wenn Gleichaltrige sich auch mal eine Auszeit nehmen können. Vielleicht nutzte sie die Chance auch deshalb: Um fünf Uhr am Morgen ging es erst ins Bett.

Ob sie nach dem Aufwachen denn schon daran gedacht hat, welche Verantwortung mit der Auszeichnung einhergeht? Tage nach der Party gibt sich Sarah Vogel reflektiert, aber noch sei alles zu frisch. „Aber natürlich ist es eine Aufgabe für die Zukunft, den deutschen Sport mitzuprägen und zu repräsentieren.“ Ein harter Satz, dessen tiefere Bedeutung eben genau an die Ahnenreihe der Juniorensportlerin des Jahres anknüpft: Die nächste Ära im deutschen Sport soll auch von Sarah Vogel mitgeprägt werden. Möglichst auf höchster Ebene, beispielsweise bei Olympia. „Natürlich erhöht die Auszeichnung Druck und Aufmerksamkeit“, weiß Sarah Vogel.

Gerade der Umgang mit dem Druck ist oft der entscheidende Faktor dabei, wenn es darum geht, eine große Karriere oder eine Weltkarriere hinzulegen. Hält man dem Druck stand? Wie hält es Sarah Vogel? „Ich kann mit Druck umgehen“, sagt sie klar – und verweist auf ihre Erfahrungen. „Ich habe ein sehr schweres Jahr hinter mir, in dem ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde“, sagt sie im Rückblick auf das Jahr 2020 – und einer herben Verletzungspause, die sie völlig aus der Bahn warf. „Ich habe erlebt, wie es ist, von ganz oben nach ganz unten zu kommen.“

Ganz am Boden. Doch wie alle Stabhochspringer ist sie eine, die aufsteht, wieder auf die Bahn geht und wieder durch die Lüfte fliegt. Allerdings ging das bei ihr auch nicht von selbst. Sarah Vogel nahm Hilfe von Sportpsychologen in Anspruch, wie sie bei der Preisverleihung dem Publikum schilderte.

Und so hilft ihr die Erfahrung, durch die sportliche Talsohle geschritten zu sein, auch in diesen Tagen – nicht nur beim Umgang mit der gewachsenen Verantwortung, sondern auch noch an anderer Stelle: Schulterklopfen gibt es dieser Tage oft für sie. Das ist der angenehme Teil der Öffentlichkeit, aber auch eine Gefahr. Die Gefahr, dass sie abhebt, sehe sie aber aufgrund der Erfahrung des vergangenen Jahres nicht. „Dadurch, dass ich gesehen habe, wie es ist, am Boden zu sein, ist diese Gefahr etwas gebannt.“

Ihre Einstellung zu Erfolgen scheint auch eine etwas andere zu sein: „Es wird nicht funktionieren, den Sport nur für den Erfolg oder andere Leute zu machen. Man muss es für sich selbst tun, weil man immer mehr in den Sport steckt, als man dafür rausbekommt – egal, welche Erfolge am Ende aufgelistet werden.“

Außer eben am Samstagabend, als sie für einige Stunden all den Trainings- und Wettkampfalltag hinter sich lassen durfte – und so richtig ihren Einzug in die Reihe der ganz großen (Junioren-)Sportler gefeiert hatte. Völlig zurecht.

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